„Auch Mats war in diesem Alter oft verletzt.“

Jonas spricht über den Dortmund-Star

Hummels: „Manchmal werde ich ein bisschen reduziert“

SpVgg Unterhaching – Nach auskuriertem Kreuzbandriss hat es etwas gedauert, bis Jonas Hummels wieder so richtig in Form kam. Mittlerweile hat er aber seinen Stammplatz in der Innenverteidigung der SpVgg Unterhaching wieder zurückerobert.

Und ist nach der Verletzung von Torhüter Stefan Riederer auch wieder Kapitän. Wir sprachen mit dem Bruder von Borussia Dortmunds Nationalspieler Mats Hummels.

Beim Champions-League-Krimi von Borussia Dortmund gegen Malaga (ausführlicher Bericht im überregionalen Sportteil dieser Ausgabe, die Red.) stand Ihr älterer Bruder Mats in den turbulenten Schlussminuten auf dem Feld. Wie ist es für Sie, als „kleiner Bruder“ im Schatten des deutschen Nationalspielers zu stehen?

Mats ist älter als ich und früher in das Geschäft gekommen. Da ist es logisch, dass man mit ihm verglichen wird. Und manchmal vielleicht auch ein bisschen reduziert wird.

Motiviert Sie die steile Karriere von Mats besonders?

Das ist sehr beachtlich und erstaunlich, dass er das so astrein hinbekommen hat. Aber ich habe meine eigene Motivation und meine eigenen Ziele. Unabhängig davon, was mein Bruder geschafft hat.

Ihr Bruder war in dieser Saison zeitweise verletzt, Sie waren es fast die komplette letzte Saison. Gibt es Parallelen in Ihren Karrieren und wie tauscht Ihr Euch aus?

Mats war in diesem Alter auch oft verletzt. Von dem Weg her, war es ähnlich wie bei mir. Aber wir sind aus einem eigenen Holz geschnitzt und reden nicht oft über die Verletzungen. Jeder sollte seinen eigenen Weg finden und das mit sich ausmachen. Jeder hat seine eigenen Abläufe und macht sich seine eigenen Gedanken. Natürlich gibt es da ab und an mal eine kleine Frage oder am Rande ein Tipp.

Wie oft sehen Sie sich?

Letztes Jahr war ich für ein paar Wochen zur Reha in einem Dortmunder Rehazentrum. Während der Saison überschneidet sich das immer. Wenn wir frei haben, dann spielt Mats meist mit der Nationalmannschaft. Wenn er frei hat, habe ich dann oft ein Spiel. Wenn wir uns sehen, dann meist in der Sommer- oder Winterpause. Im Testspiel gegen Augsburg war Mats da, weil er verletzt war und ein paar Tage in die Heimat konnte. Da ist er dann aber auch mit Reha beschäftigt. Man sieht sich selten, aber wir haben regen Kontakt.

Sind Sie im Vergleich zu Ihrem Bruder eher der Spätstarter?

Mit Sicherheit, weil ich auch später besser geworden bin. Ich war ganz lange bei Bayern in der Jugend und habe dort auch nicht immer die größte Rolle gespielt. Ich bin nach Haching gekommen, nachdem ich mit der B-Jugend des FC Bayern Deutscher Meister geworden bin. Erst in Haching war ich aber ein richtiger Teil einer Mannschaft. Ich war Stammspieler, Kapitän und bin mit der Verantwortung gewachsen. Es ist irgendwann ein gewisser Reifeprozess gekommen. Spätstarter kann man demnach schon zu mir sagen, weil der Prozess etwas später stattgefunden hat als bei anderen.

Wie wichtig war Ihr damaliger Schritt von Bayern zur SpVgg Unterhaching?

In Haching kam ich in die zweite A-Jugendmannschaft, das war zunächst genau das richtige. Ich war dort unangefochten Stammspieler. Wenn jemand von Bayern kommt, sollte das eigentlich Normalität sein. Für mich war es das aber nicht, weil ich nicht diesen Rhythmus hatte. Ich habe nie lange Zeit am Stück gespielt und hatte nie richtig das Gefühl, der Mannschaft wichtig zu sein. Das habe ich alles mehr oder weniger in Haching mitbekommen und gelernt.

Wie hat sich Haching in dieser Saison bisher verkauft?

Wenn man ein bisheriges Fazit ziehen würde, dann würde ich sagen, dass wir erstaunlich gut waren. Wir sind Siebter. Wir waren wie letztes Jahr Absteiger Nummer eins. Wir haben den geringsten Etat, die wenigste Erfahrung und sind das jüngste Team nach den zweiten Mannschaften. Von daher finde ich das sehr erstaunlich.

Was ist in dieser Saison noch drin?

Wir hatten zwischenzeitlich eine große Krise, in der wir fünf Spiele nicht gewonnen haben. Wir sollten schauen, dass wir wieder weniger Gegentore kassieren und wieder offensiv selbstbewusst spielen. Dann können wir mit der Saison auch zufrieden sein, wenn wir Sechster oder Siebter werden. Nach oben geht nicht mehr viel, da ist recht viel Abstand.

Wie ärgerlich ist es für Sie, wenn wegen der angespannten Finanzlage die stärksten Spieler Jahr für Jahr verkauft werden müssen?

Wir spielen sehr konzeptionellen Fußball. Das heißt, es sind alle Spieler integriert und es ist keiner von Spielern wie Sascha Bigalke oder Florian Niederlechner (zwei Abgänge der SpVgg während der Saison, die Red.) abhängig gewesen. Mit Abgängen müssen wir leben. Wir haben letztes Jahr mit Patrick Ziegler auch einen wichtigen Spieler verloren und Roland Sternisko ist aktuell schon länger verletzt. Yannic Thiel ist gegangen. Wir haben so viele Abgänge und Zugänge in den letzten Jahren gehabt. Das ist inzwischen Alltag geworden. Daran muss man sich im Fußball gewöhnen.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

Anfang der Saison lautete mein Ziel fit zu bleiben. Das habe ich bisher geschafft. Ich habe einige Spiele von Anfang an gemacht, damit kann ich auch ganz zufrieden sein. Mein Knie hält, ich bin topfit und wieder ganz normal drin. Von daher kann ich sehr zufrieden sein.

Sie haben bei der SpVgg einen Vertrag bis 2014. Was wollen Sie mit Haching erreichen?

Wir sollten wieder schauen, dass wir unseren Spielstil pflegen. Das heißt, wir sind keine Mannschaft, die mit langen Bällen operiert und wir sind physisch auch nicht die beste Mannschaft. Wir werden nicht viele Kopfballtore schießen. Wir sollten taktisch einen stabilen Eindruck machen und sehr diszipliniert spielen. Wenn wir das wieder so durchziehen, werden wir wieder eine gute Rolle spielen. Vielleicht sogar eine größere als dieses Jahr.

Das Gespräch führte Robert M. Frank.

Auch interessant

Kommentare