„Da muss schon was passieren, dass ich von hier weggehe.“ Martin Bauer (gelb) ist seit 2016 für den SV Pullach am Ball; davor waren es 13 Jahre beim SV Planegg-Krailling.
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„Da muss schon was passieren, dass ich von hier weggehe.“ Martin Bauer (gelb) ist seit 2016 für den SV Pullach am Ball; davor waren es 13 Jahre beim SV Planegg-Krailling.

Pullacher Führungsspieler im Interview

Martin Bauer: Solange mich meine Beine tragen, komme ich immer wieder zurück

  • Umberto Savignano
    vonUmberto Savignano
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Martin Bauer ist beim SV Pullach Führungsspieler und Vize-Kapitän. Im Interview spricht er über sein Verletzungspech und den Abstiegskampf mit dem SVP in der Bayernliga.

Pullach – Martin Bauer (30) kam 2016 vom SV Planegg-Krailling zum SV Pullach, etablierte sich auf Anhieb und steuerte in seinem ersten Jahr an der Gistlstraße zehn Tore zum Gewinn der Bayernliga-Meisterschaft bei. Der vor einem Jahr zum SVP-Spielertrainer beförderte Alexander Benede hatte den Mittelfeldmann als tragende Säule und Vize-Kapitän eingeplant, doch in der Sommervorbereitung erlitt Bauer einen Kreuzbandriss und nach seiner Genesung verletzte er sich in der Vorbereitung aufs Frühjahr am anderen Knie. Die Corona-Unterbrechung ermöglicht es ihm nun aber wohl doch, den auf dem drittletzten Rang liegenden Raben beim Unternehmen Klassenerhalt zu helfen. Mit dem Münchner Merkur sprach Bauer über sein Verletzungspech, den Abstiegskampf und Vereinstreue.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es mittlerweile wieder gut. Vom Knie her passt es. Wir trainieren seit Anfang Juni auf freiwilliger Basis zweimal die Woche. Da war ich jetzt immer dabei. Weil die Saison ja erst Anfang September beginnt und drei, vier Monate Vorbereitung keinen Sinn machen, starten wir demnächst erst richtig.

Sie waren gerade wieder fit, als Sie sich erneut am Knie verletzt haben. Schildern Sie doch mal, wie das ging.

Es war das dritte Training nach der Rückkehr auf den Fußballplatz nach meinem Kreuzbandriss im Sommer. Das war ja schon mein dritter Kreuzbandriss gewesen und seit meiner ersten Kreuzbandverletzung ist ein Stück Metall im Knie, sodass man im MRT nichts mehr sieht. Die Operation geschah auf Verdacht. Und es war dann tatsächlich der Meniskus, der wurde geglättet und jetzt passt es wieder. Ich habe auch schon verlängert in Pullach, um ein Jahr bis 2021, also zum Ende der abgebrochenen Saison. Man muss ja den Karren noch aus dem Dreck ziehen.

Sind Sie nach diesem wiederholten Verletzungspech nicht ins Grübeln gekommen, ob es überhaupt weitergeht?

Bei Verletzungen an sich bin ich der Typ: Solange mich meine Beine tragen, werde ich immer wieder zurückkommen. Aber natürlich, nachdem ich mich nach dem Kreuzbandriss wieder zurückgearbeitet hatte, was in meinem Alter auch nicht so leicht ist, und dann direkt wieder was hatte: Da denkt man sich schon, wie kann das jetzt sein? Aber es stand relativ schnell für mich fest, dass Aufhören keine Option ist.

Sie waren Hoffnungsträger für die Frühjahrssaison, wären dann ausgefallen, können nun aber doch eingreifen: Kann man sagen, Corona kam Ihnen entgegen?

Sportlich ist es mir natürlich entgegengekommen. Es wären noch elf Spiele offen gewesen, die hätte ich vermutlich alle verpasst. Wenn es ganz gut gelaufen wäre, hätte ich vielleicht noch ein-, zweimal mitwirken können, aber da muss man auch überlegen, ob das dann sinnhaft ist. Grundsätzlich wünsche ich aber natürlich keinem so etwas wie Corona, sowohl was die Gesundheit betrifft als auch aus wirtschaftlicher Sicht. Da hat es genügend Leute schlimm getroffen.

Wie sehen Sie die Chancen auf den Klassenerhalt?

Wir werden alles dafür geben. Natürlich ist es aufgrund der Corona-Lage, der verschobenen Saison und den teilweise kuriosen Entscheidungen schwierig. Der TSV Landsberg, Schwaben Augsburg oder Donaustauf kommen ja fast mit einer komplett neuen Mannschaft daher und zwar sportlich nicht unbedingt im negativen Sinne. Es wird haarig, aber ich bin sicher, dass wir es trotzdem reißen. Wir sind stark genug, um dagegenzuhalten. Solange wir nicht wieder großes Verletzungspech haben, bin ich guter Dinge, dass wir das schaffen.

Wie kam es überhaupt dazu, dass die Mannschaft so abgestürzt ist?

Es lag schon viel daran, dass Mike (SVP-Kapitän Hutterer - d. Red.) und ich ausgefallen sind, weil wir um fünf gestandene Leute herum ausschließlich junge, talentierte Spieler haben. Das war für die schon ein Reife- und Lernprozess. Wir haben zwar von außerhalb versucht, so gut es geht zu unterstützen, waren bei jedem Abschlusstraining und jedem Spiel dabei, aber das ist nicht das Gleiche. Ich will nicht sagen, dass wir mit Mike und mir auf Platz zwei stehen würden. Aber es hat schon zu einem negativen Lauf geführt, aus dem man erst mal wieder rauskommen muss. Und man hat es ja gesehen: Mike war in den letzten vier, fünf Spielen wieder da und wir haben gleich dreimal gewonnen.

Es lag also vor allem an der mangelnden Erfahrung?

Ja, da kann man den Jungs keinen Vorwurf machen. In ein paar Jahren, wenn wir schon in Rente sind, sind sie die gestandenen Spieler und können den Job übernehmen. Was mit der Erfahrung kommt, ist die Konstanz. Die fehlt einfach. Da ist dann mal eine Top-Leistung dabei, an die wir gar nicht mehr hinkommen in unserem Alter. Dafür ist es im nächsten Spiel wieder genau andersherum.

Alexander Benede nannte ja Ihren Verbleib neben dem von Michael Hutterer und Torwart Marijan Krasnic als Voraussetzung dafür, dass er den Job als Spielertrainer übernahm. Freut Sie diese Wertschätzung?

Die Wertschätzung zu bekommen, auch mit den Kapitänsämtern, ist schön. Wir vier und auch Alexander Jobst kommunizieren sehr eng, was die Struktur der Mannschaft angeht und was wir verbessern können. Alex trifft keine Entscheidungen alleine, er bezieht uns da mit ein. Das funktioniert gut und ich denke, dass wir alle dem Alex dankbar sind, dass wir so eng zusammenarbeiten können. Zumal der Mike und ich in unserem Alter vielleicht auch mal in eine Trainerrichtung gehen. Man kann vom Alex gut lernen.

Sie sind mit 26 aus Planegg nach Pullach gekommen. Wieso haben Sie eigentlich erst so spät in eine höhere Klasse gewechselt?

An mangelnden Anfragen lag es nicht. Grundsätzlich war ich vor allem deshalb so lange in Planegg, immerhin 13 Jahre, weil die Jungs, mit denen ich da gespielt habe, alle top waren, sportlich wie auch neben dem Platz. Und ich bin von Haus aus sehr vereinsbezogen. Der Abschied von dort war allerdings nicht schön, weil nach ein paar Meinungsverschiedenheiten die ganze Mannschaft gegangen ist.

Würden Sie sonst womöglich heute noch in Planegg spielen?

Das kann ich durchaus sagen. Wir waren ja damals in der Landesliga, also auch sportlich auf dem aufsteigenden Ast. Zwar sind wir dann abgestiegen, aber da haben eben auch andere Faktoren mitgespielt, ohne die wir die Klasse vielleicht gehalten hätten. Und ich bin relativ sicher, dass wir dann jetzt noch in Planegg zusammenspielen würden. Am Ende war es eine Herzensangelegenheit, dass ich dort so lange geblieben bin und so ist es jetzt auch: Ich bin seit fünf Jahren in Pullach und das ist für mich mein aktueller Heimatverein. Da muss schon was passieren, dass ich von hier weggehe.

Das Interview führte Umberto Savignano.

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