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Sein Herz schlägt weiter für Türkgücü: Der ausgemusterte Yasin Yilmaz, 31. 

Kapitän von Türkgücü München - Yasin Yilmaz muss gehen

Türkgücü-Held Yasin Yilmaz spricht über sein Aus: „Das ist bitter“

  • Christoph Seidl
    vonChristoph Seidl
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Für Yasin Yilmaz war Türkgücü München immer ein Verein. Kein Projekt. Dieses Wort war ihm fremd. Er war Kapitän, Publikumsliebling und für die türkischen Fans die letzte Identifikationsfigur. Jetzt muss er gehen.

  • Mit Yasin Yilmaz muss die größte Identifikationsfigur Türkgücü München verlassen.
  • Der langjährige Kapitän hat mit dem Verein den Durchmarsch von der Landesliga in die 3. Liga erlebt.
  • Obwohl sein Vertrag nicht verlängert wird, verliert Yilmaz kein böses Wort über den Verein. Im Gegenteil.

Der neue Trainer Alexander Schmidt möchte in der 3. Liga mit anderen Spielertypen arbeiten. Yilmaz ergeht es wie etlichen Spielern und Verantwortlichen zuvor. Er wird auf dem Weg nach oben ausgetauscht. Dabei hat Yilmaz immer wieder betont, dass es sein größter Traum ist, mit Türkgücü noch einmal in der 3. Liga auflaufen zu dürfen. 

Für Sie war Türkgücü eine Herzensangelegenheit. Wie gehen Sie damit um, nicht mehr Teil des Vereins zu sein? 

Ganz ehrlich: Natürlich berührt es mich. Ich habe mich mit dem Verein voll identifiziert. Ich habe sehr viel geopfert und viel für den Verein getan. Aber wenn der neue Trainer andere Vorstellungen und ein anderes Konzept hat, ist das so. Es ist schwierig für mich, dazu etwas zu sagen. Ich hatte es nicht in der Hand. Ich hätte mich gefreut, wenn es weiter gegangen wäre, aber so ist das Profigeschäft.

Wie fühlt es sich an, wenn ein neuer Trainer sagt: „Wir brauchen dich nicht mehr?“ 

Das ist schon bitter. Vor allem, weil ich mir die 3. Liga zugetraut hätte. Aber jeder Trainer hat eine andere Vorstellung vom Fußball. Wenn ich Trainer wäre, hätte ich auch eine Idee, wie ich Fußball spielen lassen will. Dementsprechend würde ich die Spieler auswählen. Ob es sinnvoll ist, einen Spieler nur mitzunehmen, weil er Identifikationsfigur ist, darüber lässt sich streiten. Ich hätte es mir gewünscht, aber der Verein plant anders. Ich kann mich nicht hinstellen und sagen: Ich bin Identifikationsfigur, gebt mir einen neuen Vertrag.

Yilmaz: „Wenn die Verantwortlichen mich als Backup-Spieler gewollt hätten, hätte ich es natürlich gemacht.“

Wenn Alex Schmidt gesagt hätte: Wir nehmen dich mit. Du wirst aber nur auf der Bank sitzen. Hätten Sie es gemacht?

Wenn die Verantwortlichen mich als Backup-Spieler gewollt hätten, der im Hintergrund alles zusammenhält, hätte ich es natürlich gemacht. Ich hätte für diesen Verein trotzdem alles gegeben. Türkgücü liegt mir sehr am Herzen. Als Spieler bin ich nur ein Teil des Puzzles. Was zählt, ist der Verein.

Sie haben mit Ihrem Wechsel zu Türkgücü Ihre eigenen fußballerischen Ansprüche hintenangestellt. Statt Regionalliga haben Sie Landesliga gespielt. Geht man so mit einem verdienten Spieler um?

Sie werden von mir kein böses Wort über Türkgücü hören. Ich bin traurig, dass mir diese Möglichkeit nicht gegeben wird. Mit Türkgücü in der 3. Liga spielen zu dürfen, war von Anfang an mein Traum. Ich bin stolz, dass ich die Historie dieses Vereins mit drei Aufstiegen mitgestalten durfte. Wenn ich als Spieler ab jetzt nicht mehr ins Konzept passe und der Verein ohne mich plant, sind mir die Hände gebunden.

Wie wurde Ihnen das Aus mitgeteilt?

Ich hatte ein sehr ehrliches Gespräch mit dem neuen Trainer. Das war mir sehr wichtig. Ich habe den Verantwortlichen gesagt: Das einzige, was ich mir wünsche, ist Klarheit und Ehrlichkeit. Der neue Trainer hat mir erklärt, dass er nicht mit mir plant, weil er anders spielen möchte. Das ist traurig für mich. Aber es sind ehrliche Worte. Und das spricht für den Trainer.

Yilmaz über harte Entscheidungen bei Türkgücü München: „Dieses Mal hat es leider mich getroffen“

So wie Ihnen erging es in der Vergangenheit vielen Spielern und Verantwortlichen bei Türkgücü. Nach jedem Aufstieg wurden Führungsspieler und Trainer ausgetauscht.

Der Verein hat das Ziel, nach oben zu kommen. Je höher es im Fußball geht, desto höher ist die Leistungsdichte und desto härter sind die Entscheidungen, die getroffen werden müssen. Dieses Mal hat es leider mich getroffen. Ich komme aber schon klar damit und habe auch einen klaren Kopf darüber. 

Wie gehen die Fans und Freunde mit Ihrem Aus bei Türkgücü um?

Es war überwältigend, wie viele Anrufe und Nachrichten ich von den Fans, Freunden und Mitspielern erhalten habe. Es macht mich stolz, dass sich so viele bei mir bedankt haben. Ich wünsche mir, dass die Fans dem Verein treu bleiben. Sie sollen den Verein in Deutschland und darüber hinaus so gut es geht präsentieren. Wenn sich die Zuschauer als Einheit präsentieren, spürt das auch die Mannschaft. Je stärker unsere Fanszene ist, desto stärker ist auch unser Verein. Ich werde unseren Verein als großer Fan weiterverfolgen. 

Wie geht es für Sie weiter? Hätte es keine Möglichkeit gegeben, Sie langfristig in einer anderen Funktion bei Türkgücü einzubinden? 

Mir wurde nichts angeboten. Wenn ein Drittligist anfragen würde, bin ich bereit. Ich traue mir diese Liga als Spieler zu. Ich bin für alles offen. Ich kann mir aber auch vorstellen, als Trainer zu arbeiten. Ich durfte als Spieler mit Manuel Baum, Ralph Hasenhüttl oder Heiko Vogel zusammenarbeiten. Auch von Andi Pummer habe ich sehr viel mitgenommen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, meine Erfahrungen weiterzugeben. Aber das lasse ich auf mich zukommen.

Das Interview führte Christoph Seidl

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