Der SV Reichling hat einen neuen unbekannten Trainer verpflichtet.
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Der SV Reichling hat einen neuen unbekannten Trainer verpflichtet.

Trainer übers Internet gefunden

SV Reichling: Neutrainer Michael Platz dreht jeden Stein um

  • Andreas Mayr
    VonAndreas Mayr
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Der SV Reichling hat mit Michael Platz einen neuen Trainer verpflichtet. Der A-Klassist wurde über das Internetportal „FuPa“ auf den Coach aufmerksam.

Reichling – Das neunte Jahr als Abteilungsleiter des A-Klassisten SV Reichling ist ein besonderes für Florian Graf. Er hat getan, was er schon immer tun wollte – und einen Trainer verpflichtet, „den keiner kennt“. Dafür hat Graf die Quellen angezapft, die vor zehn Jahren noch gar nicht erschlossen waren. Auf der Trainerbörse des Internetportals „FuPa“ hat er sich durch die Kandidaten geklickt und einen sehr interessanten erspäht: Michael Platz, B-Lizenz-Coach aus Windach. Zuletzt führte der die Peitinger Fußball-Frauen in die Bezirksliga. Zweimal telefonierten Graf und Platz, verabreden sich zu einem Treffen. „Wir waren uns gleich sympathisch“, sagt der Spartenchef. Zugegeben, Florian Graf wusste auch keinen anderen Weg. Einer der Nebeneffekte dieser Pandemie war ja, dass sie die soziale Interaktion, die gerade die Fußballbranche ausmacht, lahmlegte. „Du kriegst nichts mit“, sagt Graf. „Sonst hörst Du immer, wer gerade frei wird.“

Michael Platz dreht den SV Reichling einmal komplett um

Die Reichlinger bereuen den Schritt zur externen Lösung kein bisschen. Graf erzählt die Anekdote, mit der der neue Coach alle zum Lachen brachte. Eigentlich wollte der Spieler Michael Platz nie Trainer werden. „Aber seine letzten beiden Jahre waren so beschissen, da hat er gesagt: So kann man das doch nicht machen.“ Nach den ersten Wochen lässt sich festhalten: Michael Platz’ Art ist überall zu sehen. Sein Stil – locker, aber sachlich – passe sehr gut zur Mannschaft. Der 55-Jährige ist keiner, der draußen steht und schreit. „In der A-Klasse ist es schon laut genug. Da ist es gut, wenn einer Ruhe reinbringt“, sagt Florian Graf. Lieber holt sich der Coach einen Spieler zum Einzelgespräch oder wechselt nach 20 Minuten aus. Die Rückwechselregelung erleichtert solche Methoden enorm. Genauso gehört mancher Reservist plötzlich zum Stammkader der Ersten. Michael Platz schüttelt den SV Reichling derzeit also kräftig durch und stellt neu auf. „Eine gute Linie“, lobt der Spartenchef.

SV Reichling: Trainingslager im Salzburger Land

Zuletzt verbrachten die Fußballer noch vier Tage im Trainingslager im Salzburger Land. Mit quasi jedem seiner früheren Teams hat sich Michael Platz dort schon auf die Saison vorbereitet. Nur Positives habe er über den Kurztrip gehört, sagt Graf. „Alle waren begeistert, und was gebracht hat’s anscheinend auch.“ Stürmer Jürgen Muhlke traf beim 5:2-Erfolg in Kottgeisering (B-Klasse) vier Mal. Ein paar A-Jugendliche hat der neue Trainer auch eingebaut. „Die haben Ansätze, die sind nicht schlecht“, sagt der Spartenleiter. Der Stamm der Ersten Mannschaft ist gut besetzt, nur die Zweite sei eine kleine Überraschungskiste. „Der eine oder andere Ältere schont sich schon“, scherzt Graf.

A-Klasse 8: Keine Favoriten - Alles ist drin

Aber so läuft es ja jedes Jahr. Schlimm erwischt hat es Simon Greiter, der sich zum zweiten Mal das Kreuzband gerissen hat. Stefan Schmid widmet sich nach der Coronapause wieder mehr der Musik. In welche Richtung der neujustierte Rest in der A-Klasse 8 steuert, kann Abteilungsleiter Graf nicht abschätzen. „Hoffentlich weit weg vom Abstieg“, sagt er. Genauso schwer tut er sich bei der Favoritenkür. Große Ansagen werden aus Reichling nicht kommen. Los geht’s am kommenden Sonntag mit dem Auswärtsspiel bei der Reserve des TSV Bernbeuren. (Andreas Mayr)

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