Auf geht’s: Mathias Mayer auf dem Spindelmäher. Im Hintergrund ist das Vereinsheim zu sehen, das vor drei Jahren einen Balkon bekommen hat.
+
Auf geht’s: Mathias Mayer auf dem Spindelmäher. Im Hintergrund ist das Vereinsheim zu sehen, das vor drei Jahren einen Balkon bekommen hat.

Unsere Sportplätze

Der Wildsteiger Sportplatz ist fest in Familienhand

  • vonKatrin Kleinschmidt
    schließen

Wegen des Coronavirus sind die Sportplätze derzeit verwaist. In der Serie „Unsere Sportplätze“ bekommen sie nun doch die verdiente Aufmerksamkeit - heute: Wildsteig.

Wildsteig – Schon als Bub hat Mathias Mayer seine Runden über den Wildsteiger Fußballplatz gedreht. Damals saß noch Papa Norbert am Steuer. „Das hat Spaß gemacht“, erinnert sich der 31-Jährige. Eines aber macht noch mehr Spaß: selbst fahren. Und so sorgt Mathias Mayer mittlerweile seit 15 Jahren dafür, dass der Rasen nicht zu lang wird. Vater Norbert zieht noch immer die Linien auf dem Feld. Und es gibt noch einen dritten Platzwart: Christian Mayer. Ja, richtig. Noch ein Mayer. Er ist der Bruder von Mathias – seit sechs Jahren hilft der 21-Jährige mit, kümmert sich vor allem um den Trainingsplatz im Osten der Gemeinde. „Der legendäre Platz mit dem Loch“, sagt Mathias Mayer schmunzelnd. Denn der Rasen ist dort nicht ganz eben, der Mittelpunkt liegt tiefer als der Rest des Feldes.

Das kann man vom Hauptplatz nicht behaupten. Das Gelände wurde 1989 im Süden der Gemeinde errichtet. Neben dem Rasen gibt es noch ein Vereinsheim, einen Tennisplatz, einen Spielplatz und ein Mini-Spielfeld mit Kunstrasen. Dass es hier derzeit sehr still ist, liegt freilich an der Sperrung der Sportplätze wegen der Coronavirus-Pandemie. Aber auch sonst wäre es im ersten Halbjahr ruhig auf dem Wildsteiger Rasen gewesen. „Es waren nur sieben Spiele der Jugend angesetzt“, sagt Mayer.

Norbert Mayer hat sein Wissen weitergegeben

Denn die drei Männer-Mannschaften bilden mit Rottenbuch eine Spielgemeinschaft. Ein halbes Jahr lang kicken sie im einen Ort, dann im anderen. „Und dort, wo sie spielen, trainieren sie auch“, sagt Mayer. Anfangs hatte man die Mannschaften aufgeteilt, doch schnell zeigte sich, dass das nicht so recht klappte. Zum Beispiel, wenn ein Spieler in der Reservemannschaft auf der Bank saß und in der Ersten am gleichen Wochenende spielte – da war der Zeitaufwand enorm. Nun spielen die Mannschaften hintereinander auf demselben Feld. „Die Spieler sind so mehr beieinander, und mehr Fans kommen auch“, sagt Mayer.

Er, sein Vater und sein Bruder pflegen derweil den Rasen in Wildsteig weiter. „Es ist natürlich weniger Arbeit, wenn niemand etwas kaputt macht“, sagt Mayer. Heuer musste er erst einmal den Spindelmäher anwerfen. In Hochzeiten zieht er bis zu sechs Mal in der Woche seine Kreise. Oder Bahnen. Je nachdem. Mayer fährt immer ein anderes Muster. „So erwischt man die Halme besser“, sagt er. Fahre man immer die gleiche Strecke, „werden die Halme auch immer in die gleiche Richtung gedrückt“. Den Tipp hat ihm ein Mitarbeiter einer Firma gegeben, die alle drei Jahre Arbeiten am Rasen vornimmt. Obendrein hat Mayer ein Seminar für Platzwarte besucht. „Aber vieles findet man mit den Jahren auch selbst heraus“ – oder er bekommt Tipps vom Vater.

Seit drei Jahren hat das Wildsteiger Vereinsheim einen Balkon

Der weiß immerhin ganz genau, wie ein Rasen sein muss. Norbert Mayer ist nicht nur seit 35 Jahren Platzwart, er hat auch 991 Partien für den SV Wildsteig absolviert. Auch Sohn Mathias war Fußballer. Doch wegen der Arbeit und zwei Verletzungen hörte er auf.

Ganz Abschied nehmen wollte er nicht. „Die Arbeit als Platzwart macht Spaß, ich bin an der frischen Luft.“ Und er schaut seinem ehemaligen Team auch gern zu. Seit drei Jahren geht das besonders gut. Da wurde der Balkon am Vereinsheim eröffnet.

Mit dem Spindelmäher geht's voran

Im Gebäude gibt es unter anderem zwei Kabinen. Die sind so aufgebaut, dass sich auch zwei Teams einen Raum teilen können. Im Keller hat der SV zudem Räume, die bei Turnieren als weitere Umkleiden oder aber auch für Feiern genutzt werden können – drei Mal im Jahr geht’s hier hoch her, berichtet Mayer. Am Eingang hängt noch das Plakat für eine der Feiern – sie muss ausfallen.

Blick von oben auf den Fußballplatz in Wildsteig. Die Männermannschaften spielen hier immer ein halbes Jahr lang, dann wechseln sie nach Rottenbuch.

Ebenso wie die Fußballspiele. Die Zuschauerbänke wurden deshalb noch gar nicht aufgebaut, der Großteil des Platzes ist noch im Winterschlaf. Nur der Rasen ist frisch gemäht. Mayer hat ihm mit dem Spindelmäher den richtigen Schnitt verpasst. Der 31-Jährige liebt das Gefährt, das der Verein 2012 angeschafft hat. „Da geht jetzt was voran im Gegensatz zum Vorgänger.“ Wenn früher der Trainingsplatz gemäht werden musste, benötigten die Mayers schon für die Hinfahrt eine halbe Stunde. Mittlerweile dauert das Kürzen der Halme auf dem 90 mal 55 Meter großen Feld inklusive Hin- und Rückfahrt 40 Minuten. 25 Minuten sind es auf dem Hauptplatz.

Der ist hauptsächlich für Spiele gedacht. Für Trainingseinheiten geht’s auf den alten Platz, neben dem eine kleine Hütte steht. Sie hat zwei Kabinen, allerdings keine Dusche. Ab und an klopfen die Fußballer dann doch bei den Mayers an, weil sie gern auf dem großen Feld trainieren möchten. „Ganz selten sage ich ,Ja‘“, sagt Mathias Mayer und schmunzelt. „Und auch nur, wenn sie brav sind und der Rasen trocken ist.“ Die viele Arbeit soll ja nicht umsonst sein.

Die Serie 

Hier wird gejubelt, geflucht, geschimpft und gefeiert: Hier werden Siege errungen, Niederlagen kassiert und Freundschaften geschlossen. Auf Fußballplätzen herrscht Leben. Also ... eigentlich. Wegen des Coronavirus sind die Plätze derzeit verwaist. In der Serie „Unsere Sportplätze“ bekommen sie nun doch die verdiente Aufmerksamkeit. Wir stellen die Fußballplätze in der Region vor.

Sportplatz melden: Ihr Platz war noch nicht dabei? Dann melden Sie sich bei uns. Senden Sie uns eine E-Mail mit Ihrem Vereinsnamen sowie den Kontaktdaten eines Ansprechpartners an sport@schongauer-nachrichten.de.

Lesen Sie außerdem:

In Ingenried hält der Mähroboter „Robi“ den Rasen trotz der Corona-Krise in einem tollen Zustand.

Dass die Saison im September fortgesetzt werden soll, hält Kreisspielleiter Heinz Eckl für die richtige Entscheidung

Auch interessant

Kommentare