+
Der mittlerweile zum AC Parma ausgeliehene Joshua Zirkzee (M.) vom FC Bayern wärmt sich mit einem Mund-Nasenschutz auf. Doch können Fußballer damit auch Punktspiele bestreiten?

„Mit Maske kicken, ist unvorstellbar“

  • Patrik Stäbler
    vonPatrik Stäbler
    schließen
  • Umberto Savignano
    Umberto Savignano
    schließen

Fußballer stellen klar: „Mit Maske kicken, ist unvorstellbar“

Landkreis – Kicken mit Maske? Was sich im ersten Moment eher wie ein Faschingsscherz anhört, ist ein ernst gemeinter Vorschlag von Professor Henning Wackerhage: „Statt zu warten, bis Amateurfußball wieder komplett sicher ist, könnte man vielleicht früher beginnen, aber eine Zeitlang mit Extra-Infektionsschutz, wie zum Beispiel einem Mund-Nasen-Schutz“, regt der Sportbiologe von der TU München an (wir berichteten). Wir haben Fußballer aus dem Landkreis befragt, ob sie das Tragen eines Atemschutzes in Kauf nehmen würden, um bald wieder gemeinsam mit ihren Mannschaftskameraden gegen den Ball treten zu dürfen, und wie sie generell die Aussichten auf eine Saisonfortsetzung in absehbarer Zeit beurteilen.

Martin Mayer, 33, Mittel-
feldantreiber des FC Deisenhofen: „Auf den ersten Blick würde ich sagen, das ist unmöglich. Ich weiß nicht, ob dafür spezielle Masken entwickelt werden würden, aber mit den FFP2-Masken oder einem anderen normalen Mundschutz geht das nicht, zumindest bei mir. Ich krieg ja schon einen Vogel, wenn ich zum Einkaufen eine Maske tragen muss. Mit einem herkömmlichen Mundschutz atmet man die ganze Zeit seine eigene schlechte Luft ein. Und gerade jetzt, wo die Infektionszahlen sowieso besser werden, würde ich das eh nicht verstehen. Ich glaube, die Zahlen sind ja sogar besser als damals, als wir trainiert und gespielt haben. Ich bin überzeugt, dass man die Saison auch so zu Ende bringen kann. Es sind ja nicht mehr viele Spiele, man kann das mit englischen Wochen und einer verkürzten Sommerpause schaffen. Weil die meisten Vereine etwas machen, um ihre Spieler fit zu halten, würden vier Wochen Vorbereitungszeit reichen, mir persönlich jedenfalls. Aber hundertprozentig kann ich das natürlich nicht sagen, da das sicher auch von Mensch zu Mensch verschieden ist.“

Michael Hutterer, 31, Kapitän des SV Pullach: „Ich finde, es ist ein Schmarrn. Er sagt, er ist 30 Kilometer mit dem Rad gefahren (Professor Wackerhage hat im Selbstversuch eine Radtour mit Maske unternommen - d. Red.), aber da hast du keinen Zweikampf, bist immer in einem Tempo. Ich kann mir nicht vorstellen, mit Maske Fußball zu spielen, hoffe aber, dass wir Mitte März oder Anfang April sowieso wieder mit dem Training anfangen dürfen und dann Mitte April wieder spielen können. Ich denke man wird uns nicht mehr als zwei, drei Wochen Vorbereitungszeit geben, was eigentlich zu wenig ist, obwohl viele Vereine etwas tun, um die Spieler fit zu halten. Drei, vier Wochen sollten es nach dieser langen Pause eigentlich schon sein. Aber ich würde natürlich auch nach zwei Wochen anfangen. Hauptsache, man kann wieder Fußball spielen. Die Saison könnte man dann zu Ende bringen, man kann sich ja auf alle Fälle den Ligapokal schenken. Das habe ich sowieso nicht verstanden, dass man den eingeführt und im Herbst auch noch ein Totopokal-Spiel durchgeführt hat, statt die Saison möglichst schnell zu Ende zu bringen. Wir haben nur noch sieben Punktspiele, dafür sollte die Zeit reichen.“

Auch bei Fußballern aus dem nördlichen Landkreis stößt der Vorschlag des Sportbiologen auf völliges Unverständnis. Würde der Wissenschaftler diesbezüglich bei Lukas Riglewskinachfragen, dann wäre die Diskussion jedoch schnell wieder vorbei. „Fußball mit Maske ist für mich unvorstellbar“, sagt der Kapitän des Regionalligisten SV Heimstetten. „Ich halte diese Idee für einen völligen Quatsch.“ Er plädiert vielmehr dafür, im Zweifelsfall länger zu warten – „bis die Inzidenzwerte passen“, so Riglewski. Ähnlich äußert sich Dominik Mooser. „Ich fange lieber drei Wochen später an, als dass ich beim Fußball eine Maske trage“, sagt der Spielertrainer des A-Klassisten TSV Haar. „Die nervt ja schon im Alltag. Und auf dem Platz, gerade beim Zweikampf, würde sie wahrscheinlich runter rutschen.“ Sollte es tatsächlich zu einer Maskenpflicht im Amateurfußball kommen und sich die Mehrheit seiner Mannschaft für diese Maßnahme aussprechen, sagt Mooser, „dann sollen die damit spielen. Aber ich stehe dann nur am Seitenrand.“

Als „unvorstellbar“ bezeichnet auch Christian Kraus das Spielen mit Maske. Der Trainer des A-Klassisten FC Hochbrück ist Polizist und trägt bis zu sechs Stunden am Tag einen Mund-Nasen-Schutz. „Danach bin ich abends kaputt, obwohl ich körperlich fit bin“, sagt Kraus. Einen so intensiven Sport wie Fußball mit Maske zu betreiben, erachtet er daher als „absolut nicht sinnvoll“.

Das unterstreicht auch Fabian Löns, spielender Co-Trainer beim Landesligisten Kirchheimer SC. „Wenn ich richtig schnaufe und schwitze, dann verrutscht die Maske doch. Deshalb stelle ich mir das sehr schwierig vor.“ Aus seiner Sicht könnte ein Mund-Nasen-Schutz höchstens eine Option fürs Training sein. „Wenn man gerade wieder anfängt und sich den Ball auf Abstand zuspielt – da könnte ich mir eine Maske vielleicht noch vorstellen“, sagt Löns. „Im richtigen Spielbetrieb glaube ich aber nicht, dass das viel Sinn macht“.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare