Zwei für die Zukunft: Talent Valonis Kadrijaj und Trainer Klaus Augenthaler.

Haching: Neuer Jugendstil und weitere Abgänge

Unterhaching – Unterhaching-Coach Augenthaler soll auf Talente setzen. Der neue Jugendstil begann bereits gestern im Training. Doch das Zeitfenster zur Integration ist winzig.

Es hatte etwas von Postkartenidylle, die so ziemlich jeden Geschmack – sofern man nichts gegen Anflüge von Kitsch hat – befriedigte: Als die SpVgg Unterhaching gestern ihre Vorbereitung auf die Rückrunde in Angriff nahm, färbte eine rosa Nachmittagssonne die Wolkenlücken ein. Ihre Strahlen hoben dabei das satte Grün des vom Eis befreiten Kunstrasens vom Weiß der Umgebung ab. Im Hintergrund dudelte die Berieselung des benachbarten Eisstadions, wo kleine Kinder fröhliche Kufenrunden drehten. „Wir haben’s grün hier, und wir haben Sonne“, sagte Klaus Augenthaler nach der Einstandseinheit 2011, „andere müssen dafür in den Süden fahren.“

Rosige Aussichten? Nunja. Die Erinnerung an die letzte Jahreshauptversammlung ist noch frisch, ebenso die Vorgabe, dass künftig Jungspunde aus dem eigenen Haus alles richten sollen. „Aber wir wollten ja auch mit dem Abstieg nix zu tun haben“, erinnert der Trainer an einst ambitioniertere Ziele. Er selbst hatte außerdem schon angemerkt, dass die große Entschlackung des Kaders kein Selbstläufer werde. Und wer daran zweifelte, musste gestern nur den Blick übers Postkartenidyll schweifen lassen. 26 Mann befehligte Augenthaler zum Start. Es fehlten dazu der verletzte Marc Nygaard, dessen Rückkehr derzeit nicht absehbar ist, und Gardar Gunnlaugsson, über den der Trainer witzelte, er käme verspätet mit dem Flieger aus Island: „Der Vulkan ist wieder ausgebrochen.“

Weitere Abgänge deuten sich an

Nach Nahuel Fioretto deutet sich bisher erst ein weiterer Abgang aus der sündhaft teuren Riege der im Sommer verpflichteten Ladenhüter an. Ricardo Villar wird eigentlich nur noch zur Vertragsauflösung zurückerwartet, er steht vor einem Wechsel ins Ausland. So kursiert dieser Tage der Name Ralph Hasenhüttl nicht ganz zu Unrecht unter der Abteilung „Abgang“. Da der Ex-Trainer nämlich am Wochenende in Aalen unterschrieb, ist Haching die Verpflichtung los, Monat für Monat weiter ein Gehalt zu überweisen. In finanziellen Notlagen sind solche Nachrichten durchaus nicht zu verachten.

Natürlich sei ein so aufgeblähtes Personal „nicht optimal“, sagte Augenthaler – zumal er ja die Vorgabe habe, den Talenten im Verein eine Chance zu geben. Gestern gehörten Patrick Ziegler, Markus Schwabl, Jonas Hummels, Michael Hefele, Michael Vitzthum und Valonis Kadrijaj zur Trainingsgruppe, es handelt sich hier teilweise um Nachwuchsspieler, die schon im Sommer getestet wurden. „Da haben sie ihre Chance nicht genutzt, jetzt kriegen sie ihre zweite“, sagte der Coach, „wir können ihnen nur beistehen und helfen.“ Die neuen Hoffnungsträger werden ins winterliche Eiswasser geworfen, um sich erneut zu profilieren. Das Zeitfenster, um im Kreis der Profis Fuß zu fassen, ist winzig. Am Samstag steht ein Test in Augsburg an (17 Uhr), ein zweiter Gegner wird noch gesucht. Nach den zwei Spielen beginnt wieder der Ernstfall Dritte Liga.

Hoffnung macht Augenthaler, dass sich gegen Ende der Hinserie eine Mannschaft herauskristallisiert hat. „Ich habe jetzt eine Elf im Kopf – wenn die sich weiter findet, werden wir eine gute Rückrunde spielen.“ Inwieweit die Jungen dabei eine Rolle spielen, liegt an jedem Einzelnen. Stürmer Kadrijaj ist einer der größten Hoffnungsträger, er unterschrieb gestern einen Vertrag bis 2012. „Der ist eigentlich noch A-Jugendspieler“, sagte Augenthaler, was aber nicht heißen soll, dass er sich verstecken muss: „Ich bin auch als A-Jugendlicher zum FC Bayern gekommen.“

Soll also bloß keiner aufstecken von den Jungen, sollte es anfangs nicht klappen. Oder mal nicht ganz so postkartenidyllisch ausschauen. Derzeit muss die SpVgg nach Ottobrunn ausweichen, weil dort der Rasen beheizt ist. „Aber ich habe früher auch auf Schnee trainieren müssen“, sagte Augenthaler. Und es ist ja nachweislich durchaus was aus ihm geworden.

Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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