Mit der Hacke trifft Niclas Stierlin (im weißen Dress) nach einem Strafraumgewurschtel zum entscheidenden 1:0 der SpVgg Unterhaching im Oberbayern-Derby beim FC Ingolstadt – sein Teamkollege Dominik Stroh-Engel (l.) beobachtet die Szene.
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Mit der Hacke trifft Niclas Stierlin (im weißen Dress) nach einem Strafraumgewurschtel zum entscheidenden 1:0 der SpVgg Unterhaching im Oberbayern-Derby beim FC Ingolstadt – sein Teamkollege Dominik Stroh-Engel (l.) beobachtet die Szene.

Fußball - 3. Liga

Derbysieg nach Hachinger Billard-Tor

  • Martin Becker
    vonMartin Becker
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Mit einem 1:0-Auswärtssieg im Oberbayern-Derby beim FC Ingolstadt hat die SpVgg Unterhaching die Schanzer von Platz eins der 3. Liga geschubst.

Unterhaching – Am Schluss, als die Schanzer eine gute Viertelstunde lang ihr ganzes Personal nach vorn warfen und die SpVgg vor deren Tor einschnürten wie beim Handball, war es eine Zitterpartie. Eine, die die Hachinger mit einer ordentlichen Portion Glück unbeschadet überstanden; und nach vier Minuten Nachspielzeit vor 3000 Fußballfreunden im Audi-Sportpark die Arme zum finalen Jubel hochreißen durften.

„Nach einer etwas hektischen Anfangsphase beider Mannschaften haben wir das Spiel bis zur 75. Minute spielerisch kontrolliert“, resümierte SpVgg-Trainer Arie van Lent. „Zu diesem Zeitpunkt“, schob er in seiner Analyse hinterher, sei das spielentscheidende Tor von Niclas Stierlin (67.) „verdient“ gewesen. Über den Sturmlauf des FCI in der letzten Viertelstunde sagte Arie van Lent: „Da haben wir unsere Führung leidenschaftlich verteidigt.“ Sein Fazit: „In allen drei bisherigen Saisonspielen haben wir unterschiedliche Gesichter gezeigt. Heute war es eine sehr ordentliche Leistung, wir sind auf einem guten Weg.“

Tomas Oral, Trainer-Pendant auf Seite des FC Ingolstadt, verzog in der Pressekonferenz nach dem Oberbayern-Derby ein wenig das Gesicht. „Ich sehe das nicht ganz so wie Arie, und einen verdienten Hachinger Sieg habe ich schon gar nicht gesehen“, hob der Chefcoach der Schanzer an, seine Sicht der Dinge zu erklären.

Er verwies darauf, dass Ingolstadt auch ohne seinen kurzfristig ausgefallenen Kapitän Stefan Kutschke (muskuläre Probleme) unmittelbar nach der Halbzeitpause „zwei richtig gute Aktionen“ hatte, durch Maximilian Beister (47.) sowie eine Doppelchance von Fatih Kaya und Robin Krauße (49.). „Wenn wir da in Führung gehen“, mutmaßte Thomas Oral, „machen wir das Ding safe.“

Doch den Sieg sicherte ein anderer, nämlich Niclas Stierlin. Die 67. Spielminute: Luca Marseiler schlägt einen Eckball genau in die Strafraummitte. Dort kommt Stierlin zum Kopfball, der Ball bleibt in einem Gewirr von Beinen im Fünfmeterraum hängen, und in dem Gewurschtel schaltet Stierlin am schnellsten – mit der Hacke bugsiert er die Kugel ins Tor. „Das war ein bisschen wie beim Billard“, kommentierte Tomas Oral die Szene später.

Stierlins Billard-Tor blieb indes nicht der einzige Aufreger, denn in der 87. Minute stellte sich die Frage: Foulelfmeter für Ingolstadt oder nicht? Hachings Robert Müller attackierte etwas unsanft Justin Butler, der ging zu Boden. „Ein klarer Körperkontakt, das muss der Schiedsrichter pfeifen“, echauffierte sich der Trainer der Schanzer. Claus Schromm, Sportlicher Leiter der SpVgg, sah es ähnlich: „Wenn es hier Elfmeter gibt, dürfen wir uns nicht beschweren.“

Insofern kam der Hachinger Sieg am Schluss ein bisschen glücklich zustande. Nun gelte es, „den nächsten Schritt zu machen“ in der Entwicklung, sagte Arie van Lent, am Sonntag (13 Uhr) im Heimspiel gegen den SV Meppen.

Zunächst aber gilt das Augenmerk dem Montag, 5. Oktober, an dem wegen der Corona-Pause später als sonst die Transferperiode endet. Dass Haching noch einen Spieler holt, erscheint eher unwahrscheinlich; interessanter ist de Frage, ob die SpVgg noch Abnehmer für die ausgemusterten, aber kostenpflichtigen Profis Sascha Bigalke und Jim-Patrick Müller finden. „Lassen wir den Tag mal entlanggehen“, äußerte sich Claus Schromm dazu ergebnisoffen.

Ingolstadt: Buntic - Heinloth, Schröck, Paulsen, Büch - Gaus, Krauße (77. Stendera) - Niskanen, Beister (77. Hawkins), Kaya (68. Butler) - Elva. 

Unterhaching: Mantl - Schwabl, Müller, Greger, Dombrowka - Fuchs, Stierlin - Heinrich (85. Grauschopf), Hufnagel, Marseiler (72. Bandowski) - Hasenhüttl (57. Stroh-Engel). 

Schiedsrichter: Wolfgang Haslberger (St. Wolfgang) 

Tor: 0:1 Stierlin (67.) 

Zuschauer: 3000 

Gelbe Karten: Beister (29.), Schröck (70.) – Hufnagel (39.), Bandowski (88.)

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