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Hält die Spieler zurzeit eher fähig einen Halbmarathon zu laufen, als ein Fußballspiel zu absolvieren: Ludwig Trifellner, Sportlicher Leiter des Regionalligisten VfR Garching. 

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Regionalliga-Saison wird fortgesetzt: Erleichterung in Garching und Heimstetten

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Der SV Heimstetten und der VfR Garching haben erleichtert auf die Entscheidung des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) reagiert, die wegen der Corona-Krise unterbrochene Spielzeit in der Regionalliga fortzusetzen.

VOn PATRIK STÄBLER
UND NICO BAUER

Heimstetten/Garching – Beide Klubs hatten sich bei einer Abstimmung gegen einen Saisonabbruch ausgesprochen – so wie sieben weitere Vereine. Fünf Regionalligisten enthielten sich, vier votierten für einen Abbruch. Dieses Ergebnis bezeichnete der BFV-Vorstand als Grundlage für seine Entscheidung, die Saison fortzusetzen.

Dies wird indes nicht vor September geschehen, da der Spielbetrieb bis dahin ausgesetzt ist. Überdies hat sich der Verband schon vor Wochen gegen Geisterspiele ausgesprochen, weshalb der Ball womöglich erst deutlich später rollen wird. Der nun getroffene Beschluss sei „maximal flexibel mit Blick auf die Corona-Pandemie“, heißt es in einem Informationspapier mit drei Szenarien, das der BFV den Vereinen vor der Abstimmung zugeschickt hatte. „Zwingend benötigt werden nur elf Spieltermine für Punktspiele, zwei Spieltermine für Nachholspiele und die Relegationstermine.“

Dem BFV-Schreiben zufolge soll die laufende Saison möglichst in zwei ähnlichen langen Zeitfenstern vor und nach der Winterpause fertig gespielt werden. In der Folge sind Playoffs mit den besten vier Teams zur Ermittlung des Meisters angedacht; dazu soll es parallel zum Ligabetrieb einen Ligapokal mit Vor-, Zwischen- und Finalrunde geben – auch, um einen allzu langen Leerlauf bis zum Saisonstart 2021/22 zu vermeiden. Die Spielzeit 2020/21 würde demnach komplett gestrichen. Mit diesem Modell strebt die Regionalliga Bayern einen Sonderweg an, nachdem die anderen vier Regionalligen ihre Saison abgebrochen haben oder kurz davor stehen. Dass der BFV dies stets abgelehnt hat, ist bekannt. Schon Mitte April hatte sich der Verband dafür stark gemacht, die laufende Saison von der Bayernliga abwärts ab September fortsetzen – ein Vorschlag, den die Mehrheit der Vereine befürwortete.

Anders schien die Situation in der Regionalliga zu sein, wo sich bei einer ligainternen Abstimmung vor gut einem Monat eine Mehrheit der Klubs für einen Saisonabbruch aussprach. Auch der SV Heimstetten wollte noch bis vor Kurzem diesen Weg gehen, sagt Abteilungsleiter Stephan Rehme. Zwei Tage vor der Abstimmung habe der Verein ein Positionspapier an den BFV geschickt und für einen Abbruch plädiert. Zugleich habe man aber angekündigt, für eine Saisonfortsetzung zu votieren, sollte der eigene Vorschlag keine Mehrheit finden, sagt Rehme. Und genau das habe man dann auch getan.

Ebenso für eine Fortsetzung gestimmt hat der VfR Garching. Für dessen Sportlichen Leiter Ludwig Trifellner ist dies der richtige Weg, weil niemand weiß, wie es in den nächsten Monaten wirklich weitergeht. „Wenn wir jetzt abbrechen und eine neue Saison Anfang September nicht starten kann, dann sind zwei Spielzeiten kaputt“, sagt der Garchinger Funktionär. Trifellner hat durch die Fortsetzung der Saison auch einen Kader, auf den er sich verlassen kann. Der Großteil der bisherigen Mannschaft hat dem Verein zugesagt, die Runde in Garching zu Ende zu spielen. „Im Falle einer neuen Saison ab September müssten wir eine komplette Mannschaft mit unseren sehr geringen Finanzmitteln aufbauen“, sagt Trifellner. Deshalb ist die Aussicht, als Tabellenletzter bei einem Saisonabbruch dem Abstieg zu entgehen, ist für ihn kein Vorteil.

Garchings Sportlicher Leiter betont aber auch, dass die Mannschaften vor einem Saisonstart ausreichend Zeit bekommen müssen, um wieder in Tritt zu kommen. Ein Kaltstart ohne eine größere Zahl an Freundschaftsspielen vor dem Liga-Comeback wäre ein Gesundheitsrisiko für alle. „Die Jungs sind in den letzten Monaten alle nur gelaufen“, sagt Trifellner, „die können in der aktuellen Verfassung jeden Halbmarathon gewinnen, aber kein Fußballspiel bestreiten.“

Dass es ausreichend Vorbereitung vor der Rückkehr in den Ligabetrieb brauche, sagt auch Heimstettens Trainer Christoph Schmitt. Er hätte sich freilich eine andere Lösung erhofft: „Wir haben sehr stark gehofft, dass die Saison abgebrochen wird“, sagt der Coach. Zugleich sei er nun aber „erleichtert, weil feststeht, wie’s weitergeht.“ Jedoch rechnet Schmitt damit, „dass es noch viel Unfrieden geben wird“ – nicht nur in der Regionalliga, sondern auch in den tieferen Spielklassen. „Da haben viele für eine Fortsetzung gestimmt, weil sie dachten, dass die Saison bis Weihnachten fertig gespielt wird, und dann im neuen Jahr eine verkürzte Saison folgt“, sagt der SVH-Trainer.

Nun zeichne sich aber ab, dass dies „ein Irrglaube“ war, „und das wird sicher zu Konflikten führen“, glaubt Schmitt.

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