Paul Breitner, Weltmeister von 1974, mit Schirm und Zigarre bei der Mannschaftsbesprechung beim Merkur CUP 1999 als Trainer der E-Jugend des TSV Brunnthal
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Mannschaftsbesprechung: Brunnthals Trainer Paul Breitner beim Merkur CUP 1999. Repro: Weinzierl

25 Merkur CUP - Die besondere Geschichte zum Jubiläum

Als Paul Breitner mit Zigarre unterm Regenschirm die Brunnthaler E-Jugend coacht

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Landkreis – 1995 wurde der Merkur Cup zum ersten Mal ausgespielt, 1995 begann auch der Autor dieser Zeilen den Großteil seines Lebensunterhalts mit Sportberichterstattung, vorrangig für den Münchner Merkur, zu verdienen. Das renommierte E-Jugendturnier hatte also stets seinen festen Platz im Kalender. Unter all diesen Terminen ist dem Reporter der 12. Mai 1999 am nachdrücklichsten in Erinnerung geblieben.

Der Hauptgrund dafür heißt Paul Breitner. An jenem späten Mittwochnachmittag vor Christi Himmelfahrt führte der einstige Top-Star des FC Bayern und Weltmeister von 1974 die E-Junioren des TSV Brunnthal als Trainer aufs Feld des Grünwalder Freizeitparks. Gegner in der Vorrundengruppe 3 waren Gastgeber TSV Grünwald, die DJK Taufkirchen und der TSV Hohenbrunn.

Ob seine zehn Schützlinge überhaupt wussten, auf welch geballte Kompetenz an der Seitenlinie sie da bauen konnten? Viel hätte ja nicht gefehlt, und Breitner wäre im Mai 1999 für die deutsche Nationalmannschaft statt für die Brunnthaler E-Jugend verantwortlich gewesen. Schließlich hatte ihm im September 1998 der damalige DFB-Präsident Egidius Braun telefonisch das Amt des Bundestrainers als Nachfolger von Berti Vogts angeboten. Wenige Stunden später machte Braun einen Rückzieher, manche Quellen behaupten, weil Breitner ihn und den DFB kritisiert hatte, manche meinen, weil er über das von Braun als vertraulich empfundene Telefonat kein Stillschweigen bewahrt habe.

Jedenfalls coachte der so diskussionsfreudige und meinungsstarke Breitner weiterhin die Brunnthaler Buben. Und blieb dem Reporter nicht aufgrund seines Prominentenstatus im Gedächtnis, sondern, weil er dies mit einer Gelassenheit und Geduld tat, die so gar nicht der Erwartung an einen Ex-Weltmeister entsprach. Übertriebener Ehrgeiz? Fehlanzeige. „Für uns zählt nur der Spaß, nicht das Ergebnis“, stellte Deutschlands Fußballer des Jahres 1980 gleich mal klar. Nach dem 0:7 gegen Grünwald versammelte Breitner seine Kicker um sich, in der linken Hand den Regenschirm, denn es goss wie aus Kübeln, in der rechten die Zigarre. Ein heute undenkbarer Anblick. Aber die aufmunternden Worte nach der hohen Niederlage, sinngemäß fiel der Satz „Des macht gar nix, Buam“, wirkten. Gegen Hohenbrunn gab es ein 0:0. Schon in der Pause jubelten die Brunnthaler über den Punktgewinn. Da musste Breitner mit seiner Kompetenz allerdings korrigierend einschreiten und erklären, dass noch eine Halbzeit zu spielen sei. „Wir sind halt noch bei den Grundbegriffen“, erklärte er dem Reporter augenzwinkernd. Weil die null auch am Ende der Partie stand und die Niederlage im letzten Spiel etwas weniger hoch ausfiel als jene der Hohenbrunner, durften sich seine Spieler immerhin über den dritten Platz freuen. Und das taten sie auch. Spaß hatten Breitner und seine Brunnthaler Buben allemal.

Für den Berichterstatter war es teilweise etwas weniger spaßig. Das lag am bereits erwähnten Regen sowie dem Umstand, dass damals noch alle Torschützen in der Reihenfolge zu erfassen waren. Bei den parallel laufenden Partien Grünwald gegen Brunnthal und Taufkirchen gegen Hohenbrunn spielten die Favoriten aber jeweils aufs gegenüberliegende Gehäuse. Der Reporter raste also 20 Minuten lang durch den Regen hin und her, bis alle Schützen der gut verteilten 19 Treffer korrekt zusammengetragen waren. Gut, dass die Statistik heute nicht mehr so gründlich erfasst wird. Das hilft zum einen den Journalisten, aber auch manch kickendem Pechvogel. Bei der Archiv-Recherche zu diesem Text fiel auf: Im entscheidenden Spiel um den Vorrundensieg zwischen Grünwald und Taufkirchen (3:2) wurde beim 1:0 für die siegreichen Gastgeber doch glatt ein Eigentorschütze angegeben. Das wirkt nach gut 20 Jahren genauso anachronistisch wie Breitners Zigarre.

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