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BFV schickt Amateure in die Winterpause

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Von: Patrik Stäbler, Umberto Savignano, Robert Gasser

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Die bayerischen Amateurfußballer packen ihre Utensilien ein. Sie müssen vorzeitig in die Winterpause.
Die bayerischen Amateurfußballer packen ihre Utensilien ein. Sie müssen vorzeitig in die Winterpause. © Marc Oliver Schreib

Landkreis – Der Bayerische Fußball-Verband hat alle noch für dieses Jahr vorgesehenen Liga- und Pokalspiele abgesetzt. Damit sind nun alle Teams im Kinder- und Erwachsenenbereich mit Ausnahme der als Profi-Mannschaften eingestuften Regionalligisten in der Winterpause. Grund für die Entscheidung der Corona-Taskforce unter Vorsitz von Vizepräsident Robert Schraudner war laut BFV der Beschluss des Bayerischen Landtags, der die epidemische Lage für den Freistaat festgestellt hat.

Durch die daraus resultierenden und zunächst bis zum 15. Dezember getroffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sieht der BFV einen flächendeckenden und geregelten Spielbetrieb als nicht mehr durchführbar an. Auch aufgrund der nicht ausreichenden Zeit für die Vereine, sich kurzfristig auf die neuen Maßnahmen und deren Umsetzung einzustellen. „Auch wenn die allermeisten Vereine ohnehin schon in der Winterpause sind, war es uns wichtig, auch den restlichen Teams eine Sicherheit in dieser unsicheren Zeit zu geben. Das machen wir mit dieser Entscheidung“, sagte Schraudner. Der Verband verweist zudem auf das generelle Sportverbot in Regionen mit einer Inzidenz von über 1000 sowie auf die verbindliche 2G-Plus-Regelung für Sportlerinnen und Zuschauer, mit Ausnahme von Kindern und Schülerinnen.

Basis nimmt die Entscheidung positiv auf

Dem BFV zufolge wären am kommenden Wochenende nur mehr circa 600 Spiele angesetzt gewesen – im Vergleich zu 10 000 an einem regulären Spieltag. Auf die gesamte Saison 2021/22 gesehen hätten unter Berücksichtigung der jetzt ausgerufenen Winterpause bislang 98,6 Prozent aller Partien stattgefunden.

Bei Trainern und Funktionären im Landkreis stößt die Entscheidung des BFV auf einhelliges Lob. Orhan Akkurt, Trainer des SV Pullach, hält den BFV-Beschluss für „die absolut richtige Entscheidung. Es gibt Regionen, da kämpfen die Leute ums Überleben. Manche Leute dürfen nicht mal arbeiten oder nur unter erschwerten Bedingungen. Da sollte sich der Fußball ein bisschen weiter hinten anstellen. Wir können wirklich zwei Wochen früher Pause machen und dafür im Frühjahr eine englische Woche mehr in Kauf nehmen. Andere Leute müssen ja auch mit solchen Schwierigkeiten fertig werden.“

„Die Entscheidung ist schon okay, weil nur noch wenige Ligen gespielt haben“, findet auch Franz Perneker. Der Manager des FC Deisenhofen übt aber auch Kritik an der mangelnden Solidarität mancher Vereine. „Sie schieben durch die Ablehnung von Spielverlegungen dem BFV den Schwarzen Peter zu, den dieser nicht annehmen will. Deshalb schiebt er dem nun einen Riegel vor. Allerdings stimmt es auch, dass die neuen Regeln schwer umzusetzen sind, nicht so sehr, was die Spieler, sondern was die Zuschauer betrifft.“ Für Perneker ist aber ohnehin „das Wichtigste, dass die Kids weiter trainieren dürfen“.

„Wenn man sich die aktuelle Lage anschaut, dann ist der Beschluss nachvollziehbar“, sagt Philipp Würdinger, Trainer des Kreisklassisten Putzbrunner SV. Er betont: „Wir haben ja schon eine komplette Hinrunde gespielt und sind damit voll im Soll.“ Ohnehin wäre eine Fortsetzung des Spielbetriebs auf Basis der 2G-Plus-Regel „völlig absurd“, sagt Würdinger. „Wir trainieren zweimal die Woche mit 30 Spielern. Wenn wir die alle immer durchtesten müssen, dann ist das irgendwann auch ein Kostenfaktor.“

Ganz ähnlich klingt das bei Manuel von Klaudy. Mit Blick auf die nahe Winterpause und die wenigen verbleibenden Spiele sagt der Trainer des SV Lohhof: „Es hätte keinen Sinn gemacht, auf Teufel komm raus die letzten Mohikaner noch durchzupeitschen.“ Auch er betont, dass die 2G-Plus-Regel im Amateurfußball nicht umzusetzen sei. „Wer soll das denn kontrollieren? Die Trainer? Die Schiedsrichter?“

Als „vernünftige Entscheidung“ bezeichnet auch Semir Cerovac vom SV Heimstetten das Vorziehen der Winterpause. Wobei der Vizeabteilungsleiter mit Blick auf die Erste Mannschaft seines Klubs betont: „Ich hätte mir gewünscht, dass man auch in er Regionalliga abbricht.“ Nachdem diese aber im Sommer „explizit als Profiliga“ eingestuft wurde, so der BFV in seiner Mitteilung, soll der Trainings- und Spielbetrieb hier fortgesetzt werden.

Diese Argumentation kann Cerovac nicht nachvollziehen: „Bei uns studieren oder arbeiten 90 Prozent der Spieler. Wann willst du die alle testen? Und wie?“ Zudem erinnert er an die vielen Englischen Wochen in der Regionalliga im August und September: „Wir sind sehr weit im Spielpan. Es wäre gar kein Problem, wenn man im März oder April noch ein, zwei Spieltage einbaut“, so Cerovac.

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