Ömer Kanca sorgte zwar für den Ausgleich, durfte sich aber nicht lange darüber freuen. Foto: SpVgg

„Das war ein klassischer Selbstfaller“

Unterhaching - Am Ende fehlte das nötige Quäntchen Cleverness: Mit 1:3 (0:1) musste sich die SpVgg Unterhaching bei der U 23 von Werder Bremen geschlagen geben.

Spannung pur herrschte bis zur letzten Sekunde in einem Fußball-Krimi, bei dem die SpVgg Unterhaching zwischen Hoffen und Bangen schwebte. Dem Hachinger Ausgleich zum 1:1 durch Ömer Kanca (86.) folgte postwendend ein Bremer Doppelschlag durch Onur Ayik, der Werder per Kopfball gleich wieder in Front brachte (88.) und in der Nachspielzeit, als die SpVgg selbst mit Torwart Darius Kampa stürmte, bei einem Konter zum 3:1-Endstand ins leere Tor traf. Die Bremer 1:0-Führung hatte früh der Ex-Hachinger Nicolas Feldhahn mit einem Distanzschuss erzielt (5.); dabei half Kampa kräftig mit, indem er die Kugel durch seine Hände rutschen ließ.

„Das war wieder mal eine dicke Lehrstunde“, stöhnte SpVgg-Trainer Ralph Hasenhüttl, der kritisch anmerkte, dass einigen „die Erfahrung gefehlt“ habe. Seine Meinung über die turbulente Schlussphase: „Sowas darf einer Mannschaft, die den Anspruch erhebt, Spitzenmannschaft zu sein, nicht passieren.“ Nach dem 1:1 von Kanca, dem ein Sturmlauf der Hachinger vorausgegangen war, „habe ich das Kommando gegeben, wenigstens denen einen Punkt mitzunehmen“, so Hasenhüttl. „Doch dann haben wir die Ordnung verloren, es gab einen Ballverlust – so war’s ein klassischer Selbstfaller.“ Auch Verteidiger Thorsten Schulz fand: „Mit mehr Cleverness und Kaltschnäuzigkeit hätten wir hier nicht verloren.“

In einem laut Hasenhüttl von „gesunder Härte“ geprägten Spiel ließen sich die Rot-Blauen anfangs den Schneid abkaufen und fanden gegen die kompakt agierenden sowie kopfballstarken Bremer zunächst kaum ins Spiel. Dies änderte sich mit einer bemerkenswerten Begebenheit kurz vor der Halbzeitpause: Felix Schiller, erst vier Minuten zuvor für den Gelb-Rot gefährdeten Bremer Kevin Maek eingewechselt, sah nach einer rüden Attacke gegen Robert Zillner die Rote Karte (43.) – ab sofort befand sich die SpVgg in Überzahl.

Nach dem Seitenwechsel gab’s Einbahnstraßen-Fußball aufs Bremer Tor. Marcus Steegmann (54.), Sebastian Mitterhuber (56.), Christian Hain (79.) und Ömer Kanca (84.) versiebten beste Torchancen, was Hasenhüttl so kommentierte: „Wir haben viel Aufwand betrieben, um den Ausgleich zu erzielen.“ Nicht zu vergessen auch der Lattentreffer von Raphael Schaschko schon vor der Halbzeitpause (22.). Nach dieser Flut vergebener Chancen geriet das grün-weiße Abwehrbollwerk aber doch noch ins Wanken, denn eine Ecke von Zillner verlängerte Kanca per Kopf ins Tor (86.). Selbst nach Ayiks 2:1 zwei Minuten später steckte Haching nicht auf, sondern setzte den Sturmlauf fort. Erst mit dem zweiten Treffer von Ayik schwand die Hoffnung auf ein wenig Lohn für die viele Mühe. Der Bremer Doppel-Torschütze indes verriet: „Das frühe 1:0 hat uns die nötige Kraft für die weitere Partie gegeben.“ Thomas Wolter, Trainer von Werder Bremens U 23, ergänzte: „Wie meine Mannschaft auf den Ausgleich reagiert hat, das war schon klasse.“

Bremen: Mielitz - Hessel, Maek (39. Schiller), Stallbaum, Andersen - Ronneburg, Feldhahn - Ayik, Menga (43. Gerdes) - Kempe (84. Zengin), Oehrl

Unterhaching: Kampa 4 - Schulz 4, Brysch 3, Hain 3, Schaschko 4 (46. Steegmann 3) - Mitterhuber 4 (70. Kanca 3), Tyce 3, Leandro 3, Zillner 3 - Schweinsteiger 4 (58. Rathgeber 4), Balkan 4

Schiedsrichter: Bastian Dankert (Rostock)

Tore: 1:0 Feldhahn (5.), 1:1 Kanca (86.), 2:1 Ayik (88.), 3:1 Ayik (90.+2) – Zuschauer: 450

Rote Karte: Schiller wegen groben Foulspiels (43.)

Gelbe Karten: Maek, Ayik (2), Stallbaum (3) - Schulz, Rathgeber

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