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„Schwabsoien-Tor“: Eine Tatsachenentscheidung, unumstößlich

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Von: Christian Heinrich

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Dieser Ball ist nicht drin: So jedenfalls entschied der Schiedsrichter, und diese Entscheidung wurde jetzt durch das Sportgericht bekräftigt. Hätte der Treffer gezählt, wäre es der 1:1-Ausgleich der SpVgg Schwabbruck/Schwabsoien gegen Hohenpeißenberg gewesen.
Dieser Ball ist nicht drin: So jedenfalls entschied der Schiedsrichter, und diese Entscheidung wurde jetzt durch das Sportgericht bekräftigt. Hätte der Treffer gezählt, wäre es der 1:1-Ausgleich der SpVgg Schwabbruck/Schwabsoien gegen Hohenpeißenberg gewesen. © Herold/Archiv

Hubert Strobel versteht die Welt nicht mehr. Was dem Coach nicht in den Kopf gehen will, ist das Urteil des Kreissportgerichts zum nicht gegebenen Tor aus der Kreisklassen-Partie zwischen der SpVgg Schwabbruck/Schwabsoien und dem TSV Hohenpeißenberg.

Schwabbruck/Schwabsoien – Hubert Strobel versteht die Welt nicht mehr. „Das ist für mich schwer nachzuvollziehen“, klagt der Trainer der SpVgg Schwabbbruck/Schwabsoien. Was dem Coach überhaupt nicht in den Kopf gehen will, ist das Urteil des Kreissportgerichts zum nicht gegebenen Tor aus der Kreisklassen-Partie zwischen der Spielvereinigung und dem TSV Hohenpeißen-berg vom 19. September. Die SpVgg hatte gegen die Wertung des Spiels Einspruch eingelegt, weil ihrer Meinung nach der Mannschaft ein klarer Treffer nicht anerkannt worden sei. Das Kreissportgericht wies den Protest zurück.

Schiedsrichter Sven Börmann hatte in der 66. Minute nach einem vermeintlichen Treffer von Stefan Neumaier – es wäre das 1:1 gewesen – auf Abstoß entschieden, obwohl der Ball mutmaßlich im Tor gewesen ist. Auch Fotoaufnahmen stützen diesen Eindruck. Allerdings war das Netz defekt, weshalb der Ball nicht in den Maschen zappelte, sondern hinter dem Gehäuse lag. Dazu stellte das Kreissportgericht fest: „Nach dem Regelwerk ist das eine Tatsachenentscheidung.“ Und erklärte: „Dazu gehört auch die Entscheidung auf Tor oder kein Tor.“ Die Partie endete 1:0 für Hohenpeißenberg.

Die Richter beriefen sich auf die schriftliche Aussage des Schiedsrichters, der kein Tor wahrgenommen haben wollte. „Bei der Aktion in der 66. Minute war aus meiner Position kein Tor ersichtlich. Der Ball ging nach dem Schuss ins Toraus, deshalb habe ich auf Abstoß entschieden.“ Strobel akzeptiert zwar das Urteil, doch er kann es nicht gutheißen. „Im Sinne der Gerechtigkeit im Sport ist das letztlich schlecht“, findet er. „Da wird das Unrecht gefördert.“ Allerdings verwechselt er mit seiner Argumentation zwei Ebenen. Dem Trainer geht es um „Gerechtigkeit“ und damit um eine ethische Kategorie. Ein Sportgericht hat solche Situationen jedoch nicht im Sinne der Gerechtigkeit, sondern nach dem Regelwerk zu entscheiden.

Ball flutschte offenbar durch ein Loch im Netz

Prominentes Beispiel ist hier das Phantomtor von Stefan Kießling aus der Bundesliga-Partie zwischen der TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen am 18. Oktober 2013. Obwohl sämtliche Fernsehbilder klar bewiesen, dass der Ball vom Außennetz in das Tor gelangt war, urteilte das Bundesgericht, dass die Tatsachenentscheidung von Schiedsrichter Felix Brych unumstößlich sei. Dieser hatte den vermeintlichen Kopfballtreffer des Leverkusener Stürmers anerkannt.

Vom Kreissportgericht hätte sich Strobel „mehr Mut“ gewünscht, ein Urteil im Sinne eines Wiederholungsspiels zu fällen. Dies hätte jedoch einen Präzedenzfall bedeutet. In Zukunft hätte sich jeder Schiedsrichter bei einer strittigen Tatsachen Entscheidung vor dem Sportgericht wiedergefunden. Da so ein Urteil den unangreifbaren Wert der Tatsachenentscheidung infrage gestellt hätte, wäre es wohl von einem höheren Gericht angefochten worden.

Außerdem störte sich Strobel daran, dass der Schiedsrichter in seiner Stellungnahme von „Löchern im Tornetz“ schrieb, die ihm bei der Platzkontrolle aufgefallen seien. „Es war nur ein Loch“, beharrte der Trainer. Das sei auch geflickt worden. Nur schlug der Ball beim ominösen Torschuss an anderer Stelle ein. „Wer hat den Mut und sagt: Ich habe da einen Fehler gemacht.“ Strobel hätte sich ein Wort der Entschuldigung gewünscht. Geändert hätte es im Nachhinein an der Entscheidung aber auch nichts mehr.

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