+
KSC-Jubel in der Kabine nach dem 3:0 beim FC Schwabing am 7. April 2019. Thomas Branco De Brito ist mit seinen Krücken mittendrin statt nur dabei.

De Brito trotzt seinen Verletzungen

  • vonGuido Verstegen
    schließen

Seinen letzten Pflichtspiel-Einsatz im Trikot des Kirchheimer SC hatte Thomas Branco De Brito am 3. Oktober 2018 in der Bezirksliga-Partie beim FSV Pfaffenhofen (2:3). Inzwischen spielt der KSC – wieder – in der Landesliga, und der 23-Jährige ist trotz vieler Verletzungen ganz nah dran an der Mannschaft. Wie er die Wirren des Corona-Jahres erlebt hat, wie er auf 2021 blickt.

Kirchheim – Gerade einmal drei Partien hat Thomas Branco De Brito in den vergangenen beiden Spielzeiten absolviert – bekanntlich dauert die aktuelle Saison 2019/2021 deutlich länger als geplant. Der Mittelfeldmann des Kirchheimer SC musste viele Rückschläge hinnehmen, in erster Linie setzte ihn ein Achillessehnen-Riss außer Gefecht. Als der erste Corona-Lockdown kam, sah er darin die Chance, in der Zwangspause verstärkt an seinem Comeback zu arbeiten. Einmal mehr lief es nicht nach Wunsch für ihn. „So schnell lässt sich Schiggy aber nicht unterkriegen“, sagt KSC-Spielertrainer Steven Toy über seinen Schützling, „er ist ein wahnsinnig positiver Typ!“

Herr De Brito, seit einer gefühlten Ewigkeit sind Sie nun schon zum Zuschauen verdammt, schuften unermüdlich für Ihre Rückkehr ins Team, mussten einiges an Nackenschlägen einstecken. Wie geht es Ihnen denn gerade?

Mein Ziel war es eigentlich gewesen, in diesem Jahr noch ein Spiel zu bestreiten – daraus ist leider nichts geworden. Aber jetzt fühlt sich mein Knie super an. Ich gehe tatsächlich wieder beschwerdefrei regelmäßig joggen.

Was ist passiert? Und warum sprechen Sie von Ihrem Knie?

Ich wollte unbedingt fit werden, habe viel individuell gearbeitet und konnte im Herbst endlich wieder mit der Mannschaft trainieren. Da habe ich einen Schlag auf den Oberschenkel bekommen, vier Zentimeter über dem Knie hat sich ein großer blauer Fleck gebildet, dann wurde der Oberschenkel taub und das Knie schlabberig. Mary (KSC-Physiotherapeutin Maria Hübner) hat dann Flüssigkeit im Knie festgestellt und damit begonnen, sie raus zu massieren. Es wurde aber einfach nicht besser. Auch zweimal Kernspin brachten keine Aufklärung, und dann hatte ich auch noch Schmerzen in der Hüfte.

Wie ging’s weiter?

Seitdem ich bei Florian Baerend in Vaterstetten in Behandlung bin, geht’s aufwärts. Er ist Physiotherapeut, aber auch Kung-Fu-Großmeister. Er hat mit Bambusstangen auf die entzündeten Stellen geschlagen. Das Gewebe steigt dabei nach oben, und Selbstheilungskräfte erledigen dann den Rest. „Der Körper muss selbst reagieren“, sagt er.

Florian Baerend wendet Ti ta tuina an, eine Behandlungsmethode aus dem Kung Fu – dabei behandelt er erkranktes Gewebe wie Muskeln, Sehnen und Bänder mittels Reibe- Druck- und Klopftechniken. Geht es nach der chinesischen Medizin, sind die meisten Erkrankungen des Bewegungsapparates auf eventuell lange zurückliegende Verletzungen und Überanstrengungen zurückzuführen. Klingt sehr nach dem Fall Thomas Branco De Brito.

Allerdings. Ich muss einfach mehr auf meinen Körper hören und weiß jetzt besser, woran ich arbeiten muss. Ich bin lange genug weg gewesen…

…der 12. Januar 2019 muss der schlimmste Tag in Ihrem Fußballer-Leben gewesen sein. Damals riss Ihnen im ersten Training nach der Weihnachtspause beim Socca Five in Heimstetten die Achillessehne – nur eine knappe Viertelstunde zuvor hatte sich ihr Teamkollege Luis Tasci einen Kreuzbandriss zugezogen, wie er verletzten Sie sich ohne jede gegnerische Einwirkung.

Es war mal wieder einiges zusammen gekommen bei mir: Nach einem Innenband-Anriss hatte ich schon länger Defizite in der Beweglichkeit gehabt – und dann das!

Sie sind anschließend trotzdem mit der Mannschaft im Februar ins Trainingslager gefahren, auch Anfang dieses Jahres waren Sie am Start, als sich der Kader im kroatischen Rovinj auf die Restrunde vorbereitete.

Das war jedes Mal super – weil mit David Schittenhelm eben auch ein super Osteopath mit dabei war, der mir wahnsinnig viel geholfen hat. Ich muss zugeben, dass ich immer wieder zu viel gemacht habe, die Belastung gerne auch mal unterschätze. Steven musste mich da manchmal einbremsen – aber ich wollte eben unbedingt so schnell wie möglich fit werden.

Die Reha lief Anfang 2020 ausnehmend gut für Sie. Dann kam im Frühjahr der erste Corona-Lockdown, Liga und Training standen still. Wie haben Sie das empfunden?

Ich dachte tatsächlich, dass das für mich persönlich gar nicht mal so schlecht ist: Die Zwangspause verschaffte mir mehr Luft – und die Chancen, in diesem Jahr noch einmal aufzulaufen, stiegen so ja deutlich an. Klar, als sich das Ganze dann hinzog und ich so lange nicht bei der Mannschaft sein konnte, sah das schon anders aus.

Ein Tief?

Ja, schon … im Juni/Juli etwa. Ich fühlte mich an die Zeit unmittelbar nach dem Achillessehnen-Riss erinnert – da war ich einen Monat lang komplett im Loch. Meine Eltern mussten mich überall hinfahren, und es war nach der OP echt mühsam mit diesem Schuh – und es gab damals jede Menge Schnee. Es tat mir gut, dass sich meine Mannschaftskameraden ständig gemeldet und mir ihre Hilfe angeboten haben. In Kirchheim spiele ich eben mit meinen Freunden zusammen, es ist super familiär da.

Wer steht Ihnen denn besonders nah in der Mannschaft?

Marco Flohrs, Luca Eckerl und Noel Pfeiffer haben mir viel geholfen, und mit Ricardo Jacobi telefoniere ich fast täglich. Wir reden viel, da besteht ein sehr enger Kontakt.

Was hat Sie denn im Sommer am meisten bedrückt?

Es macht dich auf Dauer einfach kaputt, wenn du der Mannschaft nicht aktiv helfen kannst. Und dann hab‘ ich nach der Corona-Zwangspause auch nicht mit den Jungs trainiert, weil da die Gruppen genau eingeteilt waren und wir auch kein Risiko eingehen wollten.

Sie sind immer da, wenn das Team spielt – beim wichtigen 2:1-Heimsieg gegen die SpVgg Landshut sind Sie voll abgegangen…

Da hatte ich am nächsten Tag tatsächlich keine Stimme mehr. Gegen Landshut haben wir wieder einmal bewiesen, dass wir vielleicht nicht die besten Spieler haben, aber auf jeden Fall ein tolles Team sind, in dem jeder für den anderen da ist. Kaan Aygün vom VfB Hallbergmoos – wir kennen uns schon lange – meinte mal, es sei die Hölle gegen uns zu spielen (lacht). Ich bin hundertprozentig sicher, dass wir die Liga halten und bestimmt noch den einen oder anderen spielerisch besseren Gegner ärgern.

Was nehmen Sie an persönlichen Erkenntnissen aus diesem Corona-Jahr mit?

Dass ich manchmal übermotiviert bin. Dass es mich mental kaputt machen kann, wenn es nicht voran geht oder ich nicht weiß, warum genau ich diese oder jene Schmerzen habe. Inzwischen kenne ich meinen Körper schon wesentlich besser, suche auch gezielt mein Gleichgewicht. Die Nähe zu meinen Mannschaftskameraden hat mir sehr gefehlt in der Corona-Zwangspause. Und jetzt müssen wir da wieder irgendwie durch.


Auch beruflich hat sich bei Ihnen in diesem Jahr ein bisschen was getan.

Ja, ich habe meine Ausbildung als Speditionskaufmann abgeschlossen und arbeite jetzt als Vertriebsassistent für eine große Leasingfirma.

Ihre Ziele für 2021?

Endlich wieder Fußball spielen, endlich wieder für den KSC auf dem Platz stehen – egal auf welcher Position. Verletzungsfrei bleiben und natürlich den Klassenerhalt feiern! Ein ruhigeres und Corona-freies Jahr erleben, beruflich weiter entwickeln.


Das Gespräch führte
Guido Verstegen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare