Türkgücü wird immer wieder Zielscheibe von Spott und Hass.
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Türkgücü wird immer wieder Zielscheibe von Spott und Hass.

Hass-Nachricht an Max Kothny

Türkgücü München: Zwischen Rassismus und legitimer Kritik

  • vonRedaktion Fussball Vorort
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Der Münchner Migrantenverein wurde wieder einmal Zielscheibe rassistischer Anforderungen. Währenddessen äußerten die Fans von Union Berlin sachliche Kritik.

  • Türkgücü München erfährt regelmäßig heftige Kritik.
  • Geschäftsführer Max Kothny veröffentlichte zuletzt eine an Türkgücü gerichtete Hetz-Nachricht auf Instagram.
  • Zugleich sehen sich Befürworter der50+1-Regel aufgrund der jüngsten Vorkommnisse bestätigt.

München - Türkgücü München gehört zweifelsfrei zu den kontroversesten Vereine im deutschen Fußball. Der erste Migrantenverein im Profibereich, emporgekommen in erster Linie durch die Gunst eines einzelnen Investors. Dass das fürKritik sorgt, ist klar. Doch wie diese geäußert wird, ist ein Phänomen für sich. Das vergangene Wochenende steht sinnbildlich für den gesamten Diskurs.

Türkgücü: Kothny veröffentlicht Hass-Nachricht 

Es war Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny höchstpersönlich, der via Instagram einmal mehr auf den Hass aufmerksam machte, der dem Münchner Aufsteiger regelmäßig entgegenschlägt. Er veröffentlichte demonstrativ eine Nachricht mit astreinem rassistischen Inhalt. So schrieb ein User dem Türkgücü-Funktionär im Wortlaut: „Verpisst euch in die Türkei! TÜRKGÜCÜ IST NICHT DEUTSCH UND GEHÖRT NICHT IN DEN DEUTSCHEN FUßBALL. Deutsche Namen bei euch Affen werden auch nicht bevorzugt.“ Es folgten einige unzweideutige Emojis. 

Daraufhin machte Max Kothny klar, dass er in Zukunft wieder öfter derartige Nachrichten veröffentlichen werde, und verurteilte Fremdenfeindlichkeit aufs Schärfste. „Was erleben Personen, die wirklich einen Migrationshintergrund haben, wenn es mich als Geschäftsführer des ersten ‚Migrantenvereins‘ im deutschen Profifußball schon trifft? Mir ist klar, dass man nicht jeden Club mögen oder unterstützen muss, aber über eine solch despektierliche Art und Weise seinen Frust auszudrücken, ist für mich unerklärlich“, so Kothny.

Wenngleich rassistische Kommentare in Bezug auf den Migrantenverein leider an der Tagesordnung sind, findet sich unter Fans auch eine andere, äußerst sachliche Kritik an Türkgücü München.

Fans kritisieren Wettbewerbsverzerrung

Fangruppe kritisieren im Wesentlichen die Abhängigkeit von einem einzigen finanzkräftigen Investor, Hasan Kivran, von dessen Gutdünken das Wohl und Wehe des gesamten Vereins abhängt. Der rekordverdächtige Durchmarsch von der Bezirksliga bis in den Profifußball ist für viele nur der Beweis für eines: Wettbewerbsverzerrung. Ganz ähnlich wird gegen Vereine wie die TSG 1899 Hoffenheim und RB Leipzig argumentiert - wobei letzterer in vielerlei Hinsicht für völlig neue Tabubrüche sorgte.

Die Freunde der 50+1-Regel sehen sich ob der Entwicklungen der vergangenen Wochen bestätigt. Auch wenn Hasan Kivran seinen Rückzug, der wohl der Sargnagel für das Projekt Türkgücü gewesen wäre, wieder rückgängig machte, wurde einmal mehr deutlich, wie sehr der Verein Spielball eines einzigen Mannes ist. Einen ähnlichen Hick-Hack erlebte zuletzt auch der KFC Uerdingen mit seinem russischen Investor. Auch die Löwen-Fans können davon sicherlich ein Lied singen.

Union Berlin: Fan-Aktion gegen Türkgücü 

Die jüngsten Vorkommnisse veranlasste die Fans von Union Berlin zu einer Banner-Aktion beim Heimspiel gegen den VFL Wolfsburg. Auf der Gegenrade war folgendes Statement zu lesen: „Türkgücü, KFC und Konsorten zeigen: 50+1 muss bleiben!“ Eine klare Absage an immer lauter werdende Forderungen, Investoren den Einstieg bei Vereinen zu erleichtern. Auch Union Berlin solidarisierte sich auf Twitter mit der Botschaft seiner Fans.

Die Trennlinie zwischen legitimer Kritik und rassistischen Ressentiments ist jedoch nicht immer so leicht zu ziehen. Oft springen Rechtsradikale auf den fahrenden Zug auf und torpedieren die sachliche Auseinandersetzung. So geschehen im Oktober letzten Jahres, als vermeintliche Fans des FSV Zwickau vor der Partie gegen Türkgücü für ihre „Türkgücü nicht willkommen“-Parole zunächst Beifall erhielten, ehe klar wurde, dass es sich um eine Propaganda-Aktion einer rechtsextremen Kleinpartei gehandelt hatte. 

Auch wenn Türkgücü in dieser Hinsicht meist zweifelsohne in der Opferrolle ist, versuchte Hasan Kivran dieses heikle Thema bereits in der Posse um die DFB-Pokal-Teilnahme für seine Zwecke zu instrumentalisieren. So unterstellte er im Zuge der langwierigen juristischen Auseinandersetzung mit dem BFV dem Präsidenten Rainer Koch unterschwellig, aber doch klar erkennbar, aus rassistischen Gründen zu handeln

BFV: Kivran unterstellt Koch Rassismus

So sagteKivran in Bezug auf das Vorgehen des BFV: „Selbstverständlich sind wir ein Verein, wie jeder andere in Deutschland, jedoch mit der Besonderheit von Migranten gegründet. Die heimliche Vorgehensweise vom BFV gegen unsere Interessen lässt hier Spielraum für Interpretationen.“ Eine enorme Unterstellung, die er nicht weiter begründete.

Beim Thema Türkgücü ist also allen voranSensibilität gefragt. Es lohnt sich oft, ein weniger genauer hinzuschauen und einzuordnen, welche Intention derjenige verfolgt, der Kritik äußert. Der Verein ist sicher kein Unschuldslamm, die Außendarstellung nicht immer glücklich. Kritik muss also erlaubt sein - nicht aber an der Herkunft. 

(Pascal Edenhart)

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