Frauen im Männerfußball Landkreis-Experten zweifeln
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Frauen im Männerfußball: „Bis zu einem gewissen Alter können sie mithalten“

Zweifel im Landkreis an Beispiel aus den Niederlanden

Frauen im Männerfußball: „Bis zu einem gewissen Alter können sie mithalten“

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Frauen im Männerfußball: Funktioniert das? Vereinsvertreter zweifeln an der Sinnhaftigkeit im Männerfußball.

LandkreisEine Frau im Männerfußball: Funktioniert das? 2003 erhielt die damalige Weltfußballerin Birgit Prinz ein Angebot des italienischen Herren-Erstligisten AC Perugia, das sie ablehnte, weil sie befürchtete, dies sei ein reiner Marketing-Gag. Jetzt läuft in den Niederlanden ein ernst gemeintes Pilotprojekt: Junioren-Nationalspielerin Ellen Fokkema, die seit ihrem fünften Lebensjahr mit Jungs zusammenspielt, ist ins Männer-Team ihres Heimatvereins VV Foarut aufgerückt. Im dritten Anlauf hat der Niederländische Fußballverband KNVB dem entsprechenden Antrag der 19-Jährigen zugestimmt, die ein Angebot des Frauen-Erstligisten SC Heerenveen wegen ihrer Ausbildung zur Krankenschwester ausgeschlagen hatte.

Nun also kickt sie in der Vierten Amateurklasse der Herren. „Dieser Fall ist eine schöne sportliche Herausforderung, die wir nicht blockieren wollen“, heißt es vom KNVB. Fokkema selbst sagt, ihre Teamkameraden seien begeistert.

In Bayern dürfen Mädchen und Jungen bis zur B-Jugend zusammen spielen

In Bayern dürfen Mädchen und Buben bis zur B-Jugend gemeinsam im Verein Fußball spielen. Sollte man diese Altersbeschränkung aufheben? Wir haben uns im Landkreis umgehört.

Franz Perneker, 46, Sportlicher Leiter des FC Deisenhofen: „Das ist meiner Meinung nach totaler Käse, das braucht kein Mensch. Die Frauen sollen untereinander Fußball spielen. Das hat höchstens einen Effekt für irgendwelche Werbeträger. Ich bin Stützpunkttrainer an der Sportschule Oberhaching und sehe da Mädchen bei der U 15 und U 16 mitspielen. Bis zu einem gewissen Alter können sie mithalten. Zum Beispiel Leonie Köster, die jetzt von Grünwald zu Eintracht Frankfurt gegangen ist, oder Carlotta Schwörer von uns aus Deisenhofen, die von Ismaning kam und jetzt eine Einladung zur Junioren-Nationalmannschaft erhalten hat. Ich glaube, dass die Mädchen technisch nicht schlechter sind. Aber von der Dynamik und dem Speed her ist das nicht darstellbar. Wenn man einen 20-Jährigen gegen eine 20-Jährige laufen lässt, ist der Mann einfach schneller. Das bringt keinem was, weder der Spielerin noch der Mannschaft.“

„In der Jugend nicht schlecht, im Erwachsenenbereich ist es schwierig“

Sabrina Foltyn, 27, spielt mit dem SV Pullach in der Frauen-Kreisklasse, trainiert zudem mit ihrem Vater Hans die C-Junioren des SVP: „Ich finde es in der Jugend nicht schlecht, dass Mädchen mit den Jungs trainieren, wenn sie gut sind. Im Erwachsenenbereich ist es aber schwierig, glaube ich. Männer sind einfach schneller, von den Bewegungen her haben die Frauen keine Chance. Vielleicht ist es auch anders, wenn eine Frau mit neun Männern spielt. Ich habe selber schon in einer Firmenmannschaft mit Männern gespielt. Das macht Spaß, aber es ist einfach schwierig mitzuhalten. Bei sehr guten Spielerinnen geht das vielleicht, aber das sind dann nur Einzelfälle. Im Spielaufbau können die Frauen auf alle Fälle mithalten, aber körperlich, wenn es ans Verteidigen geht, ist es eigentlich unmöglich.“

„Frauen sollen nach der C- oder B-Jugend selber untereinander spielen“

Jochen Joppa, 81, stellvertretender Fußball-Abteilungsleiter des TSV Grünwald: „Ich bin auf keinen Fall dafür, dass Frauen bei den Männern mitspielen. Es geht, beispielsweise in der Bezirksliga, anders zur Sache, da gibt es schon mal einen bösen Rempler oder auch einen Schlag mit dem Ellenbogen. Auch das Tempo ist höher. Ich will das nicht frauenfeindlich verstanden wissen, aber ich finde Männerfußball ist Männerfußball und die Frauen sollen nach der C- oder B-Jugend selber untereinander spielen. Ich habe auch bei den Schiedsrichterinnen meine Bedenken. Technisch und theoretisch haben das die Frauen sicher drauf. Aber mein Eindruck ist, dass sie, wenn gewisse Emotionen ins Spiel kommen, nicht mehr weiter wissen.“

Martin Bauer, 30, Vize-Kapitän des Bayernligisten SV Pullach: „Grundsätzlich finde ich, es sind zwei verschiedene Kategorien. Es ist auch eine Sache der Gleichhandlung: Wenn eine Frau bei den Herren mitspielt, wollen das dann die anderen auch. Was macht man dann? Männer haben auf der anderen Seite auch nicht den Reiz, bei Frauen mitzuspielen. Dann ist es auch eine Frage der Handhabung, man braucht getrennte Umkleiden und Duschen. Ich verstehe außerdem nicht, warum eine Frau nicht in der 1. oder 2. Liga bei den Frauen mitspielt, sondern lieber in der 4. Liga bei den Männern. Wenn eine Fußballerin so gut wäre, dass sie bei den Profi-Männern mitspielen könnte, um genauso gut zu verdienen, würde ich ihr das nicht verwehren wollen. Aber das wird es kaum geben. Dabei will ich auf keinen Fall den Frauenfußball abwerten. Ich kenne ja selber ein gutes Beispiel: Sara Däbritz, die Freundin von unserem ehemaligen Pullacher Lukas Dotzler, ist fußballerisch bombig, trotzdem würde sie aber in der 1., 2. oder 3. Liga bei den Männern nicht mithalten können.“

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