Ein System von der U 13 bis zu den Profis wollen SpVgg-Teamchef Manuel Baum (r.) und Cheftrainer Claus Schromm etablieren. Foto: Robert Brouczek
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Ein System von der U 13 bis zu den Profis wollen SpVgg-Teamchef Manuel Baum (r.) und Cheftrainer Claus Schromm etablieren.

Automatismen für Profifußball

Teamchef Manuel Baum über das Nachwuchskonzept der SpVgg

SpVgg Unterhaching - Im Interview erklärt SpVgg-Teamchef Manuel Baum die Hintergründe des Unterhachinger Nachwuchskonzepts und den „kognitiven Mehrwert“.

-Wie ist es zum Unterhachinger Jugendkonzept gekommen?

Manuel Baum: Im Grunde hat mich zur vergangenen Saison Heiko Herrlich (Trainer in der Saison 2011/2012; d. Red.) nach Unterhaching geholt. Über einen Zeitungsartikel hat er über meine Trainertätigkeit erfahren. Aufgrund der finanziellen Lage haben wir dann versucht, das Jugendkonzept in Unterhaching anzustoßen. Die Inhalte, die ich vermitteln wollte, haben Heiko dann so gut gefallen, dass er mich als seinen Co-Trainer haben wollte. Nach der Saison hat sich Heiko dann entschieden, wieder zurück nach Dortmund zu seiner Familie zu gehen. Aufgrund der Tatsache, dass ich damals keine Fußballlehrer-Lizenz hatte, haben wir jemanden gesucht, der dazu passt und der das Konzept mitträgt und weiterentwickelt. Dabei sind wir auf Claus Schromm gestoßen, der in Haching ja auch schon im Jugendbereich tätig war.

-Welcher Grundgedanke steckt denn hinter Ihrem Jugendkonzept?

Der Ansatz von mir ist, dass man bereits ganz unten im Jugendbereich anfängt, Automatismen vorzubereiten, sodass diese dann auch weiter oben greifen. Das beginnt mit einfachen Themen wie Spieleröffnung, Gegenpressing oder Konter. Es ist wichtig, dass es von unten nach oben durchgezogen wird.

-Haben Sie sich dabei an ein Vorbild angelehnt?

Ich habe Diplom-Sport auf Lehramt studiert. Man lernt im Studium viele Sachen kennen und hat schon immer einen Plan im Kopf, worauf man im Fußball hinaus will. Man erfährt immer wieder neue Sachen, die man dann versucht, einzubauen. Bei meiner ersten Trainerstation in Unterföhring habe ich es versucht, das Konzept zusammen mit Florian Ernst (jetzt Trainer von Hachings U 23; d. Red.) umzusetzen. Danach kam Starnberg, wo ich das Ganze verfeinert habe. Und jetzt in Unterhaching haben wir mit einer höheren Trainingshäufigkeit und einem Funktionsteam das ganze noch einen größeren Schritt gemacht hat. Wir sind aber noch nicht am Ende, was das Training anbelangt.

Junge Spieler aus der Region spielen eine sehr große Rolle

-Welche Rolle spielen bei diesem Konzept junge Spieler aus der Region?

In Unterhaching spielen junge Spieler aus der Region eine sehr große Rolle. Wir wollen die Spieler frühzeitig an den Verein binden. Wir schauen bereits runter bis zur U 13, Spieler zu bekommen, wo wir sehen, dass die Tendenz groß ist, dass sie mal im Profibereich ankommen werden. Diese Spieler haben aufgrund der vermittelten Trainingsinhalte einen kognitiven Mehrwert im Vergleich zu Spielern, die man erst in der U 17 oder in der U 19 holen würde. Diesen Spielern gehen dann einfach ein paar Jahre Ausbildung ab. Was aber nicht heißen soll, dass es solche Spieler auch zu den Profis schaffen.

-Sie haben viele Abgänge zu verzeichnen und müssen oft wieder von vorne beginnen. Wie aufreibend ist Ihre Arbeit als Trainer?

Im Endeffekt sieht man es im Training, dass man wie bei unseren Trainingslagern auf unterschiedlichen Niveaus anfangen muss. Es gilt, die neuen Spieler möglichst schnell an das Niveau der alten Spieler heranzubringen. Die alten Spieler muss ich auf der anderen Seite nicht nur auf diesem Level halten, sondern auch weiterentwickeln. Da muss man im Trainingslager in dem einen oder anderen Bereich schon differenzieren. Im Ausdauerbereich kann man alle Spieler zusammenfassen. Aber was taktische Elemente betrifft, muss man unterschiedliche Gruppen bilden. Ich vergleiche das immer mit der Schule. Wenn ich Zwölftklässler habe, das sind in diesem Fall unsere älteren Spieler, und auf der anderen Seite die neuen Spieler als Zehntklässler. Die müssten ja innerhalb weniger Woche eine Klasse überspringen. Da gilt es dann schon, mit den Neuen ein bisschen anders zu trainieren als mit denen, die schon länger da sind. Aber das macht trotzdem immer wieder Spaß und ist auch nicht aufreibend.

"Schön wäre es natürlich schon, wenn man wichtige Spieler trotzdem mal halten könnte."

-Wie beurteilen Sie das Problem der wichtigen Abgänge?

Aufgrund der Struktur im Jugendbereich ist es uns möglich, dass wir zwei bis drei Spieler jedes Jahr abgeben können. Das machen wir so lange, bis wir es schaffen, diese Spieler auch mal zu halten. Unser Vorteil: Wenn man so früh im Jugendbereich beginnt, bekommt man jedes Jahr Nachschub, den wir dann mit seinen Erfahrungswerten im taktischen und technischen Bereich sofort gebrauchen können. Insofern verkraften wir schon Abgänge, aber natürlich auch nur in Maßen. Aber: Schön wäre es natürlich schon, wenn man wichtige Spieler trotzdem mal halten könnte. Das ist klar.

Das Gespräch führte Robert M. Frank.

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