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Nafziger: Besonders die Pause für Kinder und Jugendliche tut uns weh

Stefan Nafziger, Schatzmeister des TV Stockdorf im Interview

Nafziger: Besonders die Pause für Kinder und Jugendliche tut uns weh

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Schatzmeister Stefan Nafziger spricht im Interview über die Auswirkungen von Corona auf den TV Stockdorf. Besonders die Pause für Kinder, Jugendliche und Senioren tut ihm weh.

StockdorfWegen der Corona-Pandemie liegt der Sportbetrieb für die rund 110 Vereine im Landkreis sowie für die über 50 Schützenvereine auf Eis. Nach wochenlangem Komplett-Verbot sind zumindest kontaktfreie Individualsportarten wie Tennis oder Golf seit vergangenem Montag wieder erlaubt. Im Rahmen einer Umfrage des Starnberger Merkur beantwortet heute Stefan Nafziger, Schatzmeister und Schriftführer des TV Stockdorf, unsere Fragen.

Welche Auswirkungen hat die vorübergehende Einstellung des Sportbetriebs für Ihren Verein?

Der TV Stockdorf ist ein klassischer Verein des Breitensports. Sprich, wir haben bei rund 1000 Mitgliedern eine große Abdeckung über alle Altersklassen. Ob im Fußball, beim Tennis, im Kinderturnen oder beim Tanzsport, sowohl die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als auch die Möglichkeit für ältere Mitbürger, sich körperlich und geistig fit zu halten, sind uns sehr wichtig. Der Sportbetrieb ruht, was in vielerlei Hinsicht traurig, aber dennoch richtig ist. Nachteile im Wettbewerb unserer Sportlerinnen und Sportler sind aber nicht zu erwarten, weil ja sonst auch niemand trainieren darf. Außerdem ist das derzeit eher nebensächlich, weil es um Wichtigeres geht. Besonders die Pause beim Bewegungssport für Kinder und Jugendliche tut uns weh. Aber auch unseren ältesten Mitgliedern, die sich altersbedingt schwertun, joggen zu gehen oder eine flotte Runde Rad zu fahren, würden wir gerne die Möglichkeit geben, sich etwa durch Gymnastik mobil zu halten. Die Hoffnung ruht auf sich weiter verbessernden Corona-Zahlen und weiteren Lockerungen der Beschränkungen.

Unsere Mitglieder sind sehr solidarisch

Gibt es bereits vermehrt Kündigungen von Mitgliedschaften oder aber das Gegenteil: Bekundungen von Mitgliedern, auf jeden Fall auch in Krisenzeiten und darüber hinaus zu bleiben?

Unsere Mitglieder sind sehr solidarisch, uns ist von keiner Kündigung bekannt, die mit ausfallendem Sportbetrieb erklärt wurde. Auch Forderungen nach Reduzierung oder Aussetzen der Beiträge haben uns nicht erreicht. Dafür sind wir sehr dankbar, schließlich fallen die meisten Fixkosten trotzdem an und wesentliche Einnahmequellen wie aus der Verpachtung der Vereinsgaststätte komplett aus.

Welche (finanzielle) Perspektive sehen Sie nach dem wochenlangen Verbot des Vereinssports? Bis wann sehen Sie Ihren Verein handlungsfähig?

Wie beschrieben, stellen die Einnahmen aus der Verpachtung der Vereinsgaststätte einen wesentlichen Beitrag zu unserem Budget dar. Dieser entfällt während der Schließung ganz. Wir haben sehr zügig weitgehende Einigung mit unseren Partnern gesucht und erreicht und konnten so auch die Kostenseite verträglicher gestalten, sodass aus heutiger Sicht noch keine Not droht. Unser Fokus gilt nun der Sanierung des Fußball-Trainingsplatzes. Die Arbeiten haben begonnen, und da durch die Kontaktverbote freiwillige Arbeitsdienste nicht in Gruppen erbracht werden dürfen (und so nur sehr bedingt Geld gespart werden kann), ist es umso wichtiger, dass der Dienstleister seinen Kostenrahmen einhält. In diesem Zusammenhang verweisen wir gerne noch mal auf die noch laufende Spendenaktion „Schluss mit Ackern!“, wir sind für jeden Euro sehr dankbar! Das Verbot des Sports an sich stellt finanziell die geringere Herausforderung dar, fehlende Einnahmen und entfallende Ausgaben halten sich die Waage.

Der BLSV ist recht nah an uns Vereinen dran

Welche Hilfe erwarten Sie von Sportorganisationen, Verbänden oder Politik?

Die Belange der kleinen Vereine müssen besonders berücksichtigt werden, vor allem die Situation rund ums Ehrenamt. Wir sind alle engagierte und motivierte, sicherlich auch erfahrene Funktionäre, aber wir werden immer weniger. Wenn es also zu Hilfsangeboten und -maßnahmen kommt, ist es wichtig, dass der Antrag unkompliziert und das ganze Prozedere leicht nachvollziehbar ist. Und dass die Regeln einfach zu verstehen sind. Der BLSV ist sowohl mit seiner Zentrale als auch mit Kreisvorstand Walter Moser recht nah an uns Vereinen dran. Es werden regelmäßig Informationen und Tipps versandt, das ist bisher eine gute Hilfe. Die Fachverbände treffen ihre Entscheidungen gerne für sich. Beim Bayerischen Fußball-Verband etwa läuft es wohl darauf hinaus, dass die Saison ab September fortgeführt werden soll – ob das hilft oder realistisch ist, wird man sehen.

Gibt es Initiativen Ihres Vereins in Corona-Zeiten (Einkaufsangebote für ältere Mitmenschen, etc.)?

Von Initiativen, die auf der Struktur des Vereins gründen, ist mir nichts bekannt. Aber generell gibt es in Stockdorf eine große Solidarität untereinander. Innerhalb des Vereins haben wir mit der Tennisabteilung eine Hilfsaktion für den Vereinswirt gestartet, durch Gutscheinkäufe können Mitglieder und auch andere Gäste des „Zadar“ helfen, die Notlage der Familie zu lindern.  

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