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Bye bye Bayernliga: Nach der Niederlage am letzten Spieltag gegen den FC Augsburg rückte der Abstieg der SpVgg Starnberg wieder ein Stück näher.

Starnberger Sportgeschichte(n)

SpVgg Starnberg fehlen Sekunden zum Klassenerhalt

Der 5. Juni 1989 war einer der größten Tage in der Geschichte des Starnberger Fußballs. Da stieg mit der SpVgg Starnberg unter der Regie von Trainer Gerd Ritzer (heute 70) erstmals ein Verein aus dem Fünfseenland in die Bayernliga auf. Knapp ein Jahr später war Ritzer längst entlassen. Und der 11. Mai 1990 ging als einer der schwarzen Tage in die Sport-Geschichtsbücher ein.

Starnberg – Schwarz? Nein – eigentlich war’s ein mega-dunkelschwarzer Freitag für die mittlerweile vom letztlich völlig erfolglosen Helmut Richert trainierten See-Löwen. Am letzten Spieltag der Saison 1989/90 hätte die SpVgg beim heutigen Bundesligisten und damaligen Tabellendritten FC Augsburg einen Punkt gebraucht, um den Klassenerhalt unter Dach und Fach zu bringen. Es sah heute vor 30 Jahren lange so gut aus vor 400 Zuschauern im Augsburger Rosenaustadion: 89 Minuten durften die Starnberger von einem weiteren Jahr Bayernliga träumen. Doch dann fehlten nur ein paar Sekunden zum Happy End.

Doch der Reihe nach: Vorstopper Andreas Schmid, längst verstorben, brachte die SpVgg in der 58. Minute mit 1:0 in Führung. Was sollte da noch schiefgehen? Aber die Schwaben wollten sich nicht mit einer Niederlage in die Sommerpause verabschieden. Das Team von Ex-Bundesliga-Profi Dieter Schatzschneider, der zum letzten Mal für den FCA auflief, steckte nicht auf – und kam in der 84. Minute durch einen Elfmeter von Thomas Renner zum Ausgleich. „Momentan reicht’s noch“, machte Manager Frank Fleschenberg sich und der Mannschaft Mut.

Nur noch sechs Minuten bis zur Rettung! Doch die fiel aus. Erst kassierte Michael Karl (ebenfalls schon verstorben) in der 88. Minute eine Zehnminuten-Strafe, dann schlug Reinhard Föckersberger gegen die dezimierten Gäste Sekunden vor dem Schlusspfiff eiskalt zu. Flanke von links und der Augsburger köpfte zum Siegtreffer ein. Aus und vorbei, zumal die Bayern-Amateure in der Schlussphase noch 2:1 in Weiden gewannen und damit das Entscheidungsspiel mit der SpVgg um den Relegationssplatz verhinderten. Um 20.18 Uhr stand fest: Die Starnberger belegen in der Endabrechnung Platz 13, müssen in die Relegation und damit weiter um den Klassenerhalt zittern.

Es herrschte erst mal Totenstille in der Kabine. Torwart und Kapitän Andreas Wollinger war als erster Spieler wieder ansprechbar. „Der Stachel der Enttäuschung sitzt tief“, gab er zu. „Es wird einige Zeit dauern, bis diese maßlose Enttäuschung verdaut ist.“ Doppelt bitter: Die Starnberger mussten jetzt vier spielfreie Wochen überbrücken. Die Relegationsrunde mit den Tabellenzweiten der Landesligen war damals erst für den 9./10. Juni terminiert. „Urlaub ade“, ärgerte sich Torjäger Peter Weiser. Coach Richert sah in der langen Pause erst mal kein Problem: „Je länger die Pause dauert, desto besser kann ich auf die Spieler einwirken.“

Fleschenberg prophezeite allerdings schon: „Das wird eine schwierige Aufgabe für den Trainer.“ Und der Manager, heute Präsident des Charity-Golfclubs Eagles, sah alles andere als optimistisch in die Zukunft: „In den letzten Jahren ist immer der Bayernligist in der Relegation gescheitert, weil die Pause viel zu lang ist.“ Am 10. Juni 1990 sollte sich zeigen, dass Fleschenberg richtig lag.  

Thomas Ernstberger

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