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Weiter nur im Testspielmodus: Andreas Maier (l.) vom MTV Berg und Oberaltings Ritvan Maloku.

Der TSV Oberalting-Seefeld hält eine Klage für unverhältnismäßig

BFV-Klage: TSV Gilching und MTV Berg bewerten Lage unterschiedlich

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Während Florian Garke vom MTV Berg den Vorstoß des Verbands befürwortet, sehen seine Abteilungsleiter-Kollegen eine mögliche Lage kritisch.

Die Enttäuschung war immens. In ihrer jüngsten Kabinettssitzung hat die Bayerische Staatsregierung am Dienstag beschlossen, die aktuell gültige 6. Infektionsschutzmaßnahmenverordnung bis Freitag, 18. September, zu verlängern (wir berichteten). Heißt für alle Kontaktsportler: Wettkämpfe bleiben mit Ausnahme von Trainingsspielen verboten, auch Zuschauer sind weiterhin keine erlaubt. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) möchte diese Entscheidung nicht wortlos akzeptieren – und erwägt sogar, gerichtlich dagegen vorzugehen.

Dies ist der entscheidende Aspekt einer Pressemitteilung, die der BFV gestern Vormittag auf seiner Homepage veröffentlicht hat. Der Verband plant dabei jedoch keinen Alleingang. Er ruft alle bayerischen Fußballvereine dazu auf, in einer Online-Umfrage ihre Meinung zum weiteren Vorgehen des BFV abzugeben. Bis Montag, 7. September, 10 Uhr, können die Vereine folgende drei Fragen mit ja oder nein beantworten:

1. Halten Sie die Entscheidung der Staatsregierung, Wettkampfspiele im bayerischen Amateurfußball nach wie vor nicht zu erlauben und auch keine Zuschauer in begrenztem Umfang zuzulassen, für richtig?

2. Wollen Sie, dass der Wettkampfspielbetrieb im Jahr 2020 baldmöglichst wieder aufgenommen wird und der BFV sich dafür einsetzt?

3. Soll der BFV rechtlich gegen das Verbot des Wettkampfspielbetriebs im Amateurfußball vorgehen und gegebenenfalls gerichtlich Gleichbehandlung mit Freiluft-Kulturveranstaltungen analog § 21 Abs. 2 der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung geltend machen?

Die Ergebnisse will der Verband noch vor der nächsten Sitzung des Ministerrats am Dienstag, 8. September, veröffentlichen, um womöglich eine neue Entscheidung der Staatsregierung zu erwirken. Auch wenn BFV-Präsident Dr. Rainer Koch betont: „Der Gang vor Gericht ist unser letztes Mittel.“

Für Stefan Schwartling eine grundsätzlich verkehrte Herangehensweise. „Der Söder lässt sich doch nicht von uns Amateurfußballern unter Druck setzen“, stellt der Abteilungsleiter des Landesligisten TSV Gilching-Argelsried klar. Ihm ist es nach wie vor ein Rätsel, warum der BFV die laufende Saison nicht schon längst abgebrochen hat, so wie nahezu alle weiteren deutschen Fußballverbände. „Dann hätten wir dieses Problem jetzt gar nicht“, sagt Schwartling. „Das ist alles hausgemacht.“ Er selbst würde daher gegen eine Klage votieren. Ob dies auch für seine Kollegen im Vorstand des TSV Gilching gilt, möchte Schwartling jedoch nicht beurteilen. „Da müssen wir uns erst zusammensetzen und schauen, wie die Mehrheit zu dem Thema steht.“

Kritisch steht einem möglichen Gang vor Gericht auch Peter Tempfli gegenüber. „Ich fände das übertrieben“, sagt der Abteilungsleiter des TSV Oberalting-Seefeld. Den Ärger mancher Kollegen über den erneut verschobenen Re-Start kann er zwar nachvollziehen. Jedoch plädiert er dafür, die Entscheidung der Staatsregierung zu akzeptieren. Bei der derzeit steigenden Zahl an Corona-Infizierten sei schließlich in allen Lebenssituationen besondere Vorsicht geboten. „Da können wir Amateursportler uns nicht rausnehmen.“ Tempfli mahnt zur Gelassenheit. „Erst einmal den Ball flachhalten.“

Deutlich aufgeschlossener begegnet Florian Garke dem Vorstoß des BFV. „Ich könnte mir eine Klage vorstellen“, sagt der Abteilungsleiter des MTV Berg. Zwar seien die Verantwortlichen beim Bezirksligisten ob der ungeklärten Lage rund um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs relativ entspannt. „Wir stehen finanziell nicht unter Druck“, betont Garke. Jedoch bringen ihn die Nachrichten aus anderen Bundesländern durchaus ins Grübeln. „Wenn ich lese, dass in Leipzig Bundesliga-Fußball vor knapp 9000 Zuschauern erlaubt sein soll, verstehe ich nicht, wieso wir in Bayern nicht vor 100 Leuten spielen dürfen.“ Dass der Verband seine Mitgliedsvereine mittels der Online-Abstimmung zu Rate zieht, bewertet Garke als positiv. „Ist doch schön, wenn jeder mitreden darf – und so erhält das Votum auch automatisch mehr Gewicht.“

Unschlüssig ist Ismail Yilmaz. Der Abteilungsleiter des SC Pöcking-Possenhofen bezweifelt, dass es noch einen Weg gibt, die Saison vor Ende des Jahres fortzusetzen. Eine mögliche Klage hin oder her. „Dafür fehlen mir das Vertrauen und die Fantasie“, sagt er. Dass es prinzipiell möglich wäre, Fußballspiele mit wenigen hundert Zuschauern auszutragen, ohne dabei die Mindestabstandsregeln zu missachten, steht für ihn außer Frage. Entscheidend sei nur, ob die Regierung daran überhaupt Interesse habe. „Und das bezweifle ich.“      (Simon Nutzinger)

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