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Gerade für Senioren ist Gymnastik extrem wichtig. Die Übungsstunden sind seit Monaten ausgesetzt.

Teil der Lösung, nicht des Problems

  • Patrik Stäbler
    VonPatrik Stäbler
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14 Großvereine fordern die Politik auf, den Breitensport wahrzunehmen, darunter der SV-DJK Taufkirchen.

Landkreis – Zu Jahresbeginn sind die guten Vorsätze des Neujahrstags bei etlichen Menschen noch präsent, was sich direkt auf die Mitgliederzahlen der Sportvereine auswirkt. „Im Januar und Februar haben wir immer viele Neueintritte“, sagt Sebastian Gallus, ehe dTeiler Geschäftsführer des SV-DJK Taufkirchen schnell ein „eigentlich“ hinterherschiebt. Denn in Zeiten der Corona-Pandemie gehört auch diese Gewissheit der Vergangenheit an.

Da infolge des Lockdowns schon seit mehreren Monaten die Hallen geschlossen und die Sportplätze gesperrt sind, hat der SV-DJK zuletzt praktisch gar keine Neumitglieder begrüßen können. Zugleich haben sich die Vereinsaustritte gehäuft, was führte, dass die Mitgliederzahl des SV/DJK in den vergangenen Monaten sukzessive zurückgegangen ist – von fast 3000 auf circa 2700.

Ähnlich ist die Situation beim TSV Haar: Seine Mitgliederzahl ist Beginn der Pandemie von 4000 auf 3500 gesunken. Und was für die Finanzen des Klubs noch schwerer wiegt: Im Lockdown muss der vereinseigene „Racket Park“ geschlossen bleiben. „Da brechen uns wichtige Einnahmen weg“, sagt TSV-Geschäftsführer Ralf-Ulrich Machwirth. „Die Platzvermietungen im Racket Park machen bis zu 40 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus.“

Mit ihren Sorgen sind der SV-DJK Taufkirchen und der TSV Haar keineswegs allein. Die beiden Landkreis-Klubs haben sich nun mit zwölf weiteren Großsportvereinen aus ganz Bayern in einem gemeinsamen Positionspapier an die Öffentlichkeit gewandt. Darin stellen sie nicht nur konkrete Forderungen an die Politik (siehe Kasten). Sondern sie unterstreichen auch die besonderen Nöte von Klubs mit mehreren tausend Mitgliedern, eigenen Sportanlagen und hauptamtlichem Personal. „Gerade bei den Großvereinen wiegen die Auswirkungen der Pandemie noch schwerer“, sagt Sebastian Gallus vom SV-DJK. „Weil wir höhere Fixkosten haben, und weil bei uns der Mitgliederrückgang größer ist.“

In ihrem Papier betonen die 14 Vereine gleich zu Beginn: „Wir sehen die Notwendigkeit von Einschränkungen während der Pandemie.“ Jedoch fordere man, „den (Breiten)-Sport stärker in den Fokus zu nehmen und den positiven Aspekt, dass Sport und Bewegung zur Gesunderhaltung unerlässlich sind, in der Bekämpfung der Pandemie umfangreicher zu nutzen.“ Oder wie es der Geschäftsführer des SV-DJK ausdrückt: „Wir sind nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung.“ Schließlich sei Sport essenziell für die physische und psychische Gesundheit, betont Gallus, dem es dabei besonders um Kinder und Jugendliche geht. „Sie brauchen Bewegung. Und wenn jetzt weite Teile des Vereinssports wegbrechen, dann ist das ein großer Schaden für die Gesellschaft.“

Beim SV-DJK Taufkirchen seien die Mitgliederzahlen vor allem bei den unter 13-Jährigen zurückgegangen, sagt Sebastian Gallus. In Haar dagegen habe man den größten Schwund im Fitnessbereich bei den Senioren gehabt, berichtet Ralf-Ulrich Machwirth – auch das eine Gruppe, für die regelmäßige Bewegung besonders wichtig ist. Dass der organisierte Breitensport bei allen Debatten rund um Lockdown und Lockerungen kaum einmal Erwähnung finde, sei ein Beweggrund für die 14 bayerischen Großvereine gewesen, sich nun gemeinsam zu Wort zu melden, sagt der TSV-Geschäftsführer. „Denn diese Probleme werden in der Öffentlichkeit bislang zu wenig wahrgenommen.“

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