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Alles im Griff: Haching kann sich auf die zupackenden Hände von Nico Mantl, 20, verlassen. Foto: Stefan Matzke / Sampics

Von Manfred Schwabl ins Tor getrickst

Auch Dank Nico Mantl stellt Haching die beste Defensive der 3. Liga

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Unterhaching stellt die beste Defensive der Liga. Der 20-Jährige ist eine prägende Säule im Spiel des aktuellen Tabellendritten.

VON ULI KELLNER

Unterhaching – In seinem Umfeld gilt Manni Schwabl als abgezockter Schafkopfspieler – und als ebenso ausgebuffter Fußballfunktionär. Wo andere jammern, packt der Holzkirchner lieber an. Um in der 3. Liga überlebensfähig zu bleiben, machte er seine SpVgg Unterhaching zum Börsenclub, dem erst zweiten in Deutschland nach Borussia Dortmund. Um sich keine teure U 21 leisten zu müssen, ging Schwabl eine Kooperation mit 1860 Rosenheim ein. Und auch in der Torhüterfrage entschied sich Hachings Macher für den vermeintlich schwierigen Weg. Um noch mal das Schafkopfbild aufzugreifen: Er opferte den Eichel-Ober, damit der Eichel-Unter frühzeitig stechen kann.

Der Eichel-Ober, das war im Kartenspiel der Hachinger Lukas Königshofer, 30, Stammkeeper in den beiden Spielzeiten seit dem Aufstieg des Vorstadtclubs. In 43 Drittligaspielen stand der Wiener für Haching zwischen den Pfosten, meist ohne Fehl und Tadel. Womöglich würde Königshofer auch heute noch das Tor der SpVgg hüten – wenn nicht Schwabl gesehen hätte, welches Potenzial er dann blockiert hätte. Jenes von Nico Mantl, dem Eichel-Unter in diesem Vergleich.

Schwabl sah, wie sich der junge Mantl im Schatten von Königshofer entwickelte – und er löste die knifflige Personalentscheidung in für ihn typischer Weise. Die Vertragsverhandlungen mit dem Platzhirsch gestaltete Hachings Präsident so, dass Königshofer gut weggekommen wäre – aber eben nicht ganz so gut wie beim KFC Uerdingen, der ebenfalls ein Angebot auf den Tisch legte. Das Ende vom Lied: Königshofer wechselte, Mantl rückte auf – und alle profitierten davon. Der 20-jährige ist eine prägende Säule im Spiel des aktuellen Tabellendritten.

Herabsetzen der Altersgrenze für Profis?

Blickt man ins Ausland, ist es nicht unüblich, dass Proficlubs auf Teenager zwischen den Pfosten setzen. Gianluigi Donnarumma, Italiens Nummer 1, war gerade mal 16 Jahre und acht Monate, als ihn der AC Mailand zum Stammkeeper beförderte. Ähnlich alt bzw. jung war auch Alban Lafont, als er erstmals für Toulouse in der französischen Ligue 1 auflief. In Deutschland gibt es dagegen eine Diskussion um das Herabsetzen der Altersgrenze für Profis – endlich, denkt sich Schwabl. Er ist schon lange dafür, die Altersgrenze auf 16 Jahre herabzusenken.

Mantl empfand es schon als Ehre, dass er mit 18 Jahren und drei Monaten sein erstes Spiel in der 3. Liga bestreiten durfte. Der Deisenhofener erinnert sich, wie er wegen der späten Anstoßzeit 16 Uhr „auf Kohlen gesessen“ ist: „Einen Tag vorher angereist, dann frühstückst du, gehst noch mal spazieren – dabei willst du nur spielen.“ Mantl hielt gut, obwohl es am Ende 1:2 hieß (in Jena). So gut, dass er in der Saison darauf als Nummer zwei hinter Königshofer gesetzt war.

Nico Mantl auf Augenhöhe mit Christian Früchtl

Parallel dazu rückte Mantl auch ins Blickfeld der deutschen U 20-Auswahl. Zusammen mit Christian Früchtl (20, FC Bayern) bildet er ein Münchner Duo, das es DFB-Trainer Manuel Baum schwer macht. Ein Duell, über das Mantl sagt: „Ich glaube, dass es relativ auf Augenhöhe ist. Es macht richtig Bock im Training, wir pushen uns gegenseitig nach oben.“ Sein erstes Spiel für die U 20 machte Mantl im Oktober gegen die Schweiz (1:0). Spätestens da dürfte sich Schwabl bestärkt gefühlt haben, dass es richtig war, mittelfristig auf die Karte Mantl zu setzen.

Schließlich untermauert Mantl seinen Status als Nummer eins Woche für Woche. Dass Haching die beste Defensive der 3. Liga stellt und bereits zehnmal ohne Gegentor blieb, ist ein Verdienst der ganzen Mannschaft, die in dieser Saison leidenschaftlich verteidigt. Aber natürlich ist es auch Mantls Verdienst, der immer häufiger hymnische Schlagzeilen produziert. Nach dem 3:0-Sieg in Jena sagte Claus Schromm: „Wir hatten ein bisschen Glück – und Nico Mantl.“ Nach der Magerkost beim 1:0 gegen Uerdingen erhielt Mantl die beste „kicker“-Note (eine 1,5) – wie er überhaupt die Rangliste des Fachblatts anführt: Bei 22 Einsätzen hat er 24 Gegentreffer kassiert. Zum Vergleich: Ex-Kollege Königshofer bestritt 23 Partien für den KFC, in denen er 31 Mal hinter sich greifen musste.

Nico Mantl: „Am schönsten wäre es, mit Haching aufzusteigen.“

Für Mantl steht fest, dass es für ihn kaum hätte besser laufen können. „Ich wusste, dass sie hier auf junge Torhüter setzen, aber dass es so früh klappt mit einer Profikarriere, hätte ich nicht gedacht“, sagt er und setzt sich schon die nächsten ehrgeizigen Ziele: „Wenn man nicht das Ziel hat, irgendwann mal Nationalkeeper zu sein, dann weiß ich nicht, ob man richtig ist im Fußball.“ An eine Luftveränderung denkt er nicht: „Ich hab jetzt nicht irgendeinen Verein, wo ich sage: Da möchte ich unbedingt hin. Am schönsten wäre es, mit Haching aufzusteigen.“

Bis 2023 steht Mantl bei der SpVgg Unterhaching unter Vertrag. Eine Laufzeit, die Hachings junger Trumpf im Tor als Auszeichnung begreift („Nicht selbstverständlich“) – und die den Präsidenten ruhig schlafen lässt. Auf die nächste Verhandlung mit einem Torhüter hat Schwabl eigentlich keine Lust – und wenn schon, sagt er, „dann soll es wenigstens richtig in der Kasse scheppern“.

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