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Fußball

„Das System fällt uns jetzt auf die Füße“

  • vonChristian Amberg
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Haching-Boss Schwabl äußert sich in einer Video-Schalte über die Lage der SpVgg Unterhaching und der 3.Liga.

Unterhaching – Fragen gibt es stets jede Menge im Profifußball, mit Manfred Schwabl kann man sie immer diskutieren. Der Präsident der SpVgg Unterhaching nimmt sich gerne Zeit. Typisch wäre da bei herrlichem Frühlingswetter ein Gespräch im inzwischen klubeigenen Biergarten im Sportpark. „Bei einem stillen Wasser“, wie der Vereins-Boss gerne scherzt. Fragen gibt es auch in diesen Tagen mehr als genug, doch die Antworten muss Schwabl aus seinem Büro heraus geben. Per Videoschalte äußerte er sich gestern ausführlich zu aktuellen Themen. So unter anderem...

...über das Thema Kurzarbeit bei der SpVgg: Für die Profis schließt Schwabl das wie schon in den letzten Wochen weiterhin kategorisch aus. Auch für die übrigen der insgesamt 80 Angestellten wie Geschäftsstellen- und Gastronomie-Mitarbeiter sowie Jugendtrainer ist das Thema zumindest für den April vom Tisch. Dazu beigetragen hat auch ein Gehaltsverzicht aller festangestellten Mitarbeiter des Vereins, darunter auch die Profis, von 25 Prozent. Außerdem verzichtet der Aufsichtsrat in diesem Jahr komplett auf seine Aufwandsentschädigung. „Außergewöhnlich“, sagt Schwabl über die Einigkeit, die im Klub herrscht: „Ich bin stolz, so einem Verein vorzustehen. Das ist charakterlich sehr gut und wichtiger, als wenn einer mal hinters Tor flankt oder einen Zweikampf verliert.“ Zwischen 75.000 und 100.000 Euro spart sich die SpVgg durch den Gehaltsverzicht ein.

Dazu Manni Schwabl: „Wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, diesen Weg gemeinsam zu gehen und keine Kurzarbeit zu beantragen. Wir sind der Meinung, dass der Staat gerade wichtigere und größere Aufgaben hat, als einem Profifußballverein unter die Arme zu greifen. Da sollten jetzt andere Branchen den Vortritt haben. Ich ziehe meinen Hut davor, dass alle Spieler und Mitarbeiter dieser Reduzierung freiwillig zugestimmt haben. Besonders freut es mich, dass die Idee von der Mannschaft kam. Insbesondere deshalb bin ich wirklich sehr stolz, Präsident dieses außergewöhnlichen Vereins zu sein.“

...über das geschlossene Wirtshaus und die Aktionstage, an denen Speisen zum Abholen angeboten wurden: „Das wurde sehr gut angenommen und soll auch ein Service für viele Stammkunden sein.“ Rund 200 Essen pro Tag wurden bei den bisher drei Aktionen verkauft. „Wir wollen das aber auch nicht ständig machen“, sagt Schwabl, „weil wir anderen Lokalen nicht dauernd das Geschäft wegnehmen wollen, auch daran sollte man in diesen Zeiten denken.“

...über Fortsetzung oder Abbruch der Dritten Liga: Während die für Erste und Zweite Liga zuständige DFL eine einheitliche Meinung kommuniziert, „wirkt die Dritte Liga zerrissen“, gibt Schwabl zu. Erstmals bezog er nun deutlich Stellung, welches Modell die SpVgg bevorzugt: „Wir sollten alles versuchen, dass die Saison zu Ende gespielt wird – natürlich immer unter den gesundheitlichen Vorgaben, das versteht sich von selbst.“ Auch die dann massenhaft nötigen Tests auf das Corona-Virus bei den Mannschaften müssten zur Verfügung stehen, „zu Lasten anderer darf das nicht gehen“, man dürfe keinem anderen „Tests wegnehmen“. Aber: „Die Austragung des sportlichen Wettbewerbs muss das Ziel sein, wenn man eine ehrliche Tabelle haben will“, unterstreicht Schwabl. Das sähen die „fünf bayerischen und die meisten Vereine“ inzwischen so.

...über die finanziellen Probleme vieler Drittligisten: Ein Dauerthema, bei dem Schwabl einmal mehr die unzureichenden Rahmenbedingungen der Liga scharf kritisiert. „Das System und die finanzielle Ausstattung fallen uns jetzt auf die Füße. Das ist genau das Thema, das ich permanent aufs Tablett bringe.“ Für Hachings Präsident steht und fällt die Zukunft der dritten deutschen Profiliga, die er in der jetzigen Form „wie ein Meniskus zwischen Profi- und Amateurbereich hängen“ sieht, mit mehr Anreiz zur Förderung von Nachwuchsspielern: „Ich hoffe, dass endlich alle lernen, dass der Nachwuchs in den Vordergrund treten muss. Damit hat man weniger Gehaltskosten, weniger Spielerwanderungen, dadurch mehr Identifikation mit den Vereinen.“ Zwingend notwendig sei es dafür, „endlich den Fördertopf für die Dritte Liga auszubauen“. Drei Millionen stehen für 20 Klubs zur Verfügung, die daraus Prämien erhalten, wenn sie selbst ausgebildete Spieler einsetzen. „Ein Fördertöpfchen“, sagt Schwabl, dem ganz andere Summen vorschweben: „Da müssen 30 Millionen rein.“

...über den gerade aufgekommenen Vorschlag, über eine zweigleisige Dritte Liga zu diskutieren: „Wenn sich an der Finanzierung nichts ändert, macht das gar keinen Sinn“, so Schwabl, „dann bleibt noch weniger übrig. Die angeblich geringeren Reisekosten fallen dabei fast überhaupt nicht ins Gewicht, die Kosten werden nicht weniger. Eine Spaltung würde das Problem der Dritten Liga noch vergrößern.“

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