1. Startseite
  2. Sport
  3. Amateurfußball
  4. Landkreis München

Corona-Lockdown: Läuft den Vereinen der Nachwuchs weg?

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patrik Stäbler

Kommentare

null
Bleiben die Talente am Ball? Beim SV Lohhof sei die Zahl der Nachwuchskicker um zirka zehn Prozent zurückgegangen, sagen die Verantwortlichen. © Andreas Mayr/Archiv

Im neuerlichen Teil-Lockdown sind alle Sportplätze und Hallen gesperrt – wie schon im Frühjahr. Doch was bedeutet das für die Vereine, gerade im Hinblick auf ihre Jugendarbeit? Wir haben uns im Landkreis umgehört.

Landkreis – In der ersten März-Woche – acht Monate ist das schon her – strömten die jüngsten Mitglieder des TSV Feldkirchen letztmals in die Dreifachturnhalle am Sportpark. Für die Ein- bis Dreijährigen gab‘s Eltern-Kind-Turnen oder den „Indoor-Spielplatz“, Kleinkinder konnten sich in der Ballschule oder bei „Fit wie ein Turnschuh“ austoben, und Grundschüler hatten die Wahl zwischen Kids-Yoga, „Sport macht Laune“ und einigem mehr. Was damals weder Kinder noch Eltern ahnten: Diese Sportstunden würden die letzten für eine sehr lange Zeit sein. Denn seit damals hat die Turn- und Gymnastikabteilung des TSV wegen der Corona-Pandemie keine Kinderkurse mehr angeboten – bis heute.

„Wir haben uns mit der Öffnung etwas länger Zeit gelassen, auch weil wir uns an der Grundschule orientiert haben“, sagt Brigitte Pfaffinger, Vorsitzende des Gesamtvereins und Abteilungsleiterin der Gymnastik-Sparte. „Und gerade, als wir wieder mit dem Kindersport anfangen wollten, kam der erneute Lockdown.“ Nun muss sich der Nachwuchs also weiter gedulden – sofern er nach der langen Pause überhaupt noch den Weg zurück in die Turnhalle findet. „Wir hatten einen merklichen Mitgliederschwund in der Abteilung“, berichtet Brigitte Pfaffinger – und das, obwohl man entschieden haben, den Mitgliedern ihre Jahresgebühr zurückzuerstatten.

So wie der Turn- und Gymnastik-Sparte des TSV Feldkirchen geht es zurzeit etlichen Abteilungen in zahllosen Vereinen des Landkreises. Schon der erste Lockdown ab März hat viele schwer getroffen; nun fürchten sie durch die abermalige Sperre weitere Rückschläge. Der Teil-Lockdown werde „die bereits sichtbaren und die für Viele noch unsichtbaren Corona-Schäden in Sport-Deutschland nochmals deutlich verstärken“, warnte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds. Und Rainer Koch, Chef des Bayerischen Fußball-Verbands, sprach gegenüber der Deutschen Presse-Agentur von „weitreichenden Folgen“ für die Vereine, „wenn wir daran denken, dass Mitglieder fernbleiben müssen, sich womöglich ganz abwenden oder Kinder erst gar keinen Zugang mehr zum Fußball im Verein finden“.

Wie das konkret aussieht, zeigt sich etwa beim SV Lohhof, wo die Zahl der Nachwuchsfußballer durch den ersten Lockdown um zirka zehn Prozent zurückgegangen sei, berichtet Jugendleiter Uwe Hahm. Die ersten Mannschaften seien davon kaum betroffen gewesen. Doch bei den schwächeren Teams habe es mitunter „einen Riesenschwund“ gegeben, sagt Hahm, der eine Mannschaft sogar ganz abmelden musste. Mit Blick auf den Teil-Lockdown geht der Jugendleiter davon aus, „dass wir jetzt wieder fünf bis zehn Prozent verlieren werden“ – aller Anstrengungen mit Online-Training und Videokonferenzen zum Trotz. Verständnis für das abermalige Verbot hat Uwe Hahm nicht: „Wir hatten super Hygienekonzepte und spielen im Freien. Ich bin stinksauer, dass man den Kindern diesen schönen Sport jetzt verbietet.“

Verständnis für die Maßnahmen zeigt dagegen Alexander Novakovic, Sprecher der Handball-Abteilungsleitung beim TSV Ismaning. „Auch, wenn es natürlich nicht schön ist, denn gerade Kinder brauchen Bewegung.“ Befürchtungen, dass der Lockdown zu reihenweise Austritten führen könnte, hat Novakovic indes nicht. Im Frühjahr sei dies „definitiv nicht der Fall gewesen“, sagt er – wobei man in Ismaning auch „eine Sondersituation“ habe. Denn: „Wir haben zurzeit einen Boom im Kinder- und Jugendbereich.“ Zudem habe man sich im ersten Lockdown allerlei einfallen lassen, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten – und werde dies auch jetzt wieder tun, so Novakovic. Die Palette reicht dabei von Online-Training mit den Älteren bis zum Malwettbewerb für die jüngsten Handballer.

Keinen Mitgliederschwund wegen der Pandemie gab es bisher auch bei den Leichtathleten des FC Aschheim. „In meiner Trainingsgruppe hat nur eine aufgehört – und das hatte nichts mit Corona zu tun“, sagt Abteilungsleiter Michael Leutheuser. Auch der übliche Schwung an Neumitgliedern zum Schuljahresbeginn sei heuer nicht ausgeblieben. Inwiefern diese aber dem Verein treu bleiben werden, müsse man abwarten, sagt der Spartenchef. Denn: „Gerade für die jüngeren Kinder ist es im Winter wichtig, dass wir in die Halle können.“

Derweil hat sich auch der FCA einiges einfallen lassen, um den Kontakt zu seinen Leichtathleten trotz Teil-Lockdown zu halten. Je nach Alter biete man Trainingspläne oder Youtube-Workouts an, sagt Michael Leutheuser. Bei Kindergartenkindern oder Grundschülern sind derlei digitale Alternativen jedoch nur bedingt hilfreich, brauchen sie doch oft den direkten Kontakt – zur Übungsleiterin wie zu den anderen Kindern. Umso mehr hofft auch Brigitte Pfaffinger, dass ihr TSV Feldkirchen alsbald wieder Kurse für die Kleinsten wird anbieten können. Sorgen, dass die Hallen dann leer bleiben, hat die Abteilungsleiterin nicht – im Gegenteil. „Wir werden wahrscheinlich nur noch 25 Plätze anbieten können, vorher waren auch mal bis zu 40 Kinder in der Halle“, sagt Brigitte Pfaffinger. „Ich gehe davon aus, dass es einen Run auf die Plätze geben wird, wenn es wieder losgeht. Wir werden deshalb wohl massiv mehr anbieten müssen als früher.“

Auch interessant

Kommentare