Ein Sieg der Moral

- Die graue Maus hat Charakter gezeigt. Auf das peinliche 2:3 in Germering antwortete der FC Neufahrn spät, aber massiv: Nach 0:2 und 1:3 schaffte man mit zehn Mann in einem verrückten Fußballspiel noch die Wende und siegte 4:3 gegen den SC Kirchanschöring.

Die Zu-Null-Spiele gegen die Spitzenmannschaften Heimstetten und Pullach scheinen doch nur Ausrutscher gewesen zu sein. Auch am letzten Vorrundenspieltag ließ sich die Deckung des FCN viel zu leicht aushebeln. Die Gäste nutzten dies schon früh. Nachdem Obermayer den Pfosten getroffen hatte, staubte Keskic zum 0:1 (6.) ab. Auf 0:2 erhöhte Bernhard Brüderl mit einem indirekten Freistoß. Die Tore waren auch so ziemlich die einzigen Chancen der Gäste, doch bei der hohen Trefferquote hielt Neufahrn mit. Wie aus dem Nichts traf Erhan Masat zum 1:2 aus der Distanz nach einer Drehung um die eigene Achse.

Doch der Kick wurde erst richtig verrückt, als Kirchanschöring zum zweiten Mal dachte, die Vorentscheidung besorgt zu haben. Habl schickte Brüderl, und der ließ es klingeln, während der FCN-Anhang eifrig Abseits reklamierte. Der oftmals konfuse und viel Hektik ins Spiel bringende Schiedsrichter Gerhard Kirchbichler sah sich nicht nur in dieser Szene einer wütenden Tribüne gegenüber.

Nach diesem 1:3 wechselte sich Spielertrainer Christian Radlmaier ein, und plötzlich ging die Post ab wie noch nie in dieser Saison. Angetrieben von Röhrl, Eckardt und einem sehr guten Michi Hobmeier rollte ein Angriff nach dem anderen auf das Tor der Gäste, die nicht mehr gegenhalten konnten. Nachdem Hobmeier zuerst einen Flugkopfball ein paar Zentimeter zu hoch angesetzt hatte, setzte er mit einem Zuckerpass Radlmaier in Szene, und dieser machte den schnellen Anschluss (57.). Drei Minuten später verhinderte Kirchanschörings Keeper Josef Thanbichler mit einer großen Parade nach Hobmeier-Schuss noch den Ausgleich.

Den Erfolg des FCN gefährdete am meisten Christian Kübelbäck, der für völlig sinnloses Ballwegschlagen Gelb-Rot sah. Doch Neufahrn kämpfte den Gegner auch mit einem Mann weniger gnadenlos nieder.

Stifti Eckardt wurde dann zur zentralen Figur. Erst scheiterte er mit einem Volleyknaller am überragenden Gäste-Keeper (72.), doch drei Minuten später drückte er eine Flanke Röhrls über die Linie. Das endgültige Happy-End blieb dem eingewechselten Andi Ernst vorenthalten. Nach einer 66-minütigen Germering-Denkpause überlistete er den Torwart mit einem trickreichen Freistoß von halblinker Seite ins lange Eck zum 4:3 (86.). Sicher war bei der furiosen Aufholjagd bei einem eigentlich verlorenen Spiel eine Portion Glück dabei, aber dieses hat man sich hart erarbeit. Der FC Neufahrn zeigt Charakter.

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