Vorerst keinen Einsatz mehr haben die Fußballer des TSV Tutzing um Sebastian Listl (vorne).
+
Vorerst keinen Einsatz mehr haben die Fußballer des TSV Tutzing um Sebastian Listl (vorne).

„Eleganter Mittelweg“

Corona-Sorge: TSV Tutzing verweigert Spiele - meldet aber nicht ab

  • vonMichael Grözinger - Redakteur
    schließen

Der TSV Tutzing hat sich entschieden: „Wir werden dieses Jahr kein Spiel mehr bestreiten“, kündigt Philipp Simon an.

VON MICHAEL GRÖZINGER

Tutzing – Zwei Optionen legte sich der Fußballabteilungsleiter am Dienstag zurecht, nachdem der Bayerische Fußball-Verband (BFV) erklärt hatte, die Saison am 19. September fortzusetzen. „Es steht zur Debatte, dass wir unsere Herrenmannschaften nach dieser Entscheidung vom Spielbetrieb zurückziehen“, sagte er. Alternativ wollten die Verantwortlichen „schauen, dass wir aus sämtlichen Altersklassen genügend Spieler zusammenkratzen, die bereit sind, das Risiko einzugehen“ (wir berichteten). Nun eröffnet sich den Tutzingern ein Mittelweg, den Simon als „elegante Zwischenlösung“ bezeichnet: Der TSV verlegt seine acht Spiele, die heuer für die beiden Herrenteams noch angestanden hätten (jeweils vier für erste und zweite Mannschaft), ins kommende Frühjahr – und muss sich nicht vom Spielbetrieb abmelden. Von der Teilnahme am Ligapokal tritt der Verein zurück.

In diesem Jahr noch mal zu spielen, kam für die Tutzinger Fußballer nicht infrage. „Wir hatten eine Sitzung, an der 20 Spieler teilgenommen haben. Nur vier wollten dieses Jahr weiterspielen, 16 waren dagegen“, teilt Abteilungsleiter Simon mit, der selbst dem Spielerkader angehört und in der unterbrochenen Saison neunmal für die erste Mannschaft in der A-Klasse aufgelaufen war. Bereits im Vorfeld der Abstimmung hatte sich der 28-Jährige beim Verband die mündliche Zusage eingeholt, dass der A-Klassist im Falle einer Abmeldung nicht – wie üblich – als Bestrafung in die C-Klasse, sondern lediglich in die B-Klasse absteigen muss. Dank der Möglichkeit der Spielverlegungen ist nun nicht einmal das nötig. „Ein großes Dankeschön an Spielgruppenleiter Erhard Mach und den BFV, dass sie das möglich gemacht haben“, sagt Simon, bei dem in den vergangenen Tagen die Telefonleitung glühte.

Denn die Bedingung für das Entgegenkommen des Verbands war, dass sich der Verein selbstständig um die Verlegungen kümmert und sich gemeinsam mit den Gegnern auf neue Termine (zwischen Ende März und Anfang Mai 2021) einigt. Am Freitagnachmittag hatte der Tutzinger Abteilungsleiter bereits drei der vier für 2020 geplanten A-Klasse-Spiele verlegt sowie eine Partie der C-Klasse-Reserve. Dabei stieß er durchgehend auf verständnisvolle Resonanz der Kontrahenten. Die Spiele müssen im Frühjahr 2021 allesamt unter der Woche stattfinden. „Da werden bei uns die Beine irgendwann schwer werden“, vermutet Simon schmunzelnd.

Damit die TSV-Fußballer körperlich dann nicht bei null starten müssen, findet in den kommenden Monaten einmal in der Woche ein freiwilliges Training statt. „Wir sind ja alle Fußballer und wollen spielen, aber so halten wir das Risiko in unserer kleinen Gruppe in Grenzen“, erklärt Simon. Die zusätzliche Freizeit, die sich den Herrenspielern nun bietet, wollen diese zumindest teilweise sinnvoll ihrem Verein widmen: beispielsweise den Jugendtrainern bei den Einheiten unter die Arme greifen oder bei den Spielen des Nachwuchses als Ordner fungieren. Denn dass die Tutzinger Junioren die Saison absolvieren, ist durchaus denkbar. „Im Jugendbereich gibt es bei uns noch keine Entscheidung, da werden aktuell die Eltern mit ins Boot geholt“, sagt Simon. Der Abteilungsleiter hofft nun darauf, dass die Fallzahlen im Frühjahr deutlich sinken werden – und mit ihnen das Risiko einer Infektion.

Dass fast alle anderen Fußballteams bereits jetzt wieder loslegen, verteufelt Simon übrigens keineswegs. „Ich verstehe sie ja“, sagt er. Schließlich spiele man auch wegen der Wettkämpfe Fußball. „Aber bei uns waren die Bedenken größer als die Lust zu kicken.“ 2021 soll sich die Gewichtung wieder umdrehen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare