In welcher Altersklasse der Nachwuchs künftig jubelt, kann künftig von Fußball-Kreis zu Fußball-Kreis differieren. 
+
In welcher Altersklasse der Nachwuchs künftig jubelt, kann künftig von Fußball-Kreis zu Fußball-Kreis differieren. 

Spieler spielen früher im Herrenbereich

Reform im Jugendbereich: Aus U19 wird U18, aus U17 wird U16

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
    schließen

„Wann ist ein Mann ein Mann?“ Diese Frage hat 1984 schon Herbert Grönemeyer gestellt. Über eine befriedigende Antwort wird fast vierzig Jahre später wohl stärker gerungen denn je – unter anderem auch im Bezirk Oberbayern des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV).

Landkreis –Dort wird ab kommender Saison bei 18-Jährigen der Wohnort ausschlaggebend sein, ob sie bereits als Mann gelten und somit bei den Senioren mitkicken – oder noch in der Jugend.

Hintergrund ist ein Pilotprojekt namens „Absenkung der Jahrgänge im Jugendfußball“, das der BFV-Bezirk Oberbayern bereits vor eineinhalb Jahren angeschoben hat. Konkret geht es darum, die Altersklassen im Nachwuchs neu zu sortieren. Ist die A-Jugend bislang eine U19 und U18, so wird daraus im neuen Modell eine U18 und U17, während die 18-Jährigen zu den Männern wechseln. Aus der B-Jugend – derzeit U17 und U16 – würde demnach eine U16 und U15. Und entsprechend ginge es weiter bis hinunter zu den Jüngsten.

Kreise können selbst über Regelung entscheiden

Nun hat der BFV-Bezirk diese Absenkung der Jahrgänge nicht etwa verpflichtend angeordnet. Vielmehr durften die einzelnen Kreise entscheiden, ob es in ihren Ligen bei der bisherigen Altersstruktur bleibt oder sie zum neuen Modell wechseln. Im Kreis München hat sich eine deutliche Mehrheit für die Beibehaltung der derzeitigen Regelung ausgesprochen. Ebenso entschied sich der Kreis Zugspitze – wenngleich die Abstimmung hier knapper ausfiel. Im Kreis Donau/Isar wiederum wird infolge eines klaren Votums der Vereine der Ligabetrieb künftig auf die neue Altersstruktur umgestellt. Und im Kreis Inn/Salzach gibt es noch eine dritte Variante – nämlich mit einer dreijährigen A-Jugend, plus zusätzlicher B-Jugend.

„Wir wollten die Entscheidung den Vereinen überlassen“, erklärt Joachim Fuchs, Jugendleiter des Bezirks Oberbayern im BFV. „Weil sie sich am besten auskennen, was für ihren Kreis die passende Lösung ist.“ Daher habe man Anfang 2020 alle Vereine zu Workshops eingeladen, in denen ausgiebig über die Pläne diskutiert worden sei, berichtet Fuchs. Angaben des BFV-Bezirks Oberbayern zufolge nahmen an den 16 Veranstaltungen insgesamt 832 Personen aus mehr als 500 Klubs teil. Schon damals hieß es im Fazit des Verbands: „Die einzelnen Kreise in Oberbayern werden zukünftig noch unterschiedlicher Fußball spielen.“ In der Folge habe die Coronakrise die Umstellungspläne verzögert, sagt Jürgen Fuchs. Doch nun sollen die

Änderungen zur neuen Saison 2021/22 greifen.

Viele 18-Jährige bekommen im Herrenbereich keine Spielzeit

Wieso der Bezirk eine Absenkung der Jahrgänge überhaupt angestoßen hat? Hier verweist der Bezirksjugendleiter auf entsprechende Anfragen vonseiten der Vereine, die vor allem zwei Gründe angeführt hätten. Zum einen würden schon jetzt viele 18-Jährige bei den Männern eingesetzt, sagt Fuchs. „Sie stehen dann ihrer Jugend gar nicht mehr zur Verfügung.“ Das mache es gerade im ländlichen Raum schwierig, genügend Kicker für ein A-Jugend-Team zu finden. Zum anderen führe eine Absenkung der Jahrgänge dazu, dass die Kinder „länger in altersgerechten Spielformen spielen“, sagt Fuchs. So werde etwa im Kreis Donau/Isar infolge der Umstellung die Hauptspielform der neuen C-Jugend (U14 und U13) das Neun-gegen-Neun auf dem verkleinerten Großfeld sein. Der Wechsel zum Elf-gegen-Elf erfolge somit ein Jahr später als bisher.

Im Kreis München bleibt dagegen vorerst alles beim Alten, nachdem fast drei Viertel der Vereinsvertreter für die bisherige Regelung gestimmt haben. Dominik Achilles, Jugendleiter beim Kirchheimer SC, begrüßt diese Entscheidung. Er hätte bei einer Absenkung der Jahrgänge die Sorge gehabt, dass 18-Jährige im Herrenbereich „wenig bis gar nicht zum Spielen kommen“, sagt Achilles. Und Max Reng, als Vize-Abteilungsleiter beim SV Heimstetten für dessen Jugend zuständig, ergänzt: „Im ländlichen Raum gibt es Vereine, die Probleme haben, eine A-Jugend zu stellen. Bei uns im Kreis München ist das aber anders, deshalb würde eine Absenkung der Jahrgänge nicht viel Sinn machen.“

Mögliche Probleme mit Regeländerung drohen

Anders bewertet das Uwe Hahm, Jugendleiter beim SV Lohhof, der sich eigenen Angaben zufolge für das neue Modell stark gemacht hat. „Die älteren A-Jugendlichen haben ganz andere Dinge im Kopf – Führerschein, Abitur, Freundin. Die sollen besser zu den Männern wechseln.“ Zudem verweist Hahm darauf, dass die Kinder immer früher zum Vereinsfußball kämen. Die Folge: „Irgendwann spürt man bei denen eine Müdigkeit, ab der C-Jugend wird das ganz massiv.“ Und dieses Phänomen könnte durch eine Absenkung der Jahrgänge womöglich gebremst werden, glaubt der SVL-Jugendleiter.

Während nun also ab nächster Saison in den Ligen auf Kreisebene zumindest teilweise die neue Altersstruktur eingeführt wird, bleibt in den höheren Spielklassen alles beim Alten – auch auf Bezirksebene. In den Bezirksoberligen könnte es somit dazu kommen, dass Mannschaften aus dem Kreis Donau/Isar, deren Klubs ihre Jugend nach dem neuen Modell aufgeteilt haben, gegen Teams antreten, die im Schnitt älter sind, da sich ihre Nachwuchsarbeit weiterhin an der bisherigen Staffelung orientiert. „Gerade die Bezirksoberligen werden wir uns sehr genau anschauen, ob es hier zu Komplikationen kommt“, kündigt Bezirksjugendleiter Jürgen Fuchs an. Ihm zufolge ist die Absenkung der Jahrgänge zunächst auf drei Jahre angelegt. Der Verband werde das Pilotprojekt jedoch eng begleiten. Und sollte es zu unvorhergesehenen Problemen kommen, sagt Fuchs, dann wären auch schon früher Änderungen möglich.

(Patrik Stäbler)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare