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Feicht coacht Weßling ins Ziel: „Nicht jeder mit meinen Methoden glücklich“

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Von: Christian Heinrich

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Erschöpft nach einer nervenaufreibenden Saison: Christian Feicht schaffte mit dem SC Weßling trotz vieler Widrigkeiten den Aufstieg in die Kreisliga – es war sein insgesamt vierter Aufstieg als Trainer.
Erschöpft nach einer nervenaufreibenden Saison: Christian Feicht schaffte mit dem SC Weßling trotz vieler Widrigkeiten den Aufstieg in die Kreisliga – es war sein insgesamt vierter Aufstieg als Trainer. Foto: Andrea Jaksch © Andrea Jaksch

„Ich habe versucht, der Mannschaft zu geben, was ich konnte“, sagt Christian Feicht. Es war nicht wenig, was der Trainer in den vergangenen anderthalb Jahren in die Fußballer des SC Weßling investierte.

Weßling – Zum ersten Mal in seiner Geschichte steigt der Sportclub in die Kreisliga auf. Abgerundet wird dieser Erfolg durch den zweiten Platz der Reserve in der B-Klasse, weshalb man in Weßling sogar einen Doppelaufstieg feiern kann.

Für Feicht ist es das vierte Mal, dass er eine Mannschaft nach oben führt. Zuvor ist ihm das zweimal mit dem TSV Gilching und einmal mit dem TSV Oberalting gelungen. Wir sprachen mit dem Coach über die Kraft des Willens, seine persönliche Entwicklung und die seiner Mannschaft sowie über die kommenden Herausforderungen in der Kreisliga.

Herr Feicht, wie übersteht ein Trainer im Alter von 57 Jahren den Feier-Marathon seiner jungen Mannschaft?

Es war schon stressig für mich. Nach dem Sieg am Pfingstsamstag gegen Bernbeuren zogen sich die Feierlichkeiten noch lange hin. Ich habe an diesem Abend viel gegessen, so war das eine oder andere Bierchen durchaus zu verkraften. Am Sonntag ging es mit dem Bulldog und dem Anhänger durchs Dorf. Da war ich aber noch nicht dabei. Danach kehrte die Mannschaft zusammen mit mir im Kiosk am Weßlinger See ein und zog dann bald wieder weiter. Ich denke, dass meine Spieler nach diesem Wochenende nicht mehr wussten, wo sie überall waren.

Was war denn Ihr persönliches Highlight der Relegation?

Die allergrößte Freude hatte ich am Mittwoch nach unserem 4:0-Sieg in Bernbeuren. Da habe ich gewusst, das Ding ist gelaufen, wir sind aufgestiegen. Die hatten in der ganzen Saison keine solche Niederlage wie gegen uns. Unser Herrenleiter Christian Thorenz kam nach dem Spiel zu mir und fragte mich: „Wie hast du das jetzt wieder gemacht, du Hexer?“

Wann hatten Sie zum ersten Mal das Gefühl, dass es in dieser Saison überhaupt etwas werden könnte? Es gab ja in der Kreisklasse 1 einige aussichtsreiche Mitbewerber auf den Aufstieg.

Am Anfang war ich mir eigentlich sicher, dass wir aufsteigen. Der Kader war breit genug, die Qualität groß. Doch dann häuften sich ab dem Beginn der Punktspiele die Verletzungen. Tim Oliver Prammer riss sich die Bänder, Luis März-Vorisek brach sich die Schulter, Marius Sturm riss sich das Kreuzband, Patrick Feicht die Achillessehne, Jan Robert Stefaniak und Benedikt Huber rissen sich die Bänder am Knöchel, und Manuel Feicht ging am 1. Oktober beruflich in die Schweiz. Irgendwann überkam mich das Gefühl, da oben ist jemand, der will nicht, dass wir aufsteigen. Zum Glück konnten wir in der Winterpause den Kader mit Josue Kabeya und Diar Izadin auffüllen, der sich allerdings in der Wintervorbereitung gleich wieder einen Haarriss am Ellenbogen zuzog und sich in der Rückrunde den Meniskus anriss.

Die Mannschaft schien die vielen Ausfälle fast problemlos wegzustecken. Warum gab es keinen echten Einbruch, der wegen der personellen Probleme eigentlich zwangsläufig gewesen wäre?

So einfach war das alles nicht. Als ich im Frühjahr vergangenen Jahres meine Arbeit in Weßling aufnahm, sagte ich den Spielern, dass ihnen zehn Prozent fehlen würden. Die haben sie im Laufe der Vorbereitung und der Saison draufgelegt, weil sie alle sehr gut mitgezogen haben. Es sind einfach tolle Burschen. In der Rückrunde hat sich dann ein Stamm von 13, 14 Spielern herauskristallisiert, die absolut den Aufstieg wollten. Sie machten die Erfahrung, dass man sich weiterentwickelt, wenn man über das ganze Jahr hinweg hart arbeitet. Weil ich gesehen habe, dass die Jungs den Aufstieg wollten, habe ich eigentlich immer daran geglaubt. Unter dem Strich kann man sagen, dass die Qualität bei uns am Ende nicht mehr so hoch war, dafür aber der Wille. Und nicht zu vergessen: Es gab im Hintergrund wertvolle Helfer wie Abteilungsleiter Martin Jakob, Herrenleiter Christian Thorenz und unsere Physiotherapeutin Vroni Werner, die uns sehr unterstützten.

Dass der SC Weßling passable Kicker hat, ist nichts Neues. Bekannt war aber auch, dass sie nie in der Lage waren, eine Saison vom Anfang bis zum Ende durchzuziehen. Wie haben Sie es geschafft, der Mannschaft eine neue Mentalität zu implantieren?

Ich muss einräumen, dass von den Spielern nicht jeder mit meinen Methoden glücklich war. Ich habe es ja erwähnt, es war am Ende ein relativ kleiner Stamm, der bis zum Schluss eisern durchhielt. Aber jeder Trainer hat nun mal seine eigenen Methoden. Ich habe den Jungs vor dem allerersten Training gesagt, dass jetzt für sie ein Marathon beginnt. Vor der Relegation gegen den TSV Bernbeuren teilte ich ihnen mit, dass sie kurz vor der Ziellinie stünden. Dazwischen habe ich von ihnen immer wieder diese Willensstärke gesehen, die nötig ist, wenn man etwas erreichen will. In Gauting lagen wir 1:3 zurück und gewannen am Ende zu zehnt mit 4:3. Das sagt sehr viel aus über die Entwicklung jedes Einzelnen und der gesamten Mannschaft.

Es war aber nicht nur das Spiel in Gauting, das die Mannschaft zu bestehen hatte.

Es gab wirklich zahlreiche Punkte, die ich schwer alle aufzählen kann. Ich denke da nicht nur an die Verletzten, sondern auch an die an Corona erkrankten Spieler. Am Anfang der Saison waren es fünf, sechs Teams, die um den Aufstieg spielten, nach der Winterpause nur noch drei und vier Wochen später nur noch zwei. Das ist schon eine Leistung, bis zum Ende immer in der Verlosung dabei zu sein. Wir haben trotz aller Handicaps nur vier Spiele verloren. Es war schon eine brutale Saison, die wir alle gezeigt haben.

Zu einem Aufstieg gehört nicht allein eine erfolgreiche und ehrgeizige Mannschaft. Was hat der Trainer in seinem ersten Jahr in Weßling gelernt?

Ich kann nur sagen, dass mich diese Saison von allen meinen Trainerjahren am allermeisten angestrengt hat. Das liegt vielleicht auch an meinem Alter, aber egal. Es hat sich so viel verändert in der vergangenen Zeit. Früher bist du mit 20 Spielern in eine Saison gegangen und konntest dich darauf verlassen, dass sie vom Trainingsauftakt bis zum letzten Spieltag alle da sind. Heute geht der eine zum Studieren nach Bamberg oder nach Österreich oder zum Arbeiten in die Schweiz. Manche von ihnen fahren während der Vorbereitung einfach in den Urlaub. Das hätte es früher nie gegeben. Sich damit zurechtzufinden, war schwer für mich.

Wie haben Sie es am Ende geschafft? Das ging doch sicherlich nicht ohne Kompromisse?

Es hat sich ausgezahlt, dass ich meinen Sohn Patrick als Co-Trainer an meiner Seite hatte. Von ihm wurde ich immer super unterstützt. Er ist jetzt 30 Jahre alt und an den jüngeren Spielern vom Alter her viel näher dran als ich. Er hat immer zu mir gesagt, wenn ich mich aufregte: Hey Dad, du musst ruhiger und cooler werden. Das hat mir am Ende geholfen, in der einen oder anderen Situation gelassener zu reagieren. Aber ganz über meinen Schatten springen konnte ich auch nicht. Ich bin manchmal stur, was manche Spieler, sehr zu meinem Bedauern, hin und wieder feststellen mussten. Aber ich bin halt so.

Bei Ihren letzten Stationen in Oberweikertshofen und Oberalting hat Ihr Ruf als Trainer gelitten. An Ihre früheren Erfolge als Trainer des TSV Gilching, mit dem Sie gleich zweimal aufgestiegen sind, konnte oder wollte sich niemand mehr erinnern. Ist es für Sie eine gewisse Genugtuung, es Ihren Kritikern noch einmal gezeigt zu haben?

Ich bin nicht Trainer in Weßling geworden, um irgendjemandem irgendetwas zu beweisen. Ich bin jetzt so lange als Spieler und Coach im Fußball tätig, das brauche ich einfach nicht mehr. Ich bin immer der Gleiche gewesen, ob ich nun in Herrsching, Gilching, Oberalting oder Weßling gearbeitet habe. Ich denke, dass, wenn es nicht lief, es nicht nur an mir lag, sondern auch an den besonderen Verhältnissen vor Ort. Mein Motto war immer: Gib niemals auf. Das hat mir nicht nur im Fußball, sondern auch in meinem Leben weitergeholfen. Du bist nicht der Beste, wenn du jedes Spiel gewinnst. Du bist der Beste, wenn du nach Niederlagen immer wieder aufstehst.

Dieses Auf und Ab wird nicht enden. In der kommenden Saison spielen Sie in der Kreisliga. Reicht ein Kader von ungefähr 14 Spielern zum Klassenerhalt aus?

Uns muss bewusst sein, dass vom Niveau her überwiegend Spiele auf uns zukommen werden, wie wir sie in der vergangenen Saison schon gegen den TSV Geiselbullach erlebt haben. Das bedeutet, dass wir in der Vorbereitung noch härter arbeiten müssen, um den Belastungen gewachsen zu sein. Allerdings verlieren wir mit Benedikt Huber und Markus Hüttling zwei wichtige Spieler, die dorthin gehen, wo sie angeblich Fußball spielen können.

Das hat Oberaltings Trainer Thomas Dötsch so formuliert.

Für mich ist das schon ein bisschen verwirrend. Wir schießen in der vergangenen Saison inklusive Vorbereitung und Relegation mehr als 140 Tore, aber Fußball spielen wir nicht? Das muss mir erst mal jemand erklären.

Hüttling und Huber sind weg. Wer kommt nach?

Aus der eigenen A-Jugend erhalte ich vier Spieler. Außerdem kehrt mit Florian Schneider ein Torhüter von der SG Söcking/Starnberg zurück. Benedikt Huber und Markus Hüttling gehen, Tim Oliver Prammer hört auf, und bei Josue Kabeya besteht nur eine Chance von 50 Prozent, dass er weitermacht. Das sind dann nur noch elf Leute im Kader plus die vier Jugendspieler und der Torhüter. Da musst du schauen, dass du die Klasse hältst. Denn auch in der kommenden Saison geht es wieder mit Verletzten, Urlaubern und mit Spielern, die beruflich oder an der Universität eingespannt sind, weiter. Da braucht sich keiner irgendwelche Illusionen zu machen. Aber vielleicht kriegen wir noch den einen oder anderen Spieler.

Und Sie selbst?

Ich bin nur noch froh, dass es vorbei ist. Aber in knapp drei Wochen fängt die Vorbereitung auf die neue Saison an. Zum Ausruhen und Atemholen bleibt da fast keine Zeit.

Das Gespräch führte Christian Heinrich.

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