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Reiner Calmund hat die bittersten Pleiten der Leverkusener miterlebt.

"Wir haben uns in die Hose geschissen"

Calmund vor Pokal-Spiel: "Haching ist Angstgegner"

SpVgg Unterhaching - Als Manager hat Reiner Calmund die bittersten Momente in der Vereinsgeschichte von Bayer 04 Leverkusen hautnah miterlebt. Und auch die Rückkehr an die Stätte der Schmach: den Unterhachinger Sportpark. Heute fiebert der 67-Jährige nur noch als Fan mit Leverkusen.

Herr Calmund, wie sehr schmerzt heute noch jener 20. Mai 2000, als Bayer Leverkusen sich mit Trainer Christoph Daum schon als Deutscher Meister wähnte und dann plötzlich in Unterhaching 0:2 verlor?

Das ist nach wie vor unfassbar. Wir kamen damals so erleichtert nach Unterhaching: Die Meisterschale stand schon parat, wir hatten vorher alle in der Bundesliga weggeputzt. Und dann dieses Debakel... Das war ein rabenschwarzer Fußballtag, an dem einfach alles misslingt, alle Spieler befanden sich weit weg von ihrer Normalform. Und ja: Das tut heute noch in der Seele weh.

Hat Leverkusen seitdem ein Unterhaching-Trauma?

Danach war Unterhaching immer ein bisschen der Angstgegner. Andererseits: Außer Rudi Völler (Anm. d. Red.: Sportdirektor von Bayer Leverkusen) ist von den damaligen Protagonisten heute ja keiner mehr dabei. Mit der Qualität der Mannschaft müsste Leverkusen eigentlich gewinnen, und das wäre auch extrem wichtig, im DFB-Pokal zu überwintern. Andernfalls brennt an Heiligabend so sehr der Tannenbaum, dass die Feuerwehr anrücken muss, und der Weihnachtsmann stülpt den Spielern den Sack über den Kopf. Aber wir wollen kurz vor Weihnachten mal nicht den Teufel an die Wand malen – nein, ich tippe auf einen klaren 3:1-Sieg für Leverkusen.

Es gab ja ein erstes Mal danach...

Oh ja, daran erinnere ich mich genau. Mit Berti Vogts als Trainer mussten wir wieder nach Unterhaching, es war Winter. Haben die eigentlich ne Rasenheizung? (wir bejahen) Na, die wird man aktuell wohl nicht brauchen. Aber damals, das war im Februar, Moment (guckt in seinem Smartphone nach). Hier hab ich’s: 20. Bundesliga-Spieltag, 4. Februar 2001. Wir sind damals mit einer Top-Mannschaft nach Unterhaching bekommen. Die Abwehr mit Lucio, Jens Nowotny, Robert Kovac – etwas Besseres gab es kaum. Und vorn Ulf Kirsten, der uns auch in Führung gebracht hatte. Trotz dieser Top-Besetzung haben wir uns in die Hose geschissen, und am Ende war’s ne total enge Kiste mit einem knappen 2:1-Sieg für Leverkusen. Berti Vogts war heilfroh, dieses Spiel erfolgreich überstanden zu haben. Aber vergnügungssteuerpflichtig war dieser 4. Februar 2001 nicht.

Und dann gab es ja noch den 5. März 2003. Wieder winterliche Verhältnisse, diesmal ein Duell im Viertelfinale des DFB-Pokals. Die SpVgg Unterhaching bringt die Leverkusener und deren Trainer Klaus Toppmöller an den Rand der Niederlage, Bayer 04 setzt sich erst im Elfmeterschießen durch.

Ja, das war überhaupt nicht lustig. Und was haben die uns genervt mit dem „Anton aus Tirol“ als Stadionbeschallung – die wussten schon, wie sie uns psychologisch ärgern konnten. Es war kein ganz einfaches Spiel, wir hatten letztlich das Glück, dass alle ihre Elfmeter verwandelten – den letzten versenkte Bayer-Torwart Hans-Jörg Butt.

Und jetzt also der 15. Dezember 2015 – seit dem Pokalspiel 2003 hatten sich die Wege von Leverkusen und Unterhaching ja nicht mehr gekreuzt. Muss Leverkusen wieder zittern?

Das wird wieder ein sehr schweres Spiel, keine Frage. Wie Unterhaching mit Ingolstadt und Leipzig zwei höherklassige Profi-Teams rausgeworfen hat, alle Achtung. Aber diesmal wird sich die spielerische Qualität durchsetzen. Ich bleibe dabei, Leverkusen gewinnt 3:1.

Quelle: fussball-vorort.de

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