Er ist bisher der herausragende Mann bei Türkgücü München: Sercan Sararer.
+
Er ist bisher der herausragende Mann bei Türkgücü München: Sercan Sararer.

Türkgücü-Kapitän im Interview

Sararer: „Wir reisen nicht von Stadion zu Stadion, um zu provozieren“

  • vonNico-Marius Schmitz
    schließen

Sercan Sararer ist Kapitän und Spielmacher bei Türkgücü München. Er spricht im Interview über eigene Fehler, Anfeindungen und Duelle gegen den TSV 1860 München.

  • Sercan Sararer ist Kapitän und Spielmacher bei Türkgücü München.
  • Der 30-Jährige will es sich und allen anderen beim Aufsteiger nochmal beweisen.
  • Die Anfeindungen gegen Türkgücü findet er unerklärlich.

MünchenSercan Sararer spielt bei Türkgücü groß auf. An den ersten sechs Spieltagen konnte der gebürtige Nürnberger bereits acht Torbeteiligungen verzeichnen: zwei eigene Treffer, sechs Vorlagen. Vor dem Auswärtsspiel heute Abend in Zwickau (19 Uhr) sprach der 30-Jährige mit unserer Zeitung über eigene Fehler in der Karriere, Anfeindungen von rechts und Duelle mit 1860.

Herr Sararer, hat sich Ihr Puls nach dem 4:3-Spektakel am Dienstag wieder beruhigt?

Ich habe mich am meisten im Spiel wegen meiner Gelben Karte aufgeregt – weil sie meiner Meinung nach unberechtigt war. Aber es war tatsächlich ein ziemlich wildes Spiel. Ich habe mich sehr für unsere Stürmer gefreut, dass sie alle getroffen haben.

Sie sind in einer großartigen Form. Spielen Sie auch gegen die Zweifler, die Ihnen einen solchen Leistungssprung nicht mehr zugetraut haben?

Ich hatte eine extrem schwierige Phase. Nach meinem Adduktorenabriss 2017 bin ich lange ausgefallen, konnte auch danach oft nur mit Schmerzen spielen. Das war auch mental brutal, wenn du deiner Leidenschaft so lange nicht richtig nachgehen kannst. Natürlich war mir bewusst, dass zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viele an mich geglaubt haben. Der Profifußball ist knallhart, da bist du schnell komplett raus. Hier bei Türkgücü wollte ich es noch mal allen beweisen – mir selbst, aber auch denen, die mir nichts mehr zugetraut haben.

Nicht nur die Verletzung stand im Weg. Rachid Azzouzi von Greuther Fürth sagte zuletzt im „kicker“, er hätte Ihnen schon früh geraten, den Fokus mehr auf den Fußball zu legen.

Ich hatte sehr unglückliche Stationen. Oft wurde ich von neuen Trainern aussortiert, obwohl ich gut gespielt habe. Das war brutal. Aber ich habe natürlich auch selbst Fehler gemacht. Wäre ich damals mit dem Kopf schon so weit gewesen wie heute, hätte meine Karriere einen anderen Verlauf genommen, dann hätte ich mich viel länger auf höchstem Niveau gehalten. Aber da möchte ich wieder hin.

Auch Türkgücü hat hohe Ziele, etwa die Nummer zwei in München zu werden. Sind schon diese Saison Siege in den direkten Duellen möglich?

Natürlich, warum nicht? (lacht). Das ist gar keine Frage. Ich bin selbstbewusst genug, um zu sagen, dass wir in der Liga jeden schlagen können. Wir haben das ja auch schon bewiesen, sind gut gestartet. Wir haben die perfekte Mischung aus erfahrenen Kräften und hungrigen Spielern.

Sie haben ja ohnehin gute Erinnerungen an Spiele mit 1860 . . .

Das stimmt (lacht). Bei unserem ersten Training hat mich unser Torwarttrainer Michi Hofmann gleich drauf angesprochen. 2009 haben wir in Fürth gegen Sechzig gespielt. Ich habe Hofmann nach einer Ecke den Ball in den Winkel geknallt, das war natürlich grandios. Es waren immer besondere Spiele gegen die Löwen, geile Stimmung, da bist du extra motiviert.

Wie sehr motiviert es Sie, dass Sie auf dem Platz von Alexander Schmidt viele Freiheiten bekommen?

Das Verhältnis mit dem Trainer ist sehr eng, wir verstehen uns super. Er hat mir von Anfang an gesagt, dass er auf mich zählt und mir vertraut. Das Vertrauen will ich jede Woche auf dem Platz zurückgeben. Ich brenne dafür, das Vertrauen mit guten Leistungen zu rechtfertigen.

Abseits vom Sportlichen kommt es leider zu unschönen Szenen. Was geht in einem vor, wenn man Plakate mit der Aufschrift „Türkgücü NICHT willkommen“ vor Stadien sieht?

Dafür habe ich natürlich gar kein Verständnis. Was bewegt diese Personen dazu, so eine Hetze zu betreiben? Wir leben mit so vielen unterschiedlichen Nationalitäten in Deutschland zusammen, diese Vielfalt ist doch etwas Positives. Wir reisen ja nicht als Türkgücü von Stadion zu Stadion, um zu provozieren. Wir wollen mit unserem Fußball begeistern, unser Verein steht für Fair Play.

Wie gehen Sie persönlich damit um?

Wir wurden ja auch schon darauf vorbereitet, dass es zu solchen Anfeindungen kommen kann. Mich persönlich motiviert das nur und spornt mich an, im Spiel noch mehr Gas zu geben. Es ist auch geil, wenn du weißt, dass alle gegen dich sind und du dann ablieferst.

Interview: Nico-Marius Schmitz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare