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Vor der Kamera: Die Mannschaft des SV Heimstetten im Training. Die Spieler waren heiß auf die willkommene Abwechslung.

Training im Zeichen der Wissenschaft

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
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Beim SV Heimstetten rollt mal wieder der Ball - für eine ZDF-Fernsehsendung.

Heimstetten – Sein erster Weg führt Roman Langer nicht etwa hinunter zu den Umkleidekabinen im Sportpark Heimstetten, sondern weiter nach hinten aufs Spielfeld, das ihn fast magisch anzieht. „Allein der Geruch des frisch gemähten Rasens – da ist mir das Herz aufgegangen“, erzählt der Co-Trainer des SV Heimstetten. Und damit nicht genug: Wenig später stehen Langer, Jugendtrainer Haydn Bowen und 23 Spieler des Regionalligisten auf dem satten Grün und halten eine Trainingseinheit ab, mit Übungen und Besprechungen, mit Körperkontakt und Zweikämpfen. Ganz so, wie in den guten, alten Vor-Corona-Zeiten.

Nun ist es nicht etwa so, dass das Virus, das den Amateurfußball seit Monaten zum Stillstand zwingt, einen Bogen um Heimstetten machen würde. Doch die SVH-Kicker durften an jenem Samstag Ende März dank einer Sondergenehmigung trainieren. Und bevor‘s auf den Rasen ging, wurden sämtliche Spieler und Trainer unter ärztlicher Aufsicht getestet – organisiert vom ZDF. Denn der Fernsehsender filmte nicht nur das neunzigminütige Training des SVH, sondern machte im Anschluss auch noch dreieinhalb Stunden lang Aufnahmen für die Sendung „Leschs Kosmos“.

„Das ZDF hat bei uns angefragt, ob wir das machen wollen“, erzählt Roman Langer. Und nach kurzer Absprache innerhalb des Trainerteams habe man zugestimmt. Denn auch, wenn ein einmaliges Training „sportlich natürlich nichts bringt“, so der Co-Trainer, sei das Zusammenkommen der Mannschaft auf dem Rasen doch „gut fürs Gefühl“ gewesen. „Außerdem ist es für den Verein eine coole Geschichte“, findet Langer. „Das ist eine Sache gewesen, bei der jeder gewonnen hat.“

Das Thema der halbstündigen Wissenschaftssendung mit dem Physikprofessor Harald Lesch lautete „Deepfakes – der Manipulation ausgeliefert?“. In dem Beitrag mit den SVH-Kickern ging es dabei um die zwei unterschiedlichen Denksysteme im Gehirn – ein schnelles, intuitives sowie ein langsames, logisches – und wie ihr Zusammenspiel zu kognitiven Verzerrungen führen kann. Ein „spannendes Thema“ sei das, sagt Langer – und doch war wohl ein anderer Grund ausschlaggebend, weshalb nahezu der komplette Kader an diesem Tag die Fußballschuhe schnürte.

„Die Jungs hatten total Bock, endlich mal wieder zu kicken“, bestätigt der Co-Trainer. Schließlich besteht das Training des Regionalligisten nun schon seit mehr als fünf Monaten lediglich aus Videokonferenzen, einsamen Waldläufen und den Anleitungen einer Fußball-App, die beim SVH zum Einsatz kommt. Gemeinsam auf dem Rasen stehen konnten die Heimstettner hingegen nur ein einziges Mal, als der Inzidenzwert Anfang März kurzzeitig ein kontaktfreies Training erlaubte. Inzwischen aber steigen die Infiziertenzahlen wieder rasant, der Lockdown für den Amateursport wurde bis 9. Mai verlängert, und in der Folge stehen die Zeichen auf Saisonabbruch.

Zwar hat der Bayerische Fußball-Verband angekündigt, vor einer Entscheidung noch ein Meinungsbild der Vereine einholen zu wollen. Jedoch dürfte dieses weitgehend einhellig ausfallen, glaubt Roman Langer. „Ich denke, dass mittlerweile 95 Prozent der Vereine dafür sind, die Saison einzustampfen.“ In der Regionalliga Bayern wäre somit bloß noch offen, wie der Teilnehmer an den Aufstiegsspielen gegen den Meister der Nord-Staffel ermittelt wird. Hier geht der Coach des SVH davon aus, dass die drei aufstiegswilligen Klubs – Aschaffenburg, Bayreuth und Schweinfurt – das unter sich ausmachen werden. Zudem müsse noch die Frage nach etwaigen Absteigern geklärt werden. „Entweder man macht das über die Quotientenregel oder alle bleiben drin“, sagt Langer.

Seinem SVH jedenfalls wäre im Falle eines Saisonabbruchs der Klassenerhalt so oder so sicher. Entsprechend sei es das vorderste Anliegen in Heimstetten, „dass wir hoffentlich bald wieder zurück auf den Platz dürfen“, sagt Roman Langer. Wobei er angesichts der aktuellen Corona-Lage nicht allzu zuversichtlich ist – und genau an diesem Punkt entspringe auch „der einzige Wermutstropfen“ der außerplanmäßigen Trainingseinheit vor den ZDF-Kameras. „Als am Ende die Tore wieder hochgeklappt wurden, da mussten wir schon die eine oder andere Träne verdrücken“, berichtet der Co-Trainer. „Denn da ist allen klar geworden, dass es wahrscheinlich noch ein paar Monate dauern wird, bis wir wieder normal zusammen trainieren können.“

Die Sendung „Deepfakes – der Manipulation ausgeliefert?“

in der Wissenschaftsreihe „Leschs Kosmos“ ist in der ZDF-Mediathek abrufbar unter www.zdf.de. Ab Minute 25 beginnt der Beitrag mit den Fußballern des SV Heimstetten.

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