In Budapest stürmte Sepp Berg für die Bayern. Die Partie endete 2:1 für die Ungarn.
+
In Budapest stürmte Sepp Berg für die Bayern. Die Partie endete 2:1 für die Ungarn.

Sepp Berg war Zehner beim FCB

FC-Bayern-Karriere beginnt in Aschheim hinterm Stadl

  • vonRedaktion München Nord
    schließen

Sepp Berg war die Zehn der Roten – Als 16-Jähriger wird er vom TSV Feldkirchen abgeworben.

VON BIRGIT LANG

Landkreis – Er gilt als Fußballer-Legende, nicht nur in Taufkirchen (Vils), wo er viele Jahre lang Spieler und Trainer bei der BSG war. Auch die eingefleischten FC-Bayern-Fans bitten ihn heute noch um Autogramme und Fotos von seiner Zeit als Profispieler des heutigen Weltklasse-Vereins: Sepp Berg, der Mann mit der Nummer 10. Drei Jahre lang, von 1954 bis 1957, spielte der „echte Aschheimer“ beim FCB, in der damaligen Oberliga Süd, der höchsten Klasse in Süddeutschland.

In seiner ersten Saison kam er nur zu einem Punktspiel, am 1. Mai 1955, dem 30. Spieltag, bei dem er allerdings auch ein Tor erzielte. Die Partie gegen den VfB Stuttgart endete mit einer 1:3-Niederlage für die Bayern. Berg schoss den Anschlusstreffer zum 1:2 in der 68. Minute. Den Abstieg in die 2. Oberliga Süd konnte er zwar nicht verhindern, aber mit sechs Toren in 28 Punktspielen trug er zur Rückkehr in die Oberliga Süd bei. Bis zu 40 000 Zuschauer jubelten ihm, dem versierten, kämpferischen Mittelfeldspieler, damals zu.

Nach einer weiteren Spielzeit mit vier Toren in 27 Spielen wechselte er zur Saison 1957/58 zum BC Augsburg. Vertragsspieler erhielten zwischen 160 und 320 Mark im Monat. „Das war damals ein schönes Geld“, sagt der gelernte Brauer. Zusätzlich gab es Prämien für gewonnene Spiele. Beim FCB spielte er nicht nur Fußball, die Roten besorgten ihm auch einen Bürojob in der Stadt, damit er immer und leichter ins Training kommen konnte.

Seine Leidenschaft entwickelte sich schon in früher Kindheit. Mit seinen Brüdern Heini und Alfred sowie seinen Freunden bolzte der Sepp jede freie Minute hinterm Stadl mit einem alten, zerfledderten Lederball. „Aschheim war ein Bauerndorf, und wir waren um jeden Ball froh“, erzählt er. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er bei einem Verein zu spielen begann.

Für seinen ersten Pass beim TSV Feldkirchen hatte er nicht mal ein Bild. Die Fußballschule, gemacht vom Schuster für rund 20 Mark, bezahlte ihm die Mutter, die ein Lebensmittelgeschäft betrieb. Auch ein Trikot habe der Sportverein schon gehabt. Als seine Mannschaft einmal gegen den FC Bayern spielte, wurde er gleich abgeworben: „Burli, komm zu uns“, meinte einer aus dem Münchner Team.

Bergs Anlagen und vor allem seine Technik zeichneten sich früh ab. Also fuhr er mit seinem Radl die 13 Kilometer zum Probetraining an der Säbener Straße. „Ich wär’ fast vorbei geradelt“, erzählt er. Und, dass sie nach diesem Training zu ihm sagten: „Burli, komm wieder und bring ein Bild für den Pass mit.“ Da war er 16 Jahre alt – und seine Profikarriere begann.

Bei den Bayern zu spielen sei schon damals was Besonderes gewesen. „In der Jugend haben wir im Ausland, in Cannes/Frankreich, an einem Jugendturnier teilnehmen dürfen. Das war einmalig. Ich habe erstmals das Meer gesehen, und wir haben das Turnier gewonnen. Das war eine Sensation.“ Seine Spezln daheim in Aschheim vergönnten ihm den Erfolg. Von 1952 bis 1954 kickte er in der Jugend des FCB. Die Ligaspiele waren einmal in der Woche, am Sonntag nach der Kirche. Dafür und fürs Training musste er immer erst die 13 Kilometer nach München radeln.

Schnell kam der Erfolg. 1954 wurde er mit der A-Jugend unter Trainer Jakl Streitle Süddeutscher Jugendmeister, es folgten Spiele in der Bayern- und süddeutschen Auswahl. Für den Sepp war es aber Bertl Moll, selber ein sehr guter Spieler der Ersten, der ihm als Trainer unvergessen blieb. „Er war mein Heiligtum. Er war Schullehrer und hat uns erste Klasse trainiert.“

1955 gelang Berg der Sprung in die Jugendnationalmannschaft unter Trainer Sepp Herberger und seinem Assistent Dettmar Cramer. „Ich habe Cramer als Vorbild sehr geschätzt. Er hat immer Sepperl zu mir gesagt, weil ich ja nur 1,66 Meter groß war.“ Er habe sich richtig reingehängt, weil er unter all den Kickern stets einer der Kleineren war.

Nahtlos wechselte er schon vor seinem 18. Lebensjahr von der Jugend in die erste Mannschaft des FC Bayern, die von Willibald „Witsche“ Hahn trainiert wurde und wo er mit Größen wie Ludwig Landerer zusammenspielte. Mit dem Profivertrag durfte er allerdings nicht mehr bei den Olympischen Spielen antreten, was er bedauerte. Berg arbeitete hauptberuflich jetzt nicht mehr als Brauer, sondern bei AGROB im Büro, und bekam dafür immer frei.

Schon damals gab es fanatische Fans, die am Spielende vor dem 60er-Stadion warteten und um ein Autogramm baten. Auch Frauen waren dabei. „Da fing es mit dem Fankult schon an“, erzählt Berg augenzwinkernd.

Das schönste Spiel sei immer gegen den 1. FC Nürnberg gewesen, damals die Nummer eins. „Das war immer das Lokalderby und eine Zugnummer, und es kamen die meisten Zuschauer.“ Der kompakte Aschheimer hatte oft mit Leistenzerrungen zu kämpfen. Nach drei Jahren in der Ersten der Bayern wurde der 21-Jährige 1957 vom BC Augsburg abgeworben. „Es war eine gute Mannschaft mit tollen Spielern wie Helmut Haller. Er war mein bester Freund. Ich war schon etwas älter, und er hat sich von mir auch was sagen lassen“, erzählt Berg, heute 83. „Er war ein Pfundskerl. Im Tor hatten wir Uli Bissinger, er war als Nationaltorwart bei der WM 1954 dabei, kam aber nicht dran.“ In Augsburg absolvierte Berg 48 Spiele. Dann standen ihm Angebote von Viktoria Berlin und dem FC Brügge ins Haus. Aber er entschied sich, seine aktive Fußballkarriere nach der Saison 1961/62 zu beenden.

Aber ganz mit dem Fußball aufhören wollte er noch nicht. So ließ er sich als Spielertrainer von der neu gegründeten Betriebssportgemeinschaft Himolla anwerben. Der Kontakt kam über seinen Bruder Heini zustande, der mit dem Taufkirchener Musiklehrer Bene Allgäuer in die Schule gegangen war. Weil Berg Profi- und Vertragsspieler war, wurde er vom DFB für ein halbes Jahr gesperrt. „Das hat gepasst, denn ich musste ja erst meinen Trainerschein machen, um als Amateur-Spielertrainer in der B-Klasse einsteigen zu können.“ In kurzer Zeit brachte er die BSG-Erste in Topform und machte sie zu einer gefürchteten Elf. „Wir sind gleich in die A-Klasse und später noch bis in die Bezirksliga aufgestiegen“, erzählt er – die fünfthöchste Liga. In der „Berg-Elf“ spielten neben ihm von 1962 bis 1989 unter anderem Gerd Bruder (Kickers Offenbach), Werner Heidner (Friedberg) oder Robert Stöckl (Ottobrunn). Auch der ehemalige Bayern-Torwart Árpád Fazekas konnte verpflichtet werden. Bis zu 2000 Zuschauer kamen zu den Spielen. All diese klasse Kicker wurden, wie er selbst, mit guten Jobs bei Himolla nach Taufkirchen gelockt. Trainiert wurde anfangs noch auf roter Erde oberhalb des Himolla-Werksgeländes an der Landshuter Straße, gespielt auf dem TSV-Platz – bis das BSG-Gelände in Hilpolding gebaut wurde.

Im Büro des Polstermöbelherstellers lernte Berg seine künftige Frau Maria kennen, die er 1968 heiratete. An einem spielfreien Tag, versteht sich. 1972 kam Sohn Markus zur Welt, mit dem er jede freie Minute kickte. Dennoch stieg dieser nicht in seine Fußstapfen. Den Nachwuchs zu fördern, ihm sein Wissen weiterzugeben, war Berg sehr wichtig. So sagte er sofort zu, als ihm angetragen wurde, Jugendtrainer zu werden: „Das war meine Lieblingsaufgabe bei der BSG.“ Besonders stolz macht ihn heute noch, dass er mit der A-Jugend 1990 in die Bezirksoberliga aufgestiegen ist, wo sie bis 1992 spielte.

Noch heute wird der 83-Jährige von seinen ehemaligen Mitspielern und Burschen geschätzt und besucht. Viele sind heute Geschäftsleute, wie die Orthopäden Kurt Dworschak und Markus Fischbeck oder Spediteur Burle Fürmetz. Für sie alle war und ist er immer nur „Der Chef“ geblieben, erzählt Fürmetz. „Wenn er aufgeregt am Spielfeldrand stand, hat er sich immer das Hemd in der Hose neu gerichtet“, erinnert er sich gern an Berg. An Stephani kamen sie noch als junge Erwachsene bei ihm vorbei, um mit ihm ein Stephani-Schnapserl zu trinken. „Das war eine ganz besonders nette Blosn“, sagt Berg dazu.

Sohn Markus und Frau Maria waren oft dabei, sie hat auch Dressen gewaschen und für alle Tee gekocht, denn ihr lagen die Burschen genauso am Herzen „Der Berg Sepp hat Spieler geformt wie Stefan Bart, Markus Fischbeck, Anderl Faltermaier oder Marc Hennig. Keine Unbekannten im Fußball-Landkreis und darüber hinaus“, sagt der aktuelle BSG-Vorsitzende Franz Schlossnikl. „Er konnte mit seiner immer bescheidenen Art so manchen Spieler formen, sowohl in fußballerischer als auch in menschlicher Hinsicht.“ Auch heute noch informiere sich Berg, wie es im Verein laufe. „Zum Trainingsplatz kommt er natürlich, sportlich wie er noch ist, immer mit dem Radl.“

Sepp Berg war noch eine Zeitlang Berater bei der BSG, kickte bei der AH mit und nahm gerne an Benefizspielen mit Helmut Haller oder bei den ersten Spielen gegen die Bewohner des Pflegeheims der Barmherzigen Brüder in Algasing teil. Als Zuschauer sieht man ihn noch regelmäßig im BSG-Stadion.

Narrisch gefreut hat es ihn, als ihn der FCB vor zwei Jahren mit seiner Mannschaft, die 1957 DFB-Pokalsieger wurde, zum Festakt einlud. Skifahren und Tennisspielen waren lange Jahre seine Leidenschaften. Mittlerweile hat er sich aufs Radfahren umgestellt. Jeden Meter fährt er mit seinem Rad, meist begleitet von seiner Maria, und jeden Sonntagvormittag joggt er eine Runde, auch wenn die Beine langsam schwerer werden. Viel Freude bereiten ihm die Enkeltöchter Johanna und Klara.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare