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Peter Schmöller macht den Adler: Der KSC-Angreifer Yin Yoga folgt auf der heimischen Gymnastikmatte den Anweisungen von Nina Toy.

Landesliga-Fußballer steigen wieder ins Training ein

Kirchheimer SC schwitzt beim Yin Yoga

  • vonGuido Verstegen
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Noch weiß keiner, wann es im Amateurfußball nach dem Corona-Lockdown wieder um Punkte geht, doch bei Landesligist Kirchheimer SC möchten sie gewappnet sein, wenn es so weit ist. Spielertrainer Steven Toy hofft, dass seine Schützlinge „in der verlängerten Winterpause“ den Kopf freibekommen haben und sich nun voll motiviert dem Trainingsplan widmen. Und auf dem steht erstmals auch Yin Yoga.

Kirchheim– Nicht, dass sie die ganze Zeit nur gefaulenzt und die Füße hochgelegt hätten, aber seit einer Woche und knapp vier Monate nach ihrem letzten Auftritt beim 2:2 im Ligapokal gegen den VfB Hallbergmoos bereiten sich die Spieler des Kirchheimer SC wieder ernsthaft auf den neuerlichen Re-Start in der Landesliga vor. „Ich glaube schon, dass sich die Jungs individuell fit gehalten haben, jetzt hat eben jeder sein Pensum, und wir tracken auch alles ganz genau“, sagt Steven Toy über das knackige Programm bestehend aus Stabilitätstraining, Intervall- und Ausdauerläufen. Erstmals auf dem Plan: Yin Yoga. „Das ist ein ruhiger, passiver Yoga-Stil, bei dem die Übungen drei bis fünf Minuten lang gehalten werden“, erklärt Nina Toy. Die Schwester von Kirchheims Spielertrainer arbeitet als Eventmanagerin, hat im September vergangenen Jahres ihre Yogalehrer-Ausbildung abgeschlossen und widmete sich am Donnerstag via Zoom dem Tross der KSC-Spieler, für die das in dieser Form absolutes Neuland war.

„Die Situation war natürlich eine andere, als ich sie sonst kenne – normalerweise kommen die Leute ja freiwillig zu mir“, sagt die 34-Jährige und lacht. Bei den insgesamt sechs Übungen wurden die Faszien mit Hilfe der Schwerkraft gedehnt: So können muskuläre Verspannungen gelöst werden, es entsteht mehr Bewegungsfreiheit.

Nina Toy: „Fußballer sind ja grundsätzlich ziemlich verkürzt in ihren Muskelsträngen. Auf diese Weise werden sie flexibler, das Risiko einer Verletzung sinkt. Und es geht um Stressabbau und Runterkommen.“ Letzteres schien für die KSC-Spieler sogar noch anstrengender zu sein als die Übungen selbst: „Bei sich zu sein, ganz still und ruhig, ohne sich zu bewegen in einer Position, mit der Konzentration auf die eigene Atmung fiel ihnen schwer, aber sie haben das relativ gut gemacht.“

Dass Yin Yoga jetzt zu einem festen Bestandteil der Vorbereitung wird, bezweifelt Nina Toy: „Wichtig wäre es schon, und es ist ja auch eine schöne Abwechslung. Wir haben noch nicht konkret darüber gesprochen, aber Steven hat schon gemeint, wenn das Training wieder richtig anzieht, wird keine Zeit mehr dafür sein…“ Einzig Ricardo Jacobi (Meniskus-Operation) ist derzeit bei den Kirchheimern noch außen vor. Auch KSC-Neuzugang Manuel Bittlmayer war bei der Yoga-Einheit dabei, ebenso wie der Langzeit-Verletzte Thomas Branco De Brito und Markus Magdolen. „Ob meine Schulter nach den zwei schweren Verletzungen noch mal Wettkampf-Bedingungen standhält, werden die ersten Einheiten auf dem Fußballplatz zeigen. Grundsätzlich bin ich aber voll rehabilitiert“, sagt der Torwart, der mit KSC-Physiotherapeutin Maria Hübner fleißig Reha betrieben hat. „Die lange Pause kommt mir diesbezüglich sehr entgegen.“ Den Ausflug zum Yin Yoga hat der 31-Jährige genossen: „Ich fand es klasse, um den Kopf freizubekommen und beweglicher zu werden. Und es war im Gegensatz zum normalen Yoga weniger anstrengend.“

Spielertrainer Steven Toy zieht jetzt die Zügel wieder an, hat den neuerlichen Punktspiel-Start am 10. April mit dem Auswärtsspiel beim FC Unterföhring fest im Visier, auch wenn er nicht genau weiß, ob das so hinhaut: „Anfang März wird es ja wieder Neuigkeiten geben, vielleicht sind wir dann ein bisschen schlauer. Die Jungs wissen, dass es wieder Ernst wird, und sie freuen sich auch schon.“

Noch ist der Kirchheimer SC als Tabellen-Zehnter bei fünf Punkten Abstand auf Relegationsrang 14 nicht aller Abstiegssorgen ledig, die Mannschaft hat aber bei noch sechs ausstehenden Spielen alles selbst in der Hand. Steven Toy: „Insgesamt war diese zweite Corona-Zwangspause psychisch nicht so belastend wie die im Sommer, für uns war es bis auf die gestrichenen Pokalspiele ja eher eine verlängerte Winterpause.“

Dass es mit einer „neuen Normalität“ womöglich noch eine Weile dauert, zeigt auch der Fall Samuel Kaltenhauser. Der Student (Masterstudiengang Management and Technology an der TU München) wollte ursprünglich am 24. Januar in sein Auslandssemester in Kopenhagen starten, die dänischen Corona-Einreisebeschränkungen machten dem 24-Jährigen einen dicken Strich durch die Rechnung: „Studium ist kein triftiger Grund für die Einreise. Jetzt geht eben erst einmal alles nur online, und ich muss hoffen, dass sich an der Regelung möglichst bald etwas ändert.“

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