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VfL Denklingen: „Ich komme über die Sache nicht weg“ - Ansorge trauert verpasstem Aufstieg nach

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Von: Christian Heinrich

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Enttäuschendes Saisonfinale: Den Denklingern (hier nach dem letzten Heimspiel gegen Haidhausen) ging im Endspurt die Puste aus. Aus drei Partien holten sie nur einen einzigen Punkt und belegten am Ende Rang drei.
Enttäuschendes Saisonfinale: Den Denklingern (hier nach dem letzten Heimspiel gegen Haidhausen) ging im Endspurt die Puste aus. Aus drei Partien holten sie nur einen einzigen Punkt und belegten am Ende Rang drei. Foto: halmel © halmel

Am Ende ging dem VfL die Puste aus. Nur ein Punkt konnten die Denklinger aus den letzten drei Saisonspielen einfahren. Zu wenig für den Traum vom Aufstieg.

Denklingen – Der Volksmund ist davon überzeugt, dass die Zeit alle Wunden heilt. Aber irgendwie lassen die Schmerzen nicht nach, die der verpasste Aufstieg in die Landesliga Markus Ansorge zugefügt hat. „Ich komme über die Sache nicht weg“, grämt sich der Trainer des VfL Denklingen schon seit drei Wochen. So sehr er sich auch abmartert, plausible Gründe für das Scheitern seiner Elf zu finden, so wenig kommt er mit seiner Analyse richtig weiter. „Ich bin noch in der Anfangsphase“, sagt er.

Natürlich kann der Coach ohne besondere Mühen ein paar triftige Argumente finden, warum seine Mannschaft in der Bezirksliga Süd nach der Winterpause auf einmal ihren Schwung verlor. Der Herbstmeister bekam zu spüren, dass sich die Konkurrenz auf seine Spielweise eingestellt hatte. Das kostete einige Punkte, die der VfL in der Hinrunde noch locker abgegrast hatte. Aber auch die Pandemie, die vor dem drittletzten Spieltag sieben Kicker heimsuchte, trug mit dazu bei, dass dem Team in den entscheidenden Partien gegen Berg (0:0), Haidhausen (0:1) und Oberweikertshofen (2:4) die Kraft ausging. Ein Unentschieden aus diesen drei Begegnungen reichte nicht aus, um am Ende einen der beiden Aufstiegsplätze zu belegen. Der SC Oberweikertshofen sicherte sich den Titel und die SpVgg Haidhausen die Relegation, in der sie aber den Kürzeren zog.

Denklingen verpasste die Gelegenheit, Vereinsgeschichte zu schreiben

Vielleicht hatte es dann doch einen Sinn gehabt, dass der ausgelaugten Mannschaft die Aufstiegsrunde erspart blieb. Auf der anderen Seite trauert Ansorge der verpassten Gelegenheit hinterher, mit dem Einzug in die Landesliga Denklinger Fußball-Geschichte schreiben zu können. „Wir hätten so etwas Tolles schaffen können“, ist er enttäuscht. Der Schmerz darüber ist deshalb so groß, weil der Trainer nicht weiß, ob diese Chance noch einmal wiederkehrt. Sein Kader besitzt einen Altersdurchschnitt von 28, 29 Jahren. So lange werden seine Kicker nicht mehr so schnell rennen können, um das Versäumte nachzuholen. Schon die Strapazen der vergangenen Saison sorgten bei einigen von ihnen dafür, dass der Verschleiß gravierend war.

Es ist aber nicht nur die biologische Uhr bei einigen Denklinger Fußballern, die in den kommenden Jahren etwas lauter ticken wird als bisher. Auch die Bezirksliga Süd, in der der VfL zuhause ist, verändert sich. „Ich bin Realist“, sagt der Coach. „Die Liga wird heuer stärker sein als letztes Jahr.“ Sie wird auch um einiges spannender und attraktiver sein. Aus dem Oberland duellieren sich allein sieben Vereine. Der SV Bad Heilbrunn und der 1. FC Garmisch-Partenkirchen sind aus der Landesliga abgestiegen, der TSV Murnau aus der Kreisliga aufgestiegen. Ergänzt wird das Septett durch den BFC Wolfratshausen, den FC Penzberg, den SV Raisting und eben den VfL Denklingen. Hinzu kommt, dass Münchner Vereine wie der SV Neuperlach und die SpVgg Haidhausen personell wieder kräftig aufrüsten. In der vergangenen Saison konnten die Denklinger als Aufsteiger die ahnungslosen Rivalen in der Hinrunde noch überrumpeln. Dieser Überraschungseffekt ist nach dem dritten Tabellenplatz nun verpufft. „Wir sind nicht mehr der Underdog“, ist sich Ansorge der veränderten Lage bewusst. „Jetzt hat dich jeder auf den Schirm.“

Nach Abstieg in die B-Klasse: Kluft zwischen erster und zweiter Mannschaft wächst

Der Trainer muss sich nun Gedanken machen, wie er den Besitzstand, den sich sein Ensemble in der vergangenen Runde erworben hat, sichern und vielleicht noch ausbauen kann. Allerdings kann auch er nicht zaubern und mit einem Abrakadabra sämtliche strukturellen Probleme beseitigen, die dem Fußball in Denklingen anhaften. Die Reserve ist Ende Mai in die B-Klasse abgestiegen, was die Kluft zwischen der ersten und der zweiten Mannschaft noch prägnanter macht. Die sechs A-Jugendlichen, die in diesem Sommer bei den Erwachsenen aufschlagen, bringen zwar viel Talent mit, doch sie haben nur in der Gruppe gespielt. Sie werden also etwas brauchen, bis sie sich an die Härte und das Tempo bei den Herren gewöhnen.

Dass ihm fast nichts anderes übrig bleibt, als den Nachwuchs nach Kräften zu fördern, steht für den Trainer außer Frage. Der VfL hält sich zugute, dass seine Fußballer alle aus dem Ort kommen. Das hat sich in der Vergangenheit ausgezahlt, weil sich die Spieler mit dem Verein und dem Dorf identifizieren und umgekehrt. Nur sind starke Jahrgänge wie der von Simon Ried eher die Ausnahme und nicht Regel und können auch nicht ewig auf hohem Niveau performen. Es braucht also Blutauffrischung von auswärts, was bei einer gewachsenen Mannschaft wie dem VfL schnell zu Problemen führen kann. „Neuzugänge müssen charakterlich gut reinpassen“, formuliert der Coach ein bedeutendes Einstellungskriterium.

Arjanit Robaj besitzt zumindest die Gnade, aus Denklingen zu stammen. Da kümmert es nicht, dass der A-Jugendliche zuletzt in Diensten der SpVgg Kaufbeuren stand. Der Außenstürmer bringt Fähigkeiten mit, die in der Branche sehr gefragt sind. Er ist beidfüßig und schnell. Flexibel einsetzbar ist auch Martin Krimshandl, aber nicht auf dem Flügel, sondern im Mittelfeld. „Er ist sehr spiel- und laufstark“, schwärmt der Trainer von dem 30-jährigen Routinier, der sowohl auf der Sechs und der Acht als auch auf der Zehn seine Qualitäten besitzt. Der ehemalige Reichlinger trug zuletzt beim VfL Kaufering die Kapitänsbinde.

Vergangenen Montag starteten die Denklinger in die Vorbereitung auf die neue Saison. Vielleicht sind bis dahin die Wunden bei Ansorge geheilt. Der Kummer wird aber erst einmal bleiben. (Christian Heinrich)

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