Fußballspielen im Freien birgt laut namhaften Aerosol-Forschern so gut wie keine Ansteckungsgefahr. Dennoch ist Mannschaftstraining für Kinder derzeit verboten. Ab Montag könnte Sport in Fünfergruppen für unter 14-Jährige wieder erlaubt sein.
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Fußballspielen im Freien birgt laut namhaften Aerosol-Forschern so gut wie keine Ansteckungsgefahr. Dennoch ist Mannschaftstraining für Kinder derzeit verboten. Ab Montag könnte Sport in Fünfergruppen für unter 14-Jährige wieder erlaubt sein.

Die Trainerin und Jugendleiterin des B-Klassisten im Interview

FT Starnberg 09: Katrin Rumland über Hin und Her im Jugendfußball

  • Michael Baumgärtner
    vonMichael Baumgärtner
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Mit der neuen Notbremse dürfen auch bei einer Inzidenz von über 100 Kinder in Gruppen Sport treiben. Wir haben mit Katrin Rumland vom FT Starnberg 09 darüber gesprochen.

Starnberg – Erst hü, dann hott, Training ja, Training nein. Fast wöchentlich ändern sich für die Sportvereine die Vorgaben, was erlaubt ist und was nicht. Seit Anfang dieser Woche, nachdem der Inzidenzwert im Landkreis die 100er-Marke wieder ununterbrochen überschritten hatte, musste auch das Gruppentraining für Kinder unter 14 Jahre eingestellt werden. Nach dem neuen Gesetz über die bundesweite Notbremse, das gestern trotz massiver Kritik auch vom Bundesrat durchgewunken wurde und ab Montag in Kraft treten soll, gelten dann wieder neue Regeln. Auch bei einer Inzidenz über 100 dürfen laut dieser Verordnung Kinder in Gruppen bis zu fünf Personen im Freien kontaktlos Sport treiben.

Wie gehen die Vereine mit diesem ständigen Hin und Her um, wie belastend ist für sie diese Situation? Wir sprachen stellvertretend für alle Fußballvereine mit Katrin Rumland. Die 36-Jährige ist Jugendleiterin und Trainerin bei der FT Starnberg 09 und Mutter einer einjährigen Tochter und zweier Söhne (7, 9). In der Fußballabteilung der Freien Turner sind über 230 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in 16 gemeldeten Mannschaften plus zwei Mini-Gruppen aktiv.

Frau Rumland, das ständige Hin und Her, immer wieder neue Corona-Bestimmungen. Was bedeutet das für Sie als Verantwortliche im Jugendfußball?

Der organisatorische Aufwand ist schon sehr groß. Schließlich machen wir das alles ehrenamtlich. Die Frage ist aber: Lassen wir einfach alles sein oder machen wir, was möglich ist? Wir haben uns früh dafür entschieden, alles anzubieten, was geht, und diesen Kurs werden wir auch weiter fahren.

Katrin Rumland: „Jedes Kind soll bei uns pro Woche 30 Minuten Einzeltraining erhalten“

Wie hält man da die Trainer bei der Stange?

Glücklicherweise ziehen alle unsere Trainer mit. Bei uns läuft das auf freiwilliger Basis. Unsere Trainer haben viele Ideen und sind sehr kreativ, da entwickelt sich eine richtige Gruppendynamik. Momentan zum Beispiel bieten wir Online-Training und auch Einzeltraining an. Wir wollen ja die Kinder wieder auf den Platz bringen. Jedes Kind soll bei uns pro Woche 30 Minuten Einzeltraining erhalten. Das ist zwar ein enormer Aufwand, auch finanziell, weil ja die Trainer dadurch mehr Übungseinheiten leiten als normal. Und unsere Trainer machen vor jeder Trainingseinheit einen Corona-Test. Der Verein hat Schnelltests gekauft, die er zur Verfügung stellt. Die Kinder werden in der Schule ja auch getestet, wir müssen da eine Vorbildfunktion haben.

Wie kommt das Einzeltraining an?

Sehr gut, die Trainer bekommen viel Lob. Vor allem die Reaktionen der Eltern sind super positiv. Wir bekommen viele Rückmeldungen, wie zum Beispiel: „Ihr übernehmt Verantwortung und erhaltet damit unseren Kindern die Freude am Fußball und an der Gemeinschaft. Ein tolles Vorbild in diesen Zeiten.“ Oder: „Es ist einfach toll und bewundernswert, mit welchem Engagement ihr für die Kids dabei seid. Das ist nicht selbstverständlich.“ Oder: „Ganz vielen Dank, ihr Lieben. Es ist wirklich super, dass ihr das anbietet.“

Katrin Rumland: „Viele Experten sagen, dass es kontraproduktiv ist, wenn die Kinder keinen Sport machen“

Es besteht also nicht das Problem, dass Eltern ihre Kinder aus dem Verein abmelden?

Nein, wir haben nur ganz wenige Abgänge, nicht mehr als in normalen Zeiten auch. Ganz im Gegenteil. Erst letzte Woche haben wir wieder vier jüngere Neuzugänge gehabt. Vielleicht auch deswegen, weil sie sehen, dass wir uns so bemühen.

Obwohl seriöse Wissenschaftler zuletzt immer wieder betonten, dass bei Sport im Freien so gut wie keine Ansteckungsgefahr besteht, ist Mannschaftstraining derzeit verboten. Wie sehen Sie das?

Ich verstehe das nicht. Viele Experten sagen auch, dass es in vielerlei Hinsicht kontraproduktiv ist, wenn die Kinder keinen Sport machen. Wenn die Kinder beispielsweise keine festen Termine mehr haben, gewöhnen sie sich daran, dass sie gar nichts mehr machen. Ich kann auch nicht verstehen, dass die Kinder nicht mit einem tagesaktuellen Test, den sie am Vormittag in der Schule gemacht haben, am Nachmittag zum Sport gehen können. Mir ist kein einziger Fall bekannt, dass sich ein Kind bei uns mit Corona angesteckt hätte.

Katrin Rumland: „Die Kinder fragen andauernd, wann sie wieder richtig Fußballspielen können“

Inwiefern begrüßen Sie es, dass die am Donnerstag vom Bundesrat abgesegnete bundesweite Corona-Notbremse unter 14-Jährigen erlaubt, auch bei einer Inzidenz von mehr als 100 in Fünfergruppen zu trainieren?

Das bringt uns natürlich viel. Auch wenn nach wie vor nur kontaktfreier Sport möglich ist. Die Kinder fragen andauernd, wann sie wieder richtig Fußballspielen können. Der Wettkampf fehlt ihnen einfach total. Wir haben jetzt einige Fußballtennis-Netze gekauft, damit können die Kinder wenigstens ein bisschen wettkampfspezifisch trainieren.

Sie legen also ab Montag gleich wieder mit dem Gruppentraining los?

Da müssen wir erst mal abwarten, wie tatsächlich entschieden wird. Wir sagen immer zu unseren Spielern und Eltern, wir müssen warten, bis der Schiri pfeift. Und der Schiri ist für uns der Landrat. Je nachdem, was der verfügt, entsprechend werden wir reagieren.

(Michael Baumgärtner)

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