Zwischen dem SCC Berlin und dem TSV liegen derzeit Welten

- Dennoch hofft Hachings Coach Paduretu auf eine Überraschung

VON UMBERTO SAVIGNANO Unterhaching - Kaum ein Jahr ist es her, da schmetterte der TSV Unterhaching den SCC Berlin nach dramatischem Kampf mit 3:2 aus dem nationalen Pokal-Wettbewerb. Der mit jenem Triumph verbundene Traum, den zweitwichtigsten Titel im deutschen Volleyball nach Unterhaching zu holen, erfüllte sich nicht. Die Berliner entschädigten sich hingegen auf ihre Weise für das Pokal-Aus: Sie wurden Meister und legten so eine sportliche Distanz zwischen sich und die Hachinger, die in dieser jungen Saison noch größer geworden ist.

TSV-Coach Mihai Paduretu weiß jedenfalls genau, dass sein Team dem Titelverteidiger im direkten Duell am Sonntag (15.30 Uhr, Gymnasium Unterhaching) nicht auf gleicher Augenhöhe begegnen kann: "Berlin ist ganz klarer Favorit."

Der Berliner Souveränität, die sich in der Tabelle in 10:0 Punkten und 15:0 Sätzen ausdrückt, steht ein zögerlicher Prozess Unterhachinger Herantastens an die Vorjahresform gegenüber. "Wir brauchen Zeit", nimmt Paduretu sein neu formiertes Team in Schutz, das derzeit nur auf Rang sieben liegt und ernsthaft fürchten muss, den angestrebten sechsten Platz nach der Qualifikationsrunde zu verfehlen. Vier von sechs noch ausstehenden Partien müsse seine Mannschaft gewinnen, hat Paduretu ausgerechnet. Das gegen Berlin gibt er zwar nicht von vornherein verloren. "Wir werden auf jeden Fall kämpfen", verspricht er. Doch nicht nur der Blick auf das Klassement, auch einige Personalien zeigen auf, welche Lücke derzeit zwischen den Vereinen klafft.

Da ist zum Beispiel Sebastian Prüsener, in den vergangenen zwei Spielzeiten unter Paduretus Regie in Unterhaching zum Nationalspieler gereift. In diesem Jahr war der 21-Jährige für den TSV nicht mehr zu halten. Er wechselte als Profi zum SCC und brilliert dort als Außenangreifer, was Paduretu, der ihn mangels Alternativen meist auf der Libero-Position eingesetzt hatte, nicht wundert: "Er ist ein kompletter Spieler, technisch und vor allem nervlich sehr stark."

Da ist ferner Marco Liefke, in der Vergangenheit stets der große Konkurrent von Michael Mayer auf der Position des Diagonalspielers. Doch während Mayer von Unterhaching zum belgischen Meister Noliko Maaseik wechselte, blieb Liefke den Berlinern erhalten - obwohl er in der Nationalmannschaft das Rennen gegen den Niederbayern gemacht hatte.

Und da ist schließlich Jaroslav Skach. Der Zuspieler der tschechischen Nationalmannschaft wurde vor dieser Saison vom TSV umworben, doch er unterschrieb in Berlin. "Dort kann er Champions League spielen, während wir nicht einmal für den CEV-Pokal gemeldet haben. Das ist für die Spieler eben sehr wichtig", so Paduretu.

Auf Dauer sind es eben doch die finanziellen Unterschiede, auf denen die sportlichen gründen.

In der Vergangenheit haben Hachings Volleyballer dieses Gesetz zwar öfter ausgehebelt, als es der Konkurrenz lieb war. Doch der Kraftakt, der am Sonntag dazu nötig wäre, überschreitet wohl die augenblicklichen Möglichkeiten dieser Mannschaft, die erst noch zu sich selbst finden muss.

Auch interessant

Kommentare