Perfektes Drehbuch: Am Schlusstag der U17-Bundesliga bejubelten die rotblauen Talente den Klassenerhalt.
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Perfektes Drehbuch: Am Schlusstag der U17-Bundesliga bejubelten die rotblauen Talente den Klassenerhalt.

Hachings Präsident bejubelt U17 Klassenerhalt und kritisiert Nachwuchskonzept des DFB

Schwabl: „Bei uns muss man in dem Alter noch in einer Operetten-Liga spielen“

  • Uli Kellner
    vonUli Kellner
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Manfred Schwabl kann mit dem Saisonende bei der SpVgg Unterhaching zufrieden sein. Die Rettung der Profis und der U17 stimmt den Präsidenten glücklich. Eine Sache stößt ihm dennoch negativ auf.

Urlaub? Manni Schwabl tut so, als hätte er die Frage nicht verstanden. Er lässt den Blick im Biergarten vor dem Hachinger Sportpark schweifen, nimmt einen Schluck Weißbier und grinst zufrieden. Sollte heißen: Wozu wegfahren, wenn man Entspannung auch vor der eigenen Bürotür finden kann? Dass der Präsident der SpVgg Unterhaching in diesen Tagen einen sehr aufgeräumten Eindruck macht, hat Gründe – zwei um genau zu sein.

Der eine war die Rettung der Profis am vorletzten Spieltag. Der andere ist der Klassenerhalt der U 17, fixiert mit einem 2:0 in Karlsruhe vergangenen Samstag. Marc Unterberger, Trainer der B-Junioren, sitzt seinem Chef genauso relaxed gegenüber. Er sagt: „Wenn ich ein Drehbuch hätt’ schreiben müssen, dann genau dieses: Rettung am letzten Spieltag, aus eigener Kraft.“ Schwabl sagt: „Für unser Gesamtkonzept ist es fast genauso wichtig, dass die U 17 auch im vierten Jahr in Folge in der Junioren-Bundesliga spielt.“ Hachings Macher, der das NLZ ins Leben rief, als die Profis gerade aus der 3. Liga abgestiegen waren, sagt auch: „Eigentlich sind wir ein Nachwuchsleistungszentrum mit angegliederter erster Mannschaft.“

Er und Unterberger sind sich einig: Die ersten Weichen in Richtung Profifußball werden im Alter von 15 gestellt, wenn die Talente Förderverträge kriegen. Ab da zeigt sich, wer durchkommt. Im A-Juniorenalter, sagt Schwabl, sind die Würfel heute schon fast gefallen. Die Toptalente sollten dann Männerfußball spielen, was nicht so leicht sei in Deutschland mit seinen veralteten Regeln.

„Du kannst noch so viele Konzepte schmieden – für Erwachsenenfußball gibt es keinen Ersatz.“

Schwabl nennt zwei Beispiele: „Wieso hat Salzburg die Youth League gewonnen? Und wie kommt es, dass in Amsterdam ein 18-jähriger Kapitän ist (Matthijs de Ligt/ jetzt 19), wo man bei uns in dem Alter noch in einer Operetten-Liga spielen muss.“

Schwabl meint die U 19-Bundesliga, die maximal für den jüngeren Jahrgang tauge. Die älteren A-Jugendlichen lässt Salzburg beim Farmteam Liefering reifen (wie auch den Ex-Hachinger Karim Adeyemi). Und was Ajax angeht: „Der 18-Jährige wird ja nicht einen Tag mittrainiert haben und gleich Kapitän geworden sein. Das muss ja eine Vorgeschichte haben.“ Etwa die: In vielen Ländern dürfen Talente schon im Alter von 15 oder 16 Jahren in höheren Ligen mitspielen, in Deutschland erst mit 17. Schwabl lästert über den angeblichen Hang deutscher Verbände zu „Powerpoint-Präsentationen und dem ganzen Schmarrn“. Verächtlich sagt er: „Du kannst noch so viele Konzepte schmieden – für Erwachsenenfußball gibt es keinen Ersatz.“

U17 Betreuer fliegt extra aus Kaliningrad ein 

Auch deswegen ist es den Hachingern so wichtig, dass die U 17 in der Bundesliga geblieben ist, in der höchsten Spielklasse für dieses Alter. Und wie gut das im Sportpark mit dem Unterbau läuft, zeigt exemplarisch Unterbergers Auswahl, die die Liga halten konnte, obwohl sie vor der Saison drei Stürmer verloren hat. Die Trainer leben Herzblut vor – Betreuer Christian Schreyer fliegt für jedes Spiel aus Kaliningrad ein, wo er für BMW arbeitet. Und wenn gerade mal kein passendes Juwel aus den unteren Jahrgängen hochkommt, dann zahlt sich das Hachinger Netzwerk aus. Dann wird eben ein externes Talent geholt. Wie Dominik Bacher, der neun Tore schoss, obwohl er bis 2018 nur in der Kreisliga aktiv war.

Aber auch der Boss zeigt, wie sehr ihm die Talente am Herzen liegen. Zum entscheidenden Spiel in Karlsruhe reiste er mit dem ersten ICE an – zusammen mit Profi-Coach Claus Schromm. Zurück ging’s dann allerdings im Teambus, den Schwabl mit Abba zwangsbeschallte. Meistgespieltes Lied: „The winner takes it all.“ Der Gewinner kriegt alles. Der Präsident scherzt: „Wer brav mitgesungen hat, darf im Juli mit den Profis ins Trainingslager.“ Auch die Jugendtrainer werden in Schlanders dabei sein – und natürlich Schwabl selbst. Sein wahrer Urlaub in diesem Sommer.

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