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„Sportlich war das Jahr eine Katastrophe“, sagt Ludwig Trifellner, Sportlicher Leiter des Fußball-Regionalligisten VfR Garching.

Dürfen Geimpfte gegen Nicht-Geimpfte spielen?

  • vonNico Bauer
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Im Interview sieht Ludwig Trifellner, Sportlicher Leiter des VfR Garching, dem Frühjahr skeptisch entgegen.

Garching – Es war ein schlimmes Jahr und der VfR Garching hat nichts ausgelassen – von einem halben Mannschaftswechsel bis zur Corona-Quarantäne. Nur Fußball wurde dosiert gespielt mit zwei Regionalliga-Spielen und zwei Ligapokal-Partien in zwölf Monaten. Für den sportlichen Leiter Ludwig Trifellner geht ein Jahr zu Ende, das mit Fußball nicht wirklich etwas zu tun hatte, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät.

Herr Trifellner, in Garching wurde nicht viel Fußball gespielt dieses Jahr. Wie fällt denn ihre Bilanz aus?

Sportlich kann man 2020 eigentlich nicht bewerten. So lange Vorbereitungen hatte ich noch nie mit einer Mannschaft. Wir haben im Januar begonnen, im März ein Spiel gemacht und dann war Sendepause. Von Mitte Juli haben wir bis zu dem ersten Ligapokalspiel im September fast zwei Monate trainiert. Dann waren wir alle 14 Tage in Quarantäne und hatten wieder vier Wochen Pause. Sportlich war das eine Katastrophe. Ich bin jetzt 62 Jahre alt, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.

Sie haben immer wieder den Satz gesagt: ‚Das hat mit Fußball nichts mehr zu tun.‘ Ist das nun auch das Abschlussmotto des Jahres?

Ja. Du konntest als Verein nie etwas planen. Es hieß auch mal, dass wir nie ohne Zuschauer spielen werden. Dann kam die Grenze 200 Zuschauer, die Grenze 50 und am Ende hätten wir ohne Zuschauer spielen können, sollen, müssen. Auch die Trainer hatten keine Chance, mittel- oder gar langfristig planen zu können. Der Trainerstab war dauernd am umplanen und auch die Spieler konnten nie die 100 Prozent erreichen. Die sind aktuell mehr Langstreckenläufer als Fußballspieler.

Und wie geht es weiter?

„Wer es 2021 als Spieler oder Trainer am schnellsten hinbekommt, mental ein gutes Level zu erreichen, der kommt auch sportlich erfolgreich aus der Krise. Und wie sieht Ihre Planung jetzt mitten im Lockdown aus?

Wir müssen mit dem Trainingsstart am 11. Januar planen, denn wir haben nach dem derzeitigen Stand am 6. Februar im Ligapokal unser erstes Pflichtspiel. Vom Verband bekommen wir keine Informationen, also müssen wir so planen.

Der Bayrische Fußvall-Verband macht Mitte Januar seine nächste Sitzung und bespricht dann, wie es weitergehen soll. Man muss sich nur die Infektionszahlen in Bayern und Deutschland anschauen. Fußballspielen am 6. Februar wird schwierig.

Die Politik deutet ja schon an, dass der Lockdown über den 10. Januar verlängert werden dürfte. Und das betrifft dann logischerweise auch den Amateurfußball?

Außer erster, zweiter oder dritter Liga wird nichts spielen. Der Herr Söder (bayerischer Ministerpräsident; die Red.) wird uns keine Ausnahmegenehmigung geben. Ich würde aber, wenn die Jugendlichen wieder in die Schule gehen dürfen, das Nachwuchstraining auch wieder erlauben. Wenn Kinder in die Schule gehen dürfen, dann können sie doch auch am Nachmittag im Freien mit Abstand technische Übungen machen. Im Erwachsenenbereich bin ich sehr skeptisch.

Sie haben schon beim ersten Lockdown gesagt, dass es erst nach der Impfung im Frühjahr 2021 wieder Normalität geben werde. Bisher trifft die Prognose ganz gut zu, Können Sie weiter vorhersagen, dass die Fußballer im April geimpft werden und dann wieder normal gespielt wird?

Leider nein. Ich wäre froh gewesen, nicht Recht gehabt zu haben. Aber ich glaube auch, dass wir im Frühjahr noch nicht viele Spiele ohne Probleme machen können. Diese zehn bis zwölf verbleibenden Ligaspiele wird man wohl hinbekommen und die Saison abschließen. Es wird aber weiter Coronafälle und Unterbrechungen geben. Ich denke nicht, dass die Amateurfußballer bei den Impfungen bevorzugt werden. Dann wäre noch die Frage, ob sich überhaupt alle impfen lassen wollen. Und dürfen dann Geimpfte gegen Nichtgeimpfte spielen? Es sind sehr viele offene Fragen. Ich denke, wir werden die Saison mit Hängen und Würgen abschließen, um dann im Juli oder August etwas Neues beginnen zu können. Dann werden die Zahlen niedriger sein und es kann wieder einigermaßen normal gespielt werden.

Sie haben sieben Punkte Rückstand auf den Vorletzten. Diese neue Saison spielt der VfR Garching wieder in der Bayernliga?

Wir sind ein Regionalligist und werden alles versuchen. Spieler, Trainer und ich sind da viel zu ehrgeizig. Auch unser Kapitän Dennis Niebauer hat mir am Telefon gesagt, dass er noch einiges vorhat. Er ist schon lange dabei und kommuniziert klar, dass wir drinbleiben wollen. Dennis hat ein Ausrufezeichen gesetzt. Und dann muss man sehen, wer in den nächsten Monaten am Besten aus der Corona-Depression herauskommt. Wir wollen den Relegationsplatz erreichen und so den Klassenerhalt schaffen, unser Wunder von Garching…

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