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„Ich freue mich am meisten auf Daniel Leugner“: Alexander Benede (links) mit dem einstigen Pullacher Weggefährten, der jetzt in Pipinsried spielt. 

Vom Abwehrchef zum Spielertrainer beim SV Pullach

Pullachs Coach Benede: „Frank Schmöller ist dann doch die größte Nummer im Amateurfußball“

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Das nennt man wohl große Fußstapfen: Alexander Benede führt den SV Pullach als Spielertrainer in die neue Saison, beerbt Coach Frank Schmöller nach fünfeinhalb erfolgreichen Jahren.

PullachDer 30-Jährige erhielt seine fußballerische Ausbildung zunächst beim TSV 1860, später, gemeinsam mit Toni Kroos, Thomas Müller und Mats Hummels, beim FC Bayern, für dessen Zweite Mannschaft er zudem zwölf Drittliga-Einsätze bestritt. 2014 feierte Benede mit dem BC Aichach die Bayernliga-Meisterschaft, wechselte anschließend nach Pullach, wo er unter Schmöller dieses Kunststück 2017 wiederholte. Ein Interview vor dem Bayernliga-Start am Samstag (14 Uhr) zuhause gegen den SV Kirchanschöring.

Kribbelt es vor dem Saisonstart, jetzt, da Sie Spielertrainer sind, anders als in der reinen Spielerrolle?

Definitiv. Ich habe mit zunehmendem Alter als Spieler zwar Gottseidank immer noch Lampenfieber gehabt, das fühlt sich immer wahnsinnig toll und interessant an. Aber mit der Erfahrung wird die Nervosität natürlich schwächer. Jetzt, wo die sportliche Verantwortung bei mir liegt, kehrt die Nervosität schon zurück, weil alle drauf schauen. Und spätestens nach dem Spiel gegen die Türken (0:12 im Test gegen Regionalliga-Aufsteiger Türkgücü München – d. Red.) habe ich es geschafft, dass alle garantiert drauf schauen.

Wo macht sich der Rollenwechsel denn besonders bemerkbar?

Es wird die schwierigste Aufgabe sein, dass man sich selbst auf dem Platz als Spieler sieht, dass man die Trainerperspektive ablegt, und dass einen auch die Mitspieler als Spieler wahrnehmen, als Kameraden, an dessen Seite man um die Punkte kämpft.

„Ich lege wahnsinnig viel Wert darauf, dass auf dem Spielfeld kommuniziert wird. “

Sie haben als Abwehrchef schon immer lautstarke Anweisungen gegeben. Macht das die Umstellung leichter?

Ich lege wahnsinnig viel Wert darauf, dass auf dem Spielfeld kommuniziert wird. Die jungen Burschen teilen sich ja sonst auch mit in der Welt, egal ob digital oder verbal. Und wenn sie mich auf dem Platz was sagen hören, ist es für sie auch keine Umstellung, weil das schon immer so war. Insofern ist es relativ einfach. Es klingt dann nicht wie das Kommando eines Trainers, sondern wie das Kommando des Abwehrspielers, der sowieso immer rumgrantelt.

„Frank Schmöller ist dann doch die größte Nummer im Amateurfußball“

Sie hatten einige bekannte Trainer, unter anderem Wolfgang Schellenberg, Claus Schromm, Kurt Niedermayer, Hermann Gerland, Frank Schmöller. Von wem nehmen Sie am meisten für die neue Aufgabe mit?

Frank Schmöller ist dann doch die größte Nummer im Amateurfußball. Eine Sache, die ich mir von ihm aneignen möchte, wäre die Grundhaltung zur Sportart: Dass die Arbeit über allem steht. Und die Motivation: Wenn er den Raum betreten hat, hatte man das Gefühl, dass er Erfolg suggeriert. Er ist der absolute Katalysator für Erfolg. In die Trainingsarbeit gehen auch Einflüsse zum Beispiel von Hermann Gerland ein, aber ich will natürlich mein eigenes Ding draus machen.

Welchen Trainertyp wollen Sie denn verkörpern?

Als Trainer möchte sein, wie ich auch als Mensch bin: offen, direkt, ehrlich, gradraus, authentisch. Für mich ist auch wichtig, dass die Burschen Spaß am Fußball haben. Die kommen jede Woche drei- bis viermal zusammen. Vom Zeitaufwand her ein großes Hobby. Deshalb will ich ihnen Freude und Spaß vermitteln, aber gleichzeitig einen gewissen Respekt vor der Gemeinschaft und der Sportart.

„Das Gesündeste wäre, den Unterbau zu stärken, sodass wir irgendwann mal oben auch davon profitieren könnten.“

Frank Schmöller wurde von den Spielern in Pullach gesiezt. Wie halten Sie es?

Ich habe Frank Schmöller immer gesiezt und würde ihn auch heute noch siezen, wenn er mir über den Weg läuft. Er ist der Trainer, er ist eine Respektsperson. Aber ich bin natürlich mit allen Spielern per Du, die kennen mich so. So weit bin ich noch nicht.

Neben Frank Schmöller hat auch der langjährige Manager Theo Liedl aufgehört, was einen enormen Einschnitt für den SVP bedeutet. Wo sehen Sie den Verein in der Zukunft?

Mittel- und langfristig sehe ich den SV Pullach als Sprungbrett für Spieler, die vielleicht noch nicht den Schritt in den bezahlten Fußball auf die Reihe kriegen und auch als Station für Jungs, die Bock drauf haben, in einer tollen Gemeinschaft und einem tollen Umfeld zu kicken. Schön wäre es, wenn wir in der Bayernliga bleiben könnten. Aber ich habe jetzt keine Ambition, höher zu kommen. Da ist der Theo Liedl schon dran gescheitert. Und das ist auch nicht unser Ziel. Ich glaube, dass es mittelfristig für den Verein das Gesündeste wäre, den Unterbau zu stärken, sodass wir irgendwann mal oben auch davon profitieren könnten.

„Zwischen Daniel Leugner und mir: Das ist eine besondere Beziehung, fast wie Vater und Sohn“

In dieser Saison begegnen Sie einigen wichtigen Mitstreitern der vergangenen Jahre: Frank Schmöller, der jetzt die U21 von 1860 trainiert, Daniel Leugner, der nach Pipinsried gewechselt ist und schon am Samstag Christoph Dinkelbach in Diensten des Auftaktgegners Kirchanschöring. Auf welches Wiedersehen freuen Sie sich am meisten?

Auf das mit Daniel Leugner. Fußballerisch ist er neben Toni Kroos der beste Spieler, mit dem ich je auf dem Platz gestanden bin. Beim Wiedersehen mit Frank Schmöller ist viel Respekt und Nervosität dabei. Da will man nicht viel falsch machen. Ich freue mich aber auch auf Dinki. Es ist für ihn bestimmt eine wahnsinnig emotionale Sache, weil er lange hier war. Wenn er in einem anderen Trikot hier aufläuft, wird das sicher komisch. Aber zwischen Daniel Leugner und mir: Das ist eine besondere Beziehung, fast wie Vater und Sohn.

Leugner ist begabt, hat aber kein Interesse am Profifußball. Sie haben schon mit späteren Weltmeistern wie Kroos und Thomas Müller gekickt. War eine Profikarriere auch für Sie kein Thema?

Für mich war es das größte Thema, ich hätte alles dafür getan. Aber anscheinend war ich nicht gut genug, nicht groß genug, nicht stark genug oder nicht schnell genug. An eine Unterhaltung mit Hermann Gerland in seinem Büro muss ich mich immer erinnern. Da hatte ich unter der Trainingswoche gemeint, dass ich von Anfang an spielen müsste, weil ich das Gefühl hatte, dass ich im Training besser war als meine Widersacher. Daraufhin hat er mich gefragt, was ich kann. Während ich darüber nachgedacht habe, was ich ihm jetzt erzähle, über meine Antizipationsstärke, meine individualtaktischen und technischen Qualitäten, hat er zu mir gesagt: Pass auf, ich vereinfache die Frage. Kannst Du Tore schießen oder kannst du Tore verteidigen? Da musste ich überlegen: Ich war weder der, der die Tore gemacht hat noch der klassische Verteidiger. Ich war alles, was sich in der Mitte abgespielt hat, ein Box-to-Box-Player. Mittlerweile verstehe ich, was er meinte: Hinten hat er sich für Hummels und Badstuber entschieden, weil die einfach einen geschmeidigen Kopf größer waren. Vorne waren andere schneller und stärker. Fußballerisch haben die mir damals aber alle nicht viel vorgemacht, glaube ich.

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