Beim FC Augsburg II spielte Vrenezi in der Regionalliga Bayern - jetzt ist er endgültig im Profibereich angelangt.
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Beim FC Augsburg II spielte Vrenezi in der Regionalliga Bayern - jetzt ist er endgültig im Profibereich angelangt.

Ex-Planegger setzt sich bei Jahn Regensburg durch

Albion Vrenezi im Höhenflug - „Das ist Gottes Gabe“

  • vonTobias Empl
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Albion Vrenezi ist ein typischer Spätzünder. Nachdem er vor einigen Jahren noch in der Bezirksliga spielte, hat sich nun mit 27 Jahren ein Stammplatz in der 2. Bundesliga erkämpft.

Planegg – Es kommt nicht allzu oft vor, dass es ein Fußballer aus der Bezirksliga bis in den Profifußball schafft. Albion Vrenezi ist diesen Weg gegangen. Entsprechend interessiert und auch ein wenig stolz verfolgen frühere Mitspieler, Trainer und Funktionäre seines Jugendvereins SV Planegg-Krailling Vrenezis Werdegang seit seinem Abschied im Sommer 2013. Auch am vergangenen Samstag war das so, als der 27-jährige Fußballprofi des SSV Jahn Regensburg auf seinen ehemaligen Verein traf, die Würzburger Kickers.

Albion Vrenezi: Wiedersehen mit den Würzburger Kickers

Für Vrenezi war es ein erfolgreiches Wiedersehen mit seinen früheren Mannschaftskameraden. Der beim SVP ausgebildete Mittelfeldspieler, der in der vergangenen Saison an die Kickers ausgeliehen war, gewann mit Regensburg 2:1 (0:0). Vrenezi stand auch im zehnten Pflichtspiel dieser Saison in der Startelf der Oberpfälzer. Im ersten Durchgang vergaben die Gastgeber drei hochkarätige Möglichkeiten, an allen war Vrenezi als Vorbereiter beteiligt. In der 61. Minute wurde der gelb vorbelastete Ex-Planegger ausgewechselt, am Ende durfte er gemeinsam mit seiner Mannschaft dennoch jubeln – und wurde vom Kicker in die Elf des Spieltags berufen.

Mit Würzburg hatte Vrenezi als Leihspieler in der vergangenen Saison den bisher größten Erfolg seiner Karriere gefeiert, den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Mit 32 Drittligaspielen und fünf Toren im Gepäck kehrte er im Sommer nach Regensburg zurück – und stand seitdem, anders als vor seiner Leihe, in allen Pflichtspielen in der Startelf. „Meine Rolle hat sich schon etwas verändert“, erzählt Vrenezi. Er ist hervorragend in die Zweitliga-Saison gestartet. Mit einem Kicker-Notenschnitt von 2,67 liegt er auf Rang fünf der besten Zweitligaprofis, wurde dreimal in die Top-Elf gewählt, erzielte drei Tore und bereitete zwei weitere vor. „Nachdem ich in Würzburg zeigen konnte, was ich leisten kann, bin ich gestärkt und mit mehr Selbstvertrauen zurückgekommen“, sagt Vrenezi.

SSV Jahn Regensburg: Vrenezi überzeugte von Anfang an

In einer im Umbruch befindlichen Regensburger Mannschaft arbeitete er in der Vorbereitung hart für einen Platz in der ersten Elf. Im ersten Pflichtspiel, dem erst im Elfmeterschießen gewonnenen DFB-Pokalspiel beim 1. FC Kaiserslautern, lief Vrenezi von Beginn an im rechten Mittelfeld auf – und verwertete bereits nach vier Minuten eine Vorlage von Kaan Caliskaner zur 1:0-Führung. „Ein bisschen Glück gehört auch dazu“, sagt er bescheiden. Auch in den ersten Partien in der Liga konnten die gesamte Mannschaft und der Ex-Planegger persönlich überzeugen, mit dem vorläufigen Höhepunkt am fünften Spieltag gegen Eintracht Braunschweig: Beim 3:0-Erfolg gelangen ihm seine ersten beiden Zweitligatore, den dritten Treffer bereitete er vor. Vrenezi erinnert sich gerne: „Der Tag war einfach perfekt, ein echter Sahnetag.“

Zuletzt lief es allerdings durchwachsen für den Jahn: Das Team von Trainer Mersad Selimbegovic hatte vor dem Sieg über Würzburg drei Niederlagen in Serie kassiert. Doch der Flügelspieler glaubt an sich und seine Mitspieler. Man habe sich trotz vieler Neuzugänge schnell gefunden, erzählt Vrenezi. „Wir sind wirklich ein Team, das ist ganz wichtig.“

Vrenezi: „Wie im Amateurfußball“

Im Grunde, findet der in München aufgewachsene Kosovare, sei der Unterschied zu einer Amateurmannschaft gar nicht so groß. „Es besteht schon eine Ähnlichkeit. Man hat Spaß und macht auch privat mal was zusammen. Auch in der Kabine gehören Späße dazu – wie im Amateurfußball.“ Aber, schränkt Vrenezi ein, „es ist eben auch der Job“. Während es für Amateurkicker vielleicht nicht so relevant sei, mal auf der Bank zu sitzen, „ist das als Profi natürlich etwas anderes. Da musst du im Training dann auf jeden Fall noch viel mehr Gas geben.“

Gas gegeben hat Albion Vrenezi, den alle nur „Albi“ nennen, immer – und er ist dadurch Schritt für Schritt nach oben geklettert. Ab der C-Jugend spielte er beim SV Planegg-Krailling, als 18-Jähriger debütierte er unter dem damaligen SVP-Trainer Christian Spiegel in der ersten Mannschaft. Nach einer Saison in der Bezirksliga Süd wechselte er 2013 zunächst zum damaligen Bayernligisten FC Unterföhring, 2015 zog es ihn noch eine weitere Klasse höher in die Regionalliga zur U23 des FC Augsburg.

Manuel Baum verlieh Feinschliff

In der Fuggerstadt erhielt er den „Feinschliff auf dem zweiten Bildungsweg“, wie es der heutige Schalke-Trainer Manuel Baum, damals Chef des Augsburger Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), gegenüber dem Online-Portal „liga-drei.de“ ausdrückte. Trotz der für einen Amateurverein guten Ausbildung in Planegg war Vrenezi mit den taktischen Feinheiten nicht so vertraut wie Spieler, die aus einem NLZ kamen. „Die spezielle Vorbereitung auf jeden einzelnen Gegner mit Videoanalysen und viele weitere Details: Das gibt es natürlich im Amateurfußball nicht“, erzählt der 27-Jährige. Auch die Defensivarbeit lag ihm nicht von Anfang an im Blut. „Ich musste erst lernen, dass man als Offensivspieler nicht nur für die Offensive zuständig ist. Jetzt ist es ganz normal für mich, dass ich auch defensiv mitarbeite – und es macht mir auch Spaß“, beschreibt Vrenezi seinen Lernprozess.

Im Spiel nach vorne zeigte der nahezu beidfüßige und trickreiche Flügelspieler in jeder Liga seine Klasse. „Das, was Vrenezi beherrscht, kann niemand erlernen. Das ist Gottes Gabe“, so Manuel Baum über den ehemaligen Schützling. Sein aktueller Trainer Mersad Selimbegovic arbeitete bereits während Vrenezis ersten zwei Jahren in Regensburg mit ihm zusammen, damals noch als Co-Trainer unter Achim Beierlorzer. „Er baut mich auch auf, wenn ich keinen Scorerpunkt sammle, und sucht immer wieder den Dialog, damit ich mich weiter verbessern kann“, berichtet Vrenezi. Das Dribbeln möchte ihm Selimbegovic keineswegs verbieten. „Er sagt mir manchmal sogar, ich soll mehr ins Eins-gegen-eins gehen.“ Es gehe aber darum, „im richtigen und entscheidenden Moment zu dribbeln“. Auch seine Effizienz will Vrenezi steigern: „Ich versuche, die wenigen Chancen, die man bekommt, für ein Tor oder eine Vorlage zu nutzen.“

Weiterhin hohe Ziele

Albion Vrenezi hat es aus der Jugend des SV Planegg-Krailling bis in die 2. Fußball-Bundesliga geschafft. Er hat weiterhin hohe Ziele, ausführlich über persönliche Ambitionen sprechen möchte er in der Öffentlichkeit aber nicht. Stattdessen – daran hat sich seit seiner Zeit als Jugendspieler nichts geändert – konzentriert er sich auf Fußball. Mit dieser Einstellung ist Vrenezi bereits weit gekommen. Man darf gespannt sein, wohin sie ihn noch führt.

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