Sprinten – aber mit Abstand: Bernbeurens Trainer Daniel Deli (links) baut für jedes Training einzelne Stationen auf. Diese Gruppe sprintet, im Hintergrund links steht eine Passübung an, rechts wird aufs Tor geschossen.
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Sprinten – aber mit Abstand: Bernbeurens Trainer Daniel Deli (links) baut für jedes Training einzelne Stationen auf. Diese Gruppe sprintet, im Hintergrund links steht eine Passübung an, rechts wird aufs Tor geschossen.

Fußball

Training beim TSV Bernbeuren: Mit Abstand „besser als nix“

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Seit ein paar Wochen ist Fußballtraining unter bestimmten Auflagen wieder erlaubt. Wir haben dem TSV Bernbeuren einen Besuch abgestattet.

Bernbeuren – Die eine Gruppe passt sich die Bälle zu, die zweite macht Sprintübungen, die dritte schießt wieder und wieder aufs Tor. Training am Dienstagabend beim TSV Bernbeuren. Coach Daniel Deli hat mit Stangen und Kegeln drei Stationen aufgebaut, an denen die Fußballer ihre Fitness verbessern und an der Technik arbeiten können. Soweit sieht das ganz normal aus, was sich da auf dem Rasen tut. Zumindest auf den ersten Blick. Doch zu Corona-Zeiten ist fast nichts normal. Auch nicht der Trainingsalltag der Kreisliga-Fußballer, wie der Besuch in Bernbeuren zeigt.

Denn die 13 Spieler reisen bereits in ihrer Trainingskleidung an und müssen auch verschwitzt wieder nach Hause fahren – Duschen und Umkleidekabinen sind aufgrund der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen geschlossen. Und während sich Fußballer normalerweise auch mal im Zweikampf richtig nah kommen, muss nun 1,50 Meter Abstand gehalten werden. Die Gegner sind also nicht die Gegenspieler – sie sind nun Stangen, Hütchen und bei Laufübungen auch die Zeit. Klar – und Wolfgang Meyer. Dem Torwart fliegen bei den Schussübungen die Bälle um die Ohren. Landet der Ball im Netz, darf er sich den ein oder anderen Spruch anhören. Hält er ihn, ist er auch nicht unbedingt still. Die Kreisliga-Fußballer haben sichtlich Spaß daran, zusammen auf dem Feld zu stehen, den Ball am Fuß zu haben. Endlich wieder.

„Du machst ein Team mit solchen Einheiten nicht besser“

Deli versucht bei allen Vorgaben, Abwechslung ins Training zu bringen. Und ist dabei wohl selbst sein größter Kritiker. „Du machst ein Team mit solchen Einheiten nicht besser“, sagt er. „Klar, man kriegt beim Schusstraining Sicherheit im Abschluss.“ Aber elementare Dinge des Fußballs fehlen – wie zum Beispiel der Druck, den ein Gegenspieler auslöst, wenn man am Ball ist. Und die gewisse Aggressivität, die man braucht, um sich im Zweikampf durchzusetzen. Beides funktioniert nicht mit 1,50 Meter Abstand.

Obwohl Deli das weiß, gehörte Bernbeuren im Landkreis zu den ersten Teams, die nach der Corona-Zwangspause wieder auf dem Platz standen. Und einfach mal ausprobierten, wie das Training so klappt. Seitdem trifft sich die erste Mannschaft einmal wöchentlich rund eine Stunde, manchmal eineinhalb. Auch, wenn’s vielleicht nicht den großen Leistungssprung gibt. „Wir haben den Ball am Fuß, können uns sehen. Darum geht’s jetzt“, sagt Deli. Die zweite Mannschaft, die sonst mit der ersten auf dem Feld steht, trainiert einen Tag später. Auch die Frauen jagen einmal in der Woche dem Ball hinterher.

Die Jugendmannschaften pausieren noch

Bei der Jugend herrscht hingegen noch immer Stillstand. „Das tut den Burschen schon weh“, sagt Abteilungsleiter Felix Lindauer, der die B-Jugend trainiert. Doch die Organisation ist schwierig, da die Nachwuchsmannschaften Spielgemeinschaften mit Nachbarvereinen haben. Gemeinsame Fahrten zum Training sind nicht erlaubt. „Dann müssten alle Eltern ihre Kinder einzeln bringen.“ Bei den Kleineren kommt dazu, dass diese die Abstände wohl nur schwer einhalten können.

Und so dürfen derzeit nur die Erwachsenen ran. Sofern sie denn wollen – wer wegen des Virus Bedenken hat, kann zu Hause bleiben. „Es muss sich niemand bei mir abmelden“, sagt Deli – auch das ist anders als sonst. Neben Spielern und Trainer steht am Dienstagabend auch Abteilungsleiter Lindauer auf dem Feld, um Deli an den einzelnen Stationen zu unterstützen. Mit Markierungen wurde der Platz geviertelt. In jedem Eck dürfen sich maximal fünf Personen aufhalten – inklusive Trainer. Deli kann entsprechend nicht überall gleichzeitig sein und nicht alles genau im Auge haben. Da erlaubt sich der ein oder andere Spieler schon mal „schlampige Fehler“, sagt er. Immer wieder korrigiert Deli die Schusshaltung seiner Spieler, ruft vom einen ins andere Viertel rüber: „Das Standbein, achte auf das Standbein!“ Oder gibt quer über das Feld die Anweisung für den nächsten Sprint.

„Aber trotzdem ist es besser als nix“

Die Kleingruppen, in denen die Spieler aufgeteilt sind, wurden vorab festgelegt und müssen auch so bleiben – noch so eine Vorschrift. Lindauer achtet darauf, dass sich alle daran halten. Er ist der Coronabeauftragte des Vereins. „Sie sind diszipliniert“, sagt Lindauer über die Kreisliga-Spieler. „Einfach klasse Typen.“ Deli ruft die Truppe da gerade zusammen. Die Fußballer laufen auf ihn zu, bleiben aber alle mit genug Abstand zueinander stehen. Als wäre es schon das Normalste der Welt.

Aber normal ist das einfach nicht. Deshalb bleibt es auch erst einmal bei einem solchen Training pro Woche. Sonst wär’s zu fad. „Fußball ist eigentlich facettenreich“, sagt Deli – facettenreicher als es das Training unter diesen Bedingungen je sein könnte. „Aber trotzdem ist es besser als nix.“

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