Ordentliches Training statt Psychotricks vom Guru

- Brand nutzt Steilpass nicht und setzt seinen Kurs unbeirrt fort

Starnberg (hch) - Der verbale Steilpass zur finalen Selbstdarstellung ging ins Leere. "In dieser Situation ist der Trainer zu 80 Prozent als Psychologe gefordert", referierte Frank Niederländer. Ein Christoph Daum hätte die Vorlage des Starnberger Fußball-Managers dankend aufgenommen und stundenlang über Geldscheine an der Kabinentür oder Spieler, die über glühende Kohlen laufen, monologisiert. Aber Klaus Brand ist kein rhetorischer Filigrantechniker und auch kein Schaumschläger. Der Starnberger Trainer verpasste die Chance, Werbung in eigener Sache zu betreiben, nachdem der letzte Tabellenplatz seiner Mannschaft auch sein Ansehen in Mitleidenschaft zu ziehen drohte.

"Die Situation ist nicht leicht", hatte FT-Vorsitzender Josef Bersch vor der Partie gegen Falke Markt Schwaben gestöhnt, wohl wissend, dass eine erneute Niederlage den Ruf nach personellen Konsequenzen zu einem Orkan hätte anschwellen lassen. Brand verwies nicht auf vermeintliche psychologische Fähigkeiten, mit denen er aus seinen Spielern das 3:0 gegen die Falken herausgekitzelt hat. Die Antwort auf das überraschende Erfolgsrezept ist banal. "Nichts" beteuerte der Trainer, habe er vor diesem Spiel anders gemacht als sonst. "Du musst nur vernünftig trainieren", beschränkte er die hohe Mathematik des Fußballs auf eine simple Formel, die schon der deutsche Kicker-Guru J. W. Goethe ein paar Jahrzehnte zuvor erkannt hatte: "Wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen."

Dieses stete Streben ist nicht nur dem stillen Handwerker Brand eigen, sondern scheint sich allmählich auch auf seine Spieler zu übertragen. Die haben ihrem verwegenen Hang zu erlesener Kunstfertigkeit inzwischen abgeschworen und ihre Vortragsform auf einfache Grundelemente beschränkt. "Die Mannschaft hat erkannt, dass sie nur mit spielerischen Mitteln nichts machen kann", stellte der Coach fest. Seit der Partie gegen Ingolstadt wird wieder malocht.

Ebenso erleichtert hat der Coach zur Kenntnis genommen, dass bei seinen Spielern endlich der lange herbei gewünschte Konkurrenzkampf ausgebrochen ist. Robert Weidel und Stefan Matiasovits, vor Wochen noch als Warmduscher gebrandmarkt, haben sich einen Stammplatz ergattert. "Da müssen sich erst andere aufdrängen und so lange warten, dass sie ihre Chance bekommen", freut sich Brand über die gelungene Integration der beiden ehemaligen Germeringer.

Das alles bedeutet die Rückkehr zur Normalität an der Ottostraße. Psychologie ist wirklich nichts Außergewöhnliches.

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