Die Zwillinge Manuel und Patrick Feicht spielen schon in ihrer gesamten Fußballkarriere zusammen. Der SC Weßling ist die neunte gemeinsame Station der Brüder.
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Die Zwillinge Manuel und Patrick Feicht spielen schon in ihrer gesamten Fußballkarriere zusammen. Der SC Weßling ist die neunte gemeinsame Station der Brüder.

Der SC Weßling ist die neunte gemeinsame Station der Brüder

SC Weßling: Familie Feicht als Hoffnungsträger

  • vonChristian Heinrich
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Die Zwillinge Manuel und Patrick Feicht spielen schon in ihrer gesamten Fußballkarriere zusammen. Der SC Weßling ist die neunte gemeinsame Station der Brüder.

Oberalting/Weßling – Fragt man den einen, bekommt man dieselbe Antwort wie vom anderen. „Ich werde mich in der Rückrunde beim TSV Oberalting reinknien“, verspricht Patrick Feicht. Er wolle alles in den Klassenerhalt des vom Abstieg bedrohten Kreisligisten investieren.

Etwas anderes hat auch Manuel Feicht nicht im Sinn: „Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich immer 100 Prozent gebe.“ Dass sich die Brüder verbal fast synchron bewegen, hängt auch damit zusammen, dass sie Zwillinge sind. Als sie vor 29 Jahren am 31. Januar das Licht der Welt erblickten, war Patrick eine Minute schneller. Ein besonderes Vorrecht leitet der Erstgeborene daraus nicht ab: „Keiner von uns beiden gibt den Ton an.“


Die Brüder sind „Beste Freunde“



Das Verhältnis, das die beiden Brüder zueinander pflegen, geht über die übliche Beziehung unter Geschwistern hinaus. „Er ist mein bester Freund“, sagt der eine über den anderen. Sie haben vieles miteinander erlebt und vieles gemeinsam gemacht. Das Fußballspielen lernten sie im Garten von ihrem Vater Christian Feicht, die ersten richtigen Schritte machten sie beim SC Wörthsee, die nächsten beim SV Inning, bevor sie beim TSV Gilching landeten.

Von dort ging es weiter zum TSV 1860 München, dann zum FC Bayern. Sie spielten gegen Real Madrid oder den FC Chelsea. Manuel war sogar Kapitän beim FCB, aber in den nächsten Jahrgang befördert wurden beide nicht. Die A-Jugend verbrachten sie beim FC Augsburg. „Natürlich war es das Ziel, dass es einer von uns schafft“, erzählt Patrick. Sie träumten von einer Profikarriere. Und sie waren nicht weit davon entfernt, spielten in der Junioren-Bundesliga und waren die Jüngsten, die jemals beim FCA einen Fördervertrag erhielten.

Verletzungen vermiesen die Pläne der beiden Brüder


Aber irgendetwas fehlte, als der Sprung zu den Erwachsenen bevorstand. Manuel riss sich mit 17 Jahren das linke Kreuzband. Der Weg nach ganz oben war verbaut. „Pläne hatte ich andere“, räumt er ein. Auch sein Bruder hatte immer wieder mit diversen Verletzungen zu kämpfen. Richtig durchspielen konnte er keine Saison. „Ein, zwei Jahre mal am Stück, das wäre es gewesen“, sinniert Patrick.

Manuel Feicht: „Patrick wäre einer gewesen für die 2. Bundesliga“


Im Sommer 2011 verließen die Feichts Augsburg und schlossen sich dem SC Fürstenfeldbruck an. Defensiv-Experte Manuel hielt beim ehemaligen Bayernligisten zwei Jahre durch, dann führte ihn der Weg zum TSV Oberalting. Patrick blieb nur eine Saison, aber eine sehr erfolgreiche. „Ich habe länger daran geglaubt als mein Bruder“, erzählt er. Als ein Angebot vom FC Ingolstadt II kam, sagte er ab. „Darüber ärgere ich mich heute noch“, gibt er zu. Er versuchte es beim FC Ismaning, beim SC Oberweikertshofen und beim TSV Schwaben Augsburg. „Du kommst dann in ein Alter, wo langsam der Zug abgefahren ist“, sagt der Stürmer. „Patrick wäre einer gewesen für die 2. Bundesliga“, ist Manuel Feicht überzeugt. „Er war wirklich Wahnsinn.“ Patrick erklärt die Leidenschaft, die in ihm brennt: „Wenn ich auf dem Platz stehe, schalte ich alles andere ab. Da bin ich frei, da bin ich ich selbst.“

Christian Feicht: „Wenn ihr beide ein Spieler wärt, wäre das nahezu perfekt“


Als er 2018 nach Oberalting kam, traf er dort nicht nur seinen Bruder wieder, sondern auch den Trainer, der ihnen von Kindesbeinen vieles ermöglicht hatte: seinen Vater Christian. Der heute 56-Jährige hatte einst nach zehn Amtsjahren seine Zeit als Coach des TSV Gilching beendet, um sich ganz dem sportlichen Werdegang seiner Kinder zu widmen. „Wenn ihr beide ein Spieler wärt, wäre das nahezu perfekt“, sagte er seinen Söhnen einmal.

Natürlich schwärmen Väter immer, wenn sie ihre Sprösslinge beurteilen. Christian Feicht sah viele Kicker kommen und gehen. Dass seine Söhne Talent haben, wusste er von Anfang an. Beide waren extrem schnell. Während Patrick beidfüßig schießen konnte und sich damit zu einem effektiven Offensivspieler entwickelte, perfektionierte Manuel das Kopfballspiel. Darüber hinaus bestach der Jüngere, der in der Defensive verschiedene Positionen übernahm, durch seine Handlungsschnelligkeit. „Wenn bei ihm nicht der Kreuzbandriss gewesen wäre“, ärgert sich der Vater immer noch.

Söhne ziehen mit dem Vater zum SC Weßling mit


Zusammen mit seiner Frau Claudia gab er seinen Buben eine ganze Menge für ihr Leben mit. Beide verstehen sich nicht nur blendend untereinander, sondern auch hervorragend mit ihren Eltern. „Sie haben viel Gutes dazu beigetragen“, sagt Patrick, der sich bei Mutter und Vater für alle Unterstützung bedankt. Da versteht es sich von selbst, dass er und sein Bruder auch etwas zurückgeben. Patrick zögerte keinen Augenblick, seinem Vater zu folgen, als der ihm von seinem neuen Trainerjob beim SC Weßling erzählte. „Es war klar, dass ich auf jeden Fall mitgehen werde, falls er einen Verein mit Potenzial hat,“ erklärt er. „Ich habe sofort Ja gesagt.“ Auch Manuel musste nicht lange überlegen, bis er sich seinem Bruder anschloss: „Papa kennt uns in- und auswendig. Wir drei ergänzen uns super.“

Manuel Feicht: „Ich bin mir sicher, dass wir in Weßling ein super Projekt aufbauen können“


Es gibt Kinder, denen es irgendwann dann doch etwas zu viel des Guten wäre, wenn ihr Vater sie auch noch im reifen Alter trainieren würde. Die Feichts sind da anders. „Ich bin mir sicher, dass wir in Weßling ein super Projekt aufbauen können“, sagt Manuel, der nach seinem Wirtschaftsingenieur-Studium als Berater zu arbeiten begann. Auch Patrick vermutet, dass die gemeinsame Zusammenarbeit für alle fruchtbar wird: „Wir werden uns gut ergänzen.“

Er selbst wird bei diesem Vorhaben etwas mehr als sein Bruder gefordert sein. Schließlich soll Patrick Feicht nach einer Übergangszeit im Frühjahr anschließend als Co-Trainer beim Sportclub einsteigen. Für den Lageristen eröffnet sich dabei eine neue Perspektive: Er kann jungen Spielern helfen, ihren Traum vom Fußball zu verwirklichen, den er und sein Bruder nicht bis zum Schluss leben konnten, der sie aber bis heute erfüllt.

(CHRISTIAN HEINRICH)

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