Fußballer im Landkreis rätseln dennoch über die Fortsetzung und die Wertung der bisherigen Saison

„Das Wichtigste ist momentan die Gesundheit“

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Das Coronavirus hat nahezu das komplette öffentliche Leben lahmgelegt – und damit auch dem Sport. Der Bayerische Fußball-Verband hat den Spielbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt. Frühestens nach dem 19. April könnten wieder Ligaspiele stattfinden. Doch wie sollen die bisherigen Ergebnisse dann gewertet werden? Bei dieser Frage gehen die Meinungen der Fußballer im Landkreis auseinander.

Landkreis – Das Coronavirus hat nahezu das komplette öffentliche Leben lahmgelegt – und damit auch dem Sport. Der Bayerische Fußball-Verband hat den Spielbetrieb bis auf Weiteres ausgesetzt. Frühestens nach dem 19. April könnten wieder Ligaspiele stattfinden, heißt es vonseiten des BFV, und das und auch nur mit einer Vorankündigung von mindestens 14 Tagen. Hört man sich aber bei den Fußballern im Landkreis um, so glauben nur wenige daran, dass die laufende Saison noch zu Ende gespielt wird. Doch wie sollen die bisherigen Ergebnisse dann gewertet werden? Bei dieser Frage gehen die Meinungen auseinander.

Nur die Hinrunde werten und anhand dieser Ergebnisse Auf- und Absteiger sowie Releganten bestimmen – das ist die Variante, die Helmut Beck vom FC Phönix Schleißheim als „die sportlich fairste Lösung“ bezeichnet. „Weil dann zumindest jede Mannschaft einmal gegen jeden gespielt hat“. Eine Annullierung der Saison sieht der Vereinsvorsitzende dagegen kritisch – auch mit Blick auf die Erste Mannschaft seines Klubs, die in der Kreisklasse 2 Tabellenführer ist. „Wir sind in den vergangenen Jahren mehrmals knapp am Aufstieg vorbeigeschrammt“, erinnert Beck. „Vor zwei Saisons haben uns einmal bloß vier Minuten gefehlt.“ Würde die Elf von Trainer Josip Zagar jetzt den Sprung in die Kreisliga erneut verpassen, „dann wäre das extrem bitter für die Spieler, die in der Vorbereitung sehr gut gearbeitet haben“, sagt Beck.

Dass der BFV – anders als etwa der Volleyball- sowie der Basketball-Verband in Bayern – derzeit noch keine Entscheidung über ein vorzeitiges Saisonende gefällt hat, begrüßt der Phönix-Vorsitzende ausdrücklich – genauso wie Philipp Würdinger. „Zurzeit hört man an einem Tag das eine und zwei Tage später etwas anderes. Deshalb ist es sinnvoll, erst mal noch abzuwarten“, sagt der Trainer des Putzbrunner SV. Sollte die Spielzeit nicht mehr fortgesetzt werden, dann wäre der Coach dafür, die komplette Saison zu annullieren. „Aktuell ist gerade mal die Hälfte der Spiele rum. Da kann man einfach noch zu wenig sagen“, findet Würdinger. Sein Putzbrunner SV, der in der Kreisklasse 5 spielt, würde in diesem Fall nächste Saison einen weiteren Anlauf in Sachen Aufstieg unternehmen. Als derzeitiger Dritter ginge der PSV leer aus, sollte die jetzige Tabellensituation oder die Hinrunde gewertet werden.

Anders sieht es da in der A-Klasse 2 beim FC Unterföhring II aus. Der Absteiger thront nach elf von 22 Spielen an der Tabellenspitze und ist somit auf dem besten Weg, in die Kreisklasse zurückzukehren. Würde eine Annullierung der Saison dies zunichte machen, dann wäre das „sehr unfair“, findet Trainer Zivan Zivanovic. Überdies hätte ein Nicht-Aufstieg womöglich auch Folgen für seinen Kader, „denn wir haben einige Spieler bei uns in der Mannschaft, die nicht den Anspruch haben, noch eine Saison in der A-Klasse zu spielen“. Zivanovic plädiert auch deshalb dafür, jene Klubs aufsteigen zu lassen, die aktuell auf den Aufstiegsplätzen rangieren. Absteiger solle es dagegen keine geben, so der Coach weiter. „Und dafür spielen wir nächste Saison in größeren Ligen und es gibt eben mehr Absteiger.“ Als „zweite mögliche Option“ nennt Zivanovic Relegationsspiele zwischen Spitzenreitern und Schlusslichtern der jeweiligen Ligen.

Sehr skeptisch, was eine Wiederaufnahme der laufenden Saison angeht, gibt sich Manuel von Klaudy, Trainer des SV Lohhof. Zwar habe er noch „ein bisschen Resthoffnung“, jedoch rechne er damit, „dass die Saison eingestampft und komplett annulliert wird“. Für seinen SVL wäre das „extrem bitter“, so der Coach, rangiert der Klub doch aktuell auf dem Aufstiegsrelegationsplatz in der Kreisliga 1, nur knapp hinter dem Tabellenführer Nord Lerchenau, bei dem Lohhof eigentlich Ende März gastieren sollte. „Wir hätten den Aufstieg also noch selbst in der Hand“, sagt von Klaudy, der freilich einräumt, selbst keine faire Lösung zu kennen: „Egal, wie man‘s macht, irgendjemand schaut immer in die Röhre.“ Bei alledem hätten gerade die jüngsten Entwicklungen in Sachen Corona gezeigt, „dass es wichtigere Dinge gibt als Fußball“, betont der Trainer – „und vor allem Wichtigeres als Kreisliga-Fußball“.

Und dennoch treibt die ungewisse Zukunft die Amateurkicker natürlich um – so auch beim TSV Feldkirchen. Der Klub ist in der A-Klasse 6 das Schlusslicht mit sieben Punkten Rückstand zum rettenden Ufer. Jedoch habe man in der Winterpause viel trainiert, drei Neuzugänge geholt, und auch etliche Verletzte seien wieder fit, sagt Trainer Damian Piwecki. „Wir waren gut vorbereitet und wollten noch mal den Kampf aufnehmen.“ Ob der TSV dies noch tun kann, steht nun aber in den Sternen. „Ich habe noch Hoffnung, dass es wieder weitergeht“, sagt Piwecki, der es daher auch begrüßt, dass der BFV aktuell noch keine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen hat. Sollte die Saison abgebrochen werden, „dann gibt es keine Lösung, die jeden befriedigt“, weiß der Coach. Er spricht sich dafür aus, die Spielzeit zu annullieren und zu wiederholen.

In der Regionalliga bleiben – das ist auch das erklärte Saisonziel des SV Heimstetten. Er hat sich heuer durch das 2:1 gegen Schweinfurt einen 2:1-Sieg geholt, der sich noch als überlebenswichtig erweisen könnte. Denn dadurch schob sich der SVH auf einen Nichtabstiegsplatz; überdies ist der Klub auch in der Hinrundentabelle knapp am rettenden Ufer. Sollte die Saison also vorzeitig enden, dürfte der Klub in der Liga bleiben. „Ich war ursprünglich sehr optimistisch, dass wir noch mal spielen“, sagt Co-Trainer Memis Ünver. Inzwischen jedoch glaube er nicht mehr daran, „wenn man in den Nachrichten hört, wie sich das Schlag auf Schlag entwickelt“. Bei einem vorzeitigen Saisonende plädiert Ünver dafür, auf Absteiger zu verzichten und die Meister aufsteigen zu lassen. Er verweist dabei auf das Beispiel Türkgücü München, den souveränen Spitzenreiter der Regionalliga. „Die planen schon für die 3. Liga“, sagt Ünver. „Wenn die jetzt nicht aufsteigen dürften, dann wäre das extrem bitter.“

Auf Aufstiegskurs – wenngleich sechs Ligen niedriger – befindet sich auch der SV Ditib Unterschleißheim als Tabellenzweiter der A-Klasse 2. „Wir haben jahrelang vergeblich versucht aufzusteigen“, sagt Bahadir Koyuncu. „Doch im Moment sind wir auf einem guten Weg.“ Umso bitterer wäre es für den Verein, wenn die laufende Spielzeit ohne Wertung zu Ende gehen würde. Doch daran glaubt Koyuncu nicht: „Ich bin guter Dinge, dass die Saison noch weiter gespielt wird – womöglich auch bis in den Sommer hinein.“ Allzu viele Gedanken über die verschiedenen Szenarien nach einem möglichen Saisonabbruch will sich Bahadir Koyuncu indes nicht machen: „Das Wichtigste ist momentan die Gesundheit“, betont er. „Der Fußball ist da nur Nebensache.“

Mammutligen ohne Absteiger sieht Ludwig Trifellner, Sportlicher Leiter des VfR Garching für den Fall eines Saisonabbruchs die beste Option darin, eine Saison nur mit Aufsteigern und dann größeren Ligen zu bestreiten. „Die Meister der aktuellen Tabelle sollten aufsteigen“, sagt Trifellner, „denn diese Mannschaften haben sich das auch verdient.“ Der Garchinger Funktionär würde dann die neue Runde mit 20 bis 22 Mannschaften spielen, was organisatorisch machbar wäre für ein Jahr. Zusätzliche Heimspiele würden dann auch Einbußen der Corona-Zwangspause ein bisschen egalisieren.

Der VfR Garching ist aktuell Letzter, wobei der Sportliche Leiter den Abstieg seines Teams nicht als fair hinnehmen würde. Trifellner verweist darauf, dass die Garchinger noch zwei Nachholspiele haben und bei zwei Siegen wäre man tabellarisch dann im Idealfall auch schon auf einem Relegationsrang. Zudem hat der VfR auch schon an den bisherigen Rückrundenspieltagen die Topteams hinter sich. „Man sollte keine Mannschaften bestrafen, die den Klassenerhalt noch schaffen können“, sagt der Funktionär.

Walter Werner, der Sportliche Leiter des FC Ismaning, enthält sich der Diskussion über die verschiedensten Lösungsmodelle bei einem Saisonabbruch. „Die Köpfe werden jetzt schon rauchen bei den Herren, die das entscheiden müssen.“ Eine faire Lösung für alle könne es nicht geben und deshalb wünscht sich Werner Ruhe: „Es muss dann eine Entscheidung geben und die werden wir so akzeptieren.“ Sportlich ist Bayernligist FC Ismaning wohl auch kaum betroffen, denn aktuell belegt er unter 18 Mannschaften den neunten Platz. Nach drei Jahren mit nervenaufreibenden Abstiegskampf hält man sich aktuell ganz gut auf Abstand zum Keller der Liga.

Beim FC Unterföhring hat man nach dem aktuellen Stand auch nicht viel mit Regelungen von Auf- und Abstieg zu tun. Der Landesligist hat als Siebter zwar nur vier Punkte Abstand zu Relegationsrang zwei, aber auch schon mehr Spiele als die meisten Kontrahenten absolviert. Gerade wegen der unterschiedlichen Zahl der Spiele und der engen Abstände sagt FCU-Präsident Matthias Edelmann, „dass man in unserer Liga keine Auf- und Absteiger festlegen kann. „Ich bin dafür, bei einem Abbruch der Spielzeit zur neuen Saison einfach wieder mit den gleichen Mannschaften zu starten“, sagt Edelmann. Grundsätzlich seien in dieser Sondersituation alle überfordert „und da wird es keine faire Lösung geben“. Er hat auch Verständnis, dass die ihren Ligen enteilten Spitzenreiter Türkgücü (Regionalliga) oder Pipinsried (Bayernliga) brutale Härtefälle einer Annullierung ohne Auf- oder Absteiger wären.

Steven Toy, Spielertrainer des Landesligisten Kirchheimer SC plädiert dafür, „die Saison abzubrechen. Er hoffe, dass dazu zeitnah eine klare Entscheidung getroffen wird. „Am 18. Juli soll die neue Spielzeit beginnen – da bleibt uns ohnehin nicht so viel Zeit, und wir können mit Blick auf die Corona-Pandemie von Glück sagen, wenn dann wieder an Fußball zu denken ist.“ Was die Wertung dieser Saison angehe, „sollte man die Hinrunden-Tabelle hernehmen. Da haben dann wenigsten alle gegeneinander gespielt“. Eine faire Lösung gebe es nicht, irgendeiner werde immer benachteiligt. Für Kirchheim ändere sich nichts. „Wir waren da Zehnter, im Moment sind wir Neunter.“ Niemand kann abschätzen, wann das alles vorbei ist, aber vielleicht hat man noch die Chance, Auf- und Abstieg in einer Relegation auszuspielen.“

Anton Plattner, Trainer SV Dornach (Tabellensechster in der Bezirksliga Nord) sagt: „So wie sich die Situation jetzt darstellt, mit immer neuen Hiobsbotschaften, glaube ich nicht, dass wir in dieser Saison noch einmal spielen. Ein Abbruch ist nur logisch.“ Er habe mit einem Freund in der Lombardei gesprochen, die Lage dort sei beängstigend. „Und die Situation wird bestimmt bis Herbst oder Winter schwierig bleiben. Wir sollten mit der laufenden Saison jetzt aussetzen – und sie eben dann zu Ende bringen, wenn wir wieder spielen können.“ So gebe es keine Wettbewerbsverzerrung, alle hätten die gleichen Bedingungen.

Thomas Seethaler kann sich nicht vorstellen, dass die Runde in dieser Ausnahmesituation zu Ende gespielt wird. „Wie soll das denn funktionieren?“, fragt sich der Trainer des Ost-Bezirksligisten FC Aschheim. „Man sollte die Saison abbrechen, denn der 19. April wird nicht ausreichen, und wenn es wieder im Mai möglich sein sollte, hätten wir einige englische Wochen. Das ist meines Erachtens auch nicht ideal.“ Für ihn gebe es zwei Szenarien: Entweder die Vorrundentabelle (nach 14 Spielen war der FCA Zehnter, d. Red.) gelte als Abschlusstabelle oder aber man annulliere alle Ergebnisse dieser Spielzeit und fange dann zu gegebener Zeit wieder bei null an.

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