Tim Schels erhielt ein Stipednium in den USA.

SV-Heimstten-Routiner als Stipendiant in den USA

Tim Schels: The German General an Michael Jordans Ex-Universität

  • Dieter Priglmeir
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Der Lockdown-Jäger zwischen den USA und Deutschland: Tim Schels erhielt ein Sportstipendium in den USA an der Universität von Baskettballegende Michael Jordan.

Unterhaching– „Ich bin so etwas wie der Lockdown-Jäger“, sagt Tim Schels lächelnd. Im August war er an die University of North Carolina (UNC) gewechselt. Damals hatte sich die Corona-Situation in Deutschland entspannt, während sich in den USA die Lage erst zuspitzte. Jetzt kehrt der Pretzener für die Zeit der Semesterferien zurück zur Familie – pünktlich zum nächsten verschärften Lockdown. Sich mit Kumpels treffen wird nicht so schnell möglich sein. Dabei gebe es viel zu erzählen aus den ersten drei Monaten seines USA-Aufenthalts.

Wie berichtet, erhielt der 21-Jährige, der zuvor Sportwissenschaften an der TU München studiert hatte, ein Stipendium für die UNC, die schon deshalb Legendenstatus hat, weil dort Michael Jordan gelernt hat. Schels ist allerdings nicht Basketballer, sondern hochtalentierter Fußballer, der in der Jugend beim FC Schwaig, der SpVgg Altenerding und dem SE Freising kickte, ehe er bei der SpVgg Unterhaching mit 16 Jahren jüngster Spieler in der Geschichte der Regionalliga wurde. Vor drei Jahren spielte er in der DFB-Juniorenauswahl gegen Israel und wechselte schließlich zum SV Heimstetten, ehe er sich den Traum vom College-Fußball verbunden mit dem Studium Sportmanagement erfüllte.

Tim Schels über die USA und Corona 

Doch das Leben an der Uni entwickelte sich erst einmal anders als erwartet. „Bereits in meiner ersten Woche hatten wir an der Uni so viele Corona-Fälle, dass alle Studenten vom Campus verwiesen wurden – mit Ausnahme von uns Athleten“, erzählt Schels. „Das Uni-Feeling ging dadurch natürlich komplett verloren.“ Kaum Kommilitonen, und auch für die Sportler galten strikte Regeln. „Wir durften mit keinem anderen außerhalb unseres Haushalts Kontakte haben. Das sind schon krasse Vorgaben – vor allem, wenn du in ein neues Land kommst und ja Leute kennenlernen willst“, meint der Student, der in einem Wohnheim am Campus lebt. Zwei eigentliche Mitbewohner hätten deshalb vorzeitig abgesagt. Deshalb bewohnt Schels das Vier-Zimmer-Appartement mit nur noch einem Kollegen aus seinem Fußballteam. Das sei zwar schade, „weil man eh nur zu wenig Leuten Kontakt hat“, meint er. „Andererseits ist es aber auch gut, weil es das Risiko minimiert, sich anzustecken.“

Insgesamt habe es in seiner Mannschaft zwei Corona-Fälle gegeben. „Das ist wirklich sehr wenig im Vergleich zu anderen Teams“, erzählt er.

Tim Schels studiert an Michael Jordans Ex-Uni

Womit wir beim Fußball wären. Die University of North Carolina spielt in der Atlantic Coast Conference (ACC) – das ist die stärkste Conference in der Division 1, besseren Collegefußball gibt es schlichtweg nicht. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Hauptsaison, die ansonsten im Herbst gespielt wird, auf den Frühling verschoben. In den vergangen Monaten wurde eine verkürzte Saison mit sechs regulären Spielen und einem kleinen ACC-Tournament gespielt. „Klein“, bedeutet in diesem Fall, dass nur innerhalb der Conference Partien stattfanden. Die weiteste Reise sei eine vierstündige Busfahrt gewesen, erzählt Schels. „Das ist für amerikanische Verhältnisse wirklich wenig.“

Schels spielte auf der Sechs, war immer in der Startelf, was bei einem 36-Mann-Kader nicht selbstverständlich ist. Mit den Ergebnissen und Tabellenplatz zwei war er ganz zufrieden. „Wir sind nach 90 Minuten ungeschlagen, haben dreimal gewonnen, zweimal unentschieden gespielt und einmal in der Overtime verloren.“ Nur das Turnier wurmt ihn, denn da war schon nach dem Viertelfinale Schluss.

USA: Andere Regeln als in Deutschland

Wie stark ist die ACC? Sie sei die Liga mit den besten Teams, die auch sehr viele hochtalentierte Jugendnationalspieler in ihren Reihen haben, meint Schels. „Ich kann sie aber noch immer nicht einordnen zwischen 3. Liga, Regionalliga oder Bayernliga.“ Der Grund: Spezielle US-Regeln verändern die Taktik. „Durch die unbegrenzten Wechselmöglichkeiten werden zum Beispiel unsere Offensivspieler gefühlt alle fünf Minuten gewechselt. So kannst du das Pressing an der vordersten Linie komplett 90 Minuten durchhalten. Darauf liegt unser Coach viel Wert. Es gibt keine ruhige Ballbesitzphase. Hier steht kein Gegner tief. Dadurch entwickelt sich manchmal auch ein wildes Spiel mit vielen langen Bällen.“ Es gebe schon hektische und zerfahrene Phasen, räumt Schels ein, fügt aber hinzu. „Konditionell und physisch ist es schon noch ein anderes Niveau, wenn 90 Minuten lang gepresst wird.“

Natürlich profitiere er von seiner taktischen und technischen Ausbildung. Das schätzen auch seine Teamkollegen an ihm. Gerade die 18-/19-Jährigen („Die haben alle ein riesiges Entwicklungspotenzial“) schätzen die Erfahrung des gerade mal zwei Jahre Älteren, der aber eben schon mit 16 Männer-Fußball gespielt hat“. Als Leader müsse er ja auch vorangehen gehen, fügt Schels hinzu.

Tim Schels mit Namen „The German General“

Hatte er diesen Status automatisch als Deutschland-Import? „Nein, den musst du dir erarbeiten. Die Teamkollegen schauen schon in den ersten Trainingseinheiten, was du drauf hast“, meint Schels. Aber weil er im Mittelfeld durchaus lautstark kommuniziert, habe er inzwischen den Spitznamen „The German General“. Und die Bilanz lässt sich ja auch sehen. Im Jahr zuvor hatte die UNC eine grottige Saison gespielt, jetzt kam der Erfolg zurück.

Wobei das bei der Uni nicht das Ein und Alles sei, meint Schels. „Wir spielen halt doch nur Fußball. Da stehen in den USA andere Sportarten schon noch mehr im Fokus.“ Allerdings habe die UNC einen Coach verpflichtet, der eine hohe Siegesquote verspricht. Und außerdem wolle man nicht ständig hinter dem Frauenteam zurückstehen. „Diese Mannschaft gewinnt regelmäßig das ACC-Tournament, meist noch mehr. Da wollen wir nicht zurückstehen“, erzählt Schels. „Intern haben wir also einen sehr hohen Anspruch.“

Entsprechend sei auch der Leistungsgedanke. „Es gibt Spieler in unserem Kader, die noch keine Sekunde auf dem Platz standen.“ Allerdings seien auch einige dabei, die ihren Fokus auf den akademischen Teil ihrer Uni-Jahre legen. „Für sie ist es dann gar nicht so tragisch,“ erklärt Schels, der im nächsten Jahr seinen Bachelor machen will und womöglich danach noch den Master. Damit würden auch die Chancen steigen, noch die üblichen College-Erfahrungen zu machen.

Der Herbst 2020 jedenfalls bedeutete für ihn: Corona-Test („Dreimal die Woche – da wird sehr darauf geachtet“) und Präsidentschaftswahl. „Die habe ich mit Spannung im Fernsehen verfolgt. Einige in der Mannschaft waren sehr nervös, fast schon ängstlich wegen der möglichen Folgen“, erzählt Schels. „Es habe Befürchtungen in beide Richtungen gegeben. Echte Angst um die Folgen. Im Team hätten sich einige zu Biden bekannt, niemand habe sich öffentlich für Trump ausgesprochen. „Unsere Trainer haben angeboten, mit den Spielern über die Wahl zu reden.“ Die Uni habe Wert darauf gelegt, dass ihre Studenten wählen gehen, „Innerhalb der Mannschaft hatten wir eine Beteiligung von 100 Prozent der Wahlberechtigten,“ Als CNN Bidens Sieg verkündete, habe es einen Autokorso durch den Ort gegeben. Mit diesem Eindruck – statt der durchaus befürchteten Aufstände – ging es für Tim Schels nun erst mal heim nach Erding.

Was er schon jetzt vermisst? „Die Zeit mit der Mannschaft.“ Was ihm nicht fehlt? „Das Essen. Es gibt einfach kein vernünftiges Brot in den Staaten“, sagt er. Deshalb sei das erste Mahl zuhause „eine anständige Brotzeit“ gewesen. Mutters Küche, die Familie überhaupt und seine Spezln – auf das freue er sich in den kommenden Wochen, sagt er. Mitte Januar geht’s dann wieder zurück. Dann beginnt die Vorbereitung auf die Frühlingssaison, und The German General wird das Kommando im Mittelfeld wieder übernehmen.

(DIETER PRIGLMEIR)

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