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TSV Peiting: Noch 900 Minuten bis zur Unsterblichkeit

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Von: Christian Heinrich

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Durchsetzungsfreudig: Christoph Enzmann (links, hier beim 5:1-Heimsieg über Günzlhofen) gehört zur überaus treffsicheren Offensivabteilung der Peitinger Fußballer. Er hat bis dato sechs Tore erzielt.
Durchsetzungsfreudig: Christoph Enzmann (links, hier beim 5:1-Heimsieg über Günzlhofen) gehört zur überaus treffsicheren Offensivabteilung der Peitinger Fußballer. Er hat bis dato sechs Tore erzielt. © Roland Halmel

Der TSV Peiting steht in der Kreisliga 2 an der Tabellenspitze. Zehn Spiele sind noch zu absolvieren. In denen könnten sich die Peitinger Spieler ihr eigenes Denkmal setzen - wenn sie nur wollen.

Peiting – Die M-Frage bereitet Fabian Melzer so viel Magengrummeln, als hätte so eben eine ganze Schiffsladung voller Gummibärchen verdrückt. Der Trainer des TSV Peiting weiß aber selbst nur zu gut, dass es jetzt keinen Sinn macht, sich jetzt in diplomatisches Allerlei zu flüchten. „Es ist natürlich ein weiter Weg“, hebt er erst noch ein bisschen unverbindlich an. Weil es aber nur noch zehn Etappen sind, die seine Elf von der Meisterschaft in der Kreisliga 2 trennen, wird er rasch konkreter. „Es wäre unglaubwürdig, wenn ich da sagen würde, wir wollen nur oben mitspielen.“

Melzer ist Bayern-Fan. Er weiß, dass sie in Dortmund einmal einen Meisterschaft vergeigt haben, weil sie sich partout weigerten, das M-Wort in den Mund zu nehmen. Deshalb setzt der Coach des Tabellenführers lieber auf Offensive statt auf Understatement, wenn es um das Thema „Aufstieg in die Bezirksliga“ geht. „Das muss unser Ziel sein, das können wir nicht wegdiskutieren.“ Drei Punkte beträgt der Vorsprung seiner Mannschaft auf den VSST Günzlhofen, den sie zwei Mal besiegt hat. Beim 1:0 im Biermoos mit Glück, beim 5:1 zu Hause mit Glanz. Auch den Ranglistendritten aus Utting schlug der TSV, wenn auch nur knapp, mit 2:1.

TSV Peiting hat drei Punkte Vorsprung auf den VSST Günzlhofen

Dass es nach fast zwei Dritteln der Saison nur drei Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger sind, wundert bei diesen Ergebnissen schon ein wenig. Diese Tatsache ist wohl auch der Grund dafür, warum Melzer bei allem berechtigten Optimismus, nicht vollkommen in Euphorie verfällt. Schließlich setzt eine Meisterschaft auch jede Menge Leidensfähigkeit der Spieler voraus. „Ich hoffe, dass dieses Ziel bei den Spielern ankommt“, sagt der Übungsleiter und klingt dabei nicht restlos überzeugt.

Die Peitinger besitzen eine Kader mit auserlesenen Kickern, nach denen sich mancher Ligakonkurrent die Finger schlecken würde. Keine Mannschaft hat mehr Tore geschossen als der TSV (39), keine hat weniger kassiert (20). Matthias Lotter (11 Treffer), Benedikt Multerer (8) und Christoph Enzmann (6) führen die interne Torjägerliste an. Aber die Offensive des Spitzenreiter wird nicht allein von diesem Trio gebildet. „Es gibt viele, die einspringen“, lüftet Melzer ein Erfolgsgeheimnis seiner Elf. „Wir lassen uns nicht komplett ausrechnen.“ Denn für Treffer bürgen auch noch Florian Wörle (4), Christoph Hertl (3), Andreas Neumeier (3) und Nicola Haser (2).

TSV Peiting: Ausgeglichen in allen Mannschaftsteilen

Diese Ausgeglichenheit in allen Mannschaftsteilen machte bisher den Unterschied zur Konkurrenz aus. „Wir haben eine breite Masse an Qualität“, ist der Coach überzeugt. Die hat sich in den vergangenen Monaten noch gesteigert. Julian Floritz besitzt wohl den größten Anlagewert. Der Torhüter hat sich mit seinen 19 Lenzen im Peitinger Kasten etabliert und in seinen 15 Einsätzen ausgezeichnete Leistungen abgeliefert. „Er hat uns viele Punkte gerettet“, lobt ihn sein Coach. Schon jetzt strahlt der Keeper eine unglaubliche Ruhe aus. Ein weiterer Gewinner der Vorrunde ist Daniel Slowiok. Im Sommer war der Verteidiger eigentlich noch für die Reserve vorgesehen. dann setzte er sich in der ersten Mannschaft durch. „Er hat einen großen Schub gemacht“, sagt Melzer. Das trifft auch auf Andreas Neumeier zu. Vor einem Jahr kam der Stürmer vom A-Klassisten TSV Steingaden und erkämpfte sich mit sehr viel Fleiß einen Stammplatz in der Mannschaft. Insgesamt vertraute Melzer 19 Akteuren, die regelmäßig zum Einsatz kamen.

Eigentlich wäre alles optimal beim TSV, wenn es nicht ein ganz dickes „Aber“ gäbe. Der Trainer hat einige Spiele seiner Elf gesehen, von denen er gar nicht begeistert war. In Maisach vergeigten seine Kicker einen 3:1-Vorsprung und mussten sich mit einem Unentschieden zufrieden geben. Auch im Derby beim TSV Altenstadt lagen sie bereits nach sieben Minuten mit 2:0 in Front, um dann noch mit 2:3 zu verlieren. „Das darf nicht passieren“, ärgerte sich Melzer. Auch in Penzing führte sein Team mit 1:0, bevor es am Ende mit 1:2 unterlag. Nur an der 0:2-Heimpleite gegen Aich im letzten Spiel vor der Winterpause gab es nichts auszusetzen. „Das war die einzige Niederlage, die wir komplett akzeptieren müssen“, befand der Coach. „Da war nicht mehr drin, unsere Körper haben uns nicht mehr getragen.“

Die Schwächephasen seiner Elf haben den Trainer in seiner Ansicht bestärkt, „dass es in der Liga nicht die Übermannschaft gibt“. Der TSV ist stark, was einige glanzvolle Siege belegen, er ist aber auch verwundbar. „Schwächephasen können wir uns nicht mehr erlauben“, warnt der Trainer deshalb sein Team eindringlich. Er hat für die Vorbereitung fünf Testspiele und ein Trainingslager in Südtirol angesetzt, um am Feinschliff zu arbeiten. Die Arbeit scheint lohnend. Nach sieben Jahren in der Kreisliga bietet sich den Peitingern die realistische Chance, endlich wieder in die Bezirksliga aufzusteigen. Dazu heißt es, 900 Minuten ohne Schaden zu überstehen. „Zehn Spiele sind ein überschaubarer Rahmen“, sagt Melzer aufmunternd. Die Antwort auf die M-Frage geben allein seine Spieler.

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