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Oberleitner: Die Leute schauen mich heute noch an und sagen: „Sie sind doch der mit dem Tor damals gegen Leverkusen.“

Interview vor dem Derby

Oberleitner: „Bayern ist für uns der große Bruder“

Unterhaching – Es ist die Szene, mit der die Fans Markus Oberleitner, 38, immer in Verbindung bringen werden: Das 2:0 des Hachingers gegen Bayer Leverkusen im Mai 2000 sorgte dafür, dass der FC Bayern am letzten Spieltag noch Meister wurde.

Für uns posierte er noch einmal mit seinem Trikot in der Ecke, in die der Ball gesegelt war. Heute arbeitet er als Jugendkoordinator bei den Rot-Blauen – und freut sich besonders auf das Duell Haching gegen den FC Bayern am Dienstag im Sportpark. Er hat für beide Klubs gespielt.

Herr Oberleitner, Sie stehen wie kein Zweiter für eine harmonische Symbiose zwischen Haching und Bayern. Wie sehen Sie das Verhältnis der Nachbarn?

Für uns als Hachinger ist der FC Bayern sowas wie der große Bruder. Wir sind stolz, dass die Bayern jetzt zum Freundschaftsspiel kommen. Unser Ziel muss sein, ihnen ein bisschen nachzueifern. Auf kleinem Niveau freilich, aber ich denke, wir sind da gerade auf einem guten Weg.

Sie persönlich hatten früh Kontakte – einst kickten Sie als kleiner Bub im Garten von Paul Breitner.

Ja, stimmt. Er hatte Töchter in meinen Alter, mit denen haben wir Fußball gespielt. Das sah dann so aus: Die standen im Tor – und ich habe draufgehalten (lacht). Dass ich dann Profi wurde, konnte damals niemand absehen, aber es war hilfreich, in ihm immer einen Ratgeber zu haben.

Ein Jahr lang standen Sie selbst bei Bayern unter Vertrag. Doch es lief nicht.

Ich habe damals vielleicht zu früh das Handtuch geschmissen, bin nach einem halben Jahr zu Düsseldorf und dann wieder zurück zu Haching. Junge Spieler haben es bei Bayern nie leicht, da brauchst du Biss. Das galt damals, und das gilt heute ganz genauso.

Böse waren Sie den Bayern nie – drei Jahre waren Sie ihr Meistermacher.

Die Leute schauen mich heute noch an und sagen: „Sie sind doch der mit dem Tor damals gegen Leverkusen.“ Ich habe ja auch nicht viele Tore gemacht, es wird oft in Rückblicken gezeigt. Ich denke, es hat Haching nicht geschadet.

Was erwarten Sie denn von Bayern diese Saison?

Sie werden unter Druck stehen – aber das sind sie gewohnt. Ich denke, sie stehen vor einer absolut rosigen Zukunft. Der eine oder andere Megatransfer sollte vielleicht noch gemacht werden, aber dann stehen sie auf Jahre hinaus wieder oben.

Trotz Dortmund?

Trotz Dortmund. Beim BVB ist sicherlich etwas gewachsen. Aber der FC Bayern kann es sich nicht leisten, auf längere Zeit hinter Dortmund die zweite Geige zu spielen.

Wie sind Ihre Erinnerungen an die Duelle mit Haching gegen Bayern?

Jedes Spiel gegen Bayern ist ein Highlight. Du trittst gegen einen absoluten Weltverein an, da ist das vorrangige Ziel, nicht abgeschossen zu werden. Uns ist das damals gut geglückt, in der zweiten Saison haben wir zuhause sogar gegen sie mit 1:0 gewonnen.

Der neue Haching-Präsident Manfred Schwabl hat Sie nun wieder integriert. Wie kam es dazu?

Ich war mit Manni seit über einem Jahr im Gespräch, was man im Jugendbereich bewegen könnte. Die Talente in den Teams U 11 bis U 13 sind jetzt mein Hauptgebiet. Drei Personen sollen die Übersicht haben: Hans Reitinger bei der U 14 bis U 19, Schwabl ab der U 19 bis zu den Profis. Unser Präsident stellt da ein Kompetenzteam zusammen, wir werden ihm loyal zuarbeiten. Strategie und Konzept sehen so aus, dass die Einstellung eines U-11-Trainers genauso wichtig ist wie ein Transfer bei den Profis. Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber die Wahrheit ist doch, dass dieser U-11-Trainer für die Zukunft eine viel bedeutendere Rolle hat als ein einzelner Transfer.

Sie sind Teil der Strategie, Haching mit alten Kräften neu zu beleben. Was sind Ihre Ziele?

Wir wollen ein bodenständiger, regionaler Verein sein. Da muss man den Fans auch erst wieder Glaubwürdigkeit vermitteln. Die Außendarstellung war einfach nicht gut in den vergangenen Jahren. Selbst Freunde von mir haben gesagt: „Mein Gott, was ist da in Haching los? Da geht es ja drunter und drüber, da stimmt es hinten und vorne nicht.“ Wir müssen jetzt daran arbeiten, die Leute aus dem Umland davon zu überzeugen, dass es sich rentiert, wieder ins Stadion zu pilgern.

Was macht Sie optimistisch für die Zukunft?

Dass wir eine einheitliche sportliche Linie fahren. Wir haben ein durchlässiges Konzept mit einem „Obama“, sage ich mal, in Manni Schwabl und loyalen Zuarbeitern.

Wie wird die Jugendarbeit neu strukturiert?

Es soll ab sofort noch leistungsorientierter gearbeitet werden. Zum Beispiel haben wir die A 2 abgeschafft. Da ist jetzt der Trichter, um zu den Profis aufzurücken, enger – aber entsprechend die Ausbildung eben gezielter. Das Leistungsprinzip rückt mehr in den Vordergrund. Natürlich wird aber auch weiterhin jedes Unterhachinger Kind einen Platz im Verein haben.

Was ist möglich mit diesem neuen Haching?

Ich sehe Parallelen zu 1994, als ich damals als Spieler zu diesem Verein gestoßen bin. Damals hatten wir auch wenig Geld, es wurde auf Spieler aus der Region gesetzt. Lorenz Köstner war ein genialer Trainer, und dann ging es plötzlich aufwärts – bis in die Erste Liga. Davon zu träumen, wäre jetzt natürlich Quatsch. Aber die Situation ist sicher vergleichbar. Und das schürt doch Optimismus. Interview: Andreas Werner

Quelle: fussball-vorort.de

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