Abschied aus Garching: Maximilian Berwein (r.) geht den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.
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Abschied aus Garching: Maximilian Berwein (r.) geht den nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Berweins Vertrag beim VfR Garching ist ausgelaufen

Maximilian Berwein: Nächster Schritt 3. Liga?

  • Andreas Mayr
    vonAndreas Mayr
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Maximilian Berwein verlässt den VfR Garching nach einer Saison wieder. Das nächste Ziel des pfeilschnellen Angreifers ist aller Voraussicht nach die 3. Liga.

Oberau/Garching – Hier das Portfolio von Maximilian Berwein – so oberflächlich und nichtssagend wie Fakten gelegentlich sein können: Der Fußballer hat in seinem ersten Jahr Regionalliga ein Tor geschossen bei zwölf Einsätzen. Er hat sich im Pokal verletzt und viele Wochen verpasst. Die Rückrunde fiel Corona zum Opfer.

Komplett im Kontrast dazu steht diese Nachricht: Maximilian Berwein unterschreibt demnächst seinen ersten Profivertrag. Noch verrät er nicht bei welchem Verein.

Berwein: Auch in der Regionalliga einer der Schnellsten

Der Oberauer ist 24 Jahre alt. Wer die Menschlichkeit im Profifußball vermisst, die Männer, die dort spielen, für geldgierige Maschinen hält, um es einmal in größtmöglicher Polemik darzustellen, und die Klubs als profitgierige, herzlose Haie abkanzelt, der soll doch bitteschön in die Berwein-Vita eintauchen. Der Stürmer hat keine Zahlen gebraucht, um Vereine aus der Zweiten und Dritten Liga zu beeindrucken. Sie haben ihm zugesehen. Wie er spielt, wie er schießt und vor allem, wie er läuft. Die 100 Meter ist er einmal in 10,9 Sekunden gesprintet. Ist einige Zeit her. Er dürfte aktuell sogar flotter sein. „In der Landesliga wusste ich, dass ich der Schnellste bin.“ In der Regionalliga, Klasse vier von oben, dachte er, ändert sich das. Aber schon in der Vorbereitung im Sommer 2019 stellte er fest: Die gegnerischen Abwehrmänner „sind auch nicht mit zehn km/h mehr gesegnet“.

Berwein: Abgelehnte Vertragsverlängerung öffnet Tür zum Profigeschäft

Berwein hat früh an seinem Körper gearbeitet, dabei nie übersehen, dass ein Fußballer vor allem schnelle Beine benötigt. Er hat sie beim Krafttraining nie vernachlässigt. Es sind viele Jahre vergangen, bis Berwein erkannt hat, wie weit ihn die seltene Kombination aus Modellathlet und Fußballtalent bringen kann. Auf die Frage nach dem Warum kennt er keine Antwort. Nach dem Wechsel zum VfR Garching vermerkten die Scouts den Namen Berwein in beängstigendem Tempo in ihre Notizen. Bereits nach dem dritten Spieltag erreichten ihn die ersten Offerten. Was der Linksfuß in den Partien gegen Türkgücü München, Nürnberg und Bayreuth (drei der Top-Vier) gezeigt hatte, reichte ihnen. In der Panik, den Angreifer ohne Gegenwert zu verlieren, bot Garching direkt eine Verlängerung des Einjahresvertrags an. In der Hoffnung, in diesem Sommer Ablöse zu kassieren. Berwein lehnte ab. Ein cleverer Zug, um möglichst viele Angebote zu erhalten, weil er im Sommer ablösefrei gehen kann. Dadurch stand „die Tür zum Profifußball relativ weit offen“, sagt er.

Berwein nach Verletzung: „Ich habe gedacht, jetzt ist alles rum.“

Im September 2019, einen Monat danach, wankten seine Wünsche kurz. Im Toto-Pokal verletzte er sich nach einem Foul. „Ich hab’ gedacht, jetzt ist alles rum.“ Beim ersten Kernspin-Termin fanden die Ärzte aber nichts Besorgnis-erregendes im Knie. Als er sie vier Wochen später das schmerzende Sprunggelenk anschauen ließ, entdeckten sie, dass die Syndesmose nur noch an einem Faden hing. Er bekam einen dieser Schutzschuhe verpasst, saß fortan auf der Tribüne. Erstmals litt er die psychischen Qualen eines Schwerverletzten. „Du kannst nichts machen, außer in der Kabine schlau daher zu reden. Man fühlt sich fehl am Platz.“ Zudem hinterfragte er sich, ob sich die erste große Verletzung seiner Karriere auf die Profi-Pläne auswirkt.

Berwein: Probetraining bei SpVgg Unterhaching

Taten sie nicht. Zwei Angebote erhielt er zur Winterpause. Beide Vereine waren aber nicht bereit, die Ablösesumme zu überweisen. Bei Drittligist Unterhaching absolvierte er ein Probetraining. Das hatte ihm Clubchef Manni Schwabl schon Monate zuvor angeboten. „Eine richtig coole Sache“, urteilt Berwein – und verhandelte weiter mit den Interessenten.

Berwein: Fitnesscoach für Teamkollegen

Corona hat aber sämtliche Modelle einstürzen lassen. Die Klubs schalteten in den Warte-Modus. Und Berwein gibt auf Instagram den Fitnesscoach. Einmal pro Woche. Seine Teamkollegen aus Garching und Garmisch-Partenkirchen baten ihn darum. Die Clips kommen an. Viele Nutzer kontaktieren ihn mittlerweile, berichten von ihren Erfolgen und Entwicklungen. „Eine nette Geschichte, weil alle an einem Strang ziehen.“ Berwein strebt nun eine Lizenz als Fitnesstrainer an. Danach kann er sich vorstellen, Sportler zu beraten und zu fördern. Zunächst alles ohne Geld, versteht sich.

Berwein: Wechsel zu bayerischem Drittligist wünschenswert

Seine Entwicklung geht aber auch im Fußball weiter: Nun zu den Profis. Mindestens Dritte Liga, so viel verrät er derzeit. Mehr nicht. „Es ist noch nicht zu 100 Prozent sicher.“ Vor Corona war er sich mit einem Team beinahe einig, doch danach hyperventilierten alle Unternehmen, ein solches sind die Profivereine. Nun wird wieder gefeilscht. Berwein träumt von einem bayerischen Arbeitgeber. Wegen der kürzeren Anfahrten für die Familie, die er bei den Heimspielen dabei haben möchte. „Ich genieße es, wenn Oma, Opa, Mama, Papa, Schwester und Nichte auf der Tribüne sitzen.“

Optionen gibt es viele. Neun bayerische Mannschaften spielen voraussichtlich nächste Saison in Zweiter oder Dritter Liga. Mit dem Profivertrag „kann es schnell gehen“, sagt Berwein. Sein Papier in Garching lief gestern, am 30. Juni, aus. (ANDREAS MAYR)

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