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DFB-Pokal: Viertelfinale abgesagt! Corona-Fälle bei Überraschungs-Team verhindern historisches Spiel

DFB-Pokal: Viertelfinale abgesagt! Corona-Fälle bei Überraschungs-Team verhindern historisches Spiel
Ohne negativen Corona-Test lässt Gilchings Robert Brand keinen Rückkehrer aus einem Risikogebiet aufs Gelände.
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Ohne negativen Corona-Test lässt Gilchings Robert Brand keinen Rückkehrer aus einem Risikogebiet aufs Gelände.

Starnberger Kreisklassisten lassen Vorsicht walten

Inning verzichtet auf Testspiele - Herrschings Maier beklagt Chaos

  • vonChristian Heinrich
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Die Corona-Pandemie hält natürlich auch die Kreisklassisten aus dem Landkreis Starnberg in Atem. Die Klubs haben unterschiedliche Herangehensweisen.

Landkreis – Es ist nicht so, dass Florian Maier die vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV) auferlegten Hygienevorschriften total ablehnt. Beim Testspiel gegen den TSV Erling-Andechs ließ der Abteilungsleiter des TSV Herrsching alle Spieler brav in Kleingruppen zum Platz gehen und in solchen auch wieder das Grün verlassen – mit dem obligatorischen Mundschutz, versteht sich. Dass sie sich während der 90 Minuten ungeschützt gegenseitig auf die Pelle rückten, spielte keine Rolle. „Das ergibt für mich überhaupt keinen Sinn“, sagt Maier.

Corona-Pandemie: Brand beobachtet gewisse Vorsicht bei seinen Spielern

Seit einem halben Jahr sucht der Fußball nach einem adäquaten Umgang mit Covid-19. „Irgendwo haben sie es schon im Kopf, dass Corona lebt“, meint Robert Brand bezüglich seiner Spieler. Der Trainer der Gilchinger Reserve beobachtet eine gewisse Vorsicht im Verhalten der Fußballer, die er vorher nicht kannte. Keiner von ihnen gibt die eigene Trinkflasche mehr aus der Hand. Aber hilft das, wenn auf dem Rasen Fußball mit vollem Körperkontakt gespielt wird? „Es ist alles nur ein Chaos“, so Maier, der die ganzen Widersprüche nicht mehr ertragen kann. Wäre es nach dem Herrschinger gegangen, hätte man bereits im Frühjahr die Saison für beendet erklärt, mit einer Quotientenregelung wie im Handball die Aufsteiger gekürt und Gnade mit allen Teams auf einem Abstiegsplatz walten lassen.

Nun wird die Entscheidung der bayerischen Funktionäre zum Fluch: Die Runde will einfach keinen Neubeginn und schon gar kein Ende nehmen. Mittlerweile lässt sich die Uhr danach stellen, wann der Verband den Vereinen mangels Freigabe der Regierung neue Termine für den Restart nennen muss. So ist das letzte Drittel des Jahres angebrochen, ohne dass die Politik dem Treiben des BFV eine besondere Bedeutung beimisst. Warum sollte sie auch? Der Gedanke scheint zu sein: Ohne Fußball in den Amateurklassen wird niemand krank oder stirbt daran, aber mit Fußball steigt das Risiko. „Ich glaube nicht an einen Restart Ende September“, sagt Maier. Er versetzt sich in die Lage der Regierung. „Die wäre ja blöd.“

SV Inning: Keine Testspiele wegen erhöhtem Infektionsrisiko

Die Skepsis ist nicht nur in der Staatskanzlei verbreitet. Auch die Vereine der Kreisklassen üben sich in Zurückhaltung. Im Frühjahr wollte der SV Inning noch zu einem Trainingslager in die Lombardei aufbrechen, als Corona dort schon wütete. Im Spätsommer fährt der Klub vom Ammersee einen strikt defensiven Kurs. „Es bringt nichts, Testspiele zu machen, dann haben wir ein noch größeres Infektionsrisiko“, begründet Mathias Müller die Entscheidung. Deshalb versammelt der Coach sein Team nur zum Training um sich. Alle anderen Vereine nehmen das Risiko in Kauf, versuchen aber, sich so gut wie möglich zu schützen. Urlaubsrückkehrer aus Risikogebieten müssen sich einem Corona-Test unterziehen, wenn sie wieder trainieren oder spielen wollen. „Es kommt keiner aufs Gelände, wenn nicht ein negatives Ergebnis vorliegt“, stellt Gilchings Brand klar.

Das ist in Weßling, Perchting, Gauting, Herrsching und Höhenrain nicht anders. Der FSV etwa unternahm zahlreiche Anstrengungen, damit Fußball wieder möglich ist. Beim Training sind alle vier Kabinen geöffnet, die Sitzplätze markiert, und nur die äußeren Duschen laufen. „Der Gastverein bekommt eine Kurzfassung unseres Hygienekonzepts“, betont Vorsitzender Christian Feirer. Für zusätzliche Sicherheit würden Corona-Tests vor und nach jedem Spiel sorgen. Aber weder besitzen die Amateurvereine dafür das nötige Kleingeld noch existieren genügend Arztpraxen und Labore, um einen solchen Ansturm zu bewältigen.

Kammerlander: Junge Leute wollen wieder normales Leben führen

„Leben ist lebensgefährlich“, sagt Christoph Kammerlander. Eine absolute Sicherheit gebe es nie. Der Perchtinger Trainer sieht nicht nur die in dieser Situation gebotene Vorsicht vor dem Virus. „Ich merke auch den großen Drang bei den jungen Leuten, dass sie wieder ihr normales Leben führen wollen.“ Nur wie berechtigt ist dieses Verlangen zu Zeiten einer Pandemie, die noch immer nicht besiegt ist? In Tagen, in denen nichts normal ist und sich die ganze Welt im Ausnahmezustand befindet? Der Fußball dreht sich weiter, auch wenn Corona lebt – nicht nur in den Köpfen der Kicker.  hch

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