Hans Schmid im Spiel gegen den TSV 1860 München.
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Hans Schmid im Spiel gegen den TSV 1860 München.

Ehemaliger Spielertrainer

SV Inning: Hans Schmid als Trainer der glorreiche Zeiten

Ein Rückblick über Hans Schmid, ehemaliger Spielertrainer beim SV Inning, und die erfolgreicheren Zeitden des SV Inning.

Inning – In Afrika gibt es die „Big Five“, die fünf großen Tiere. Das sind Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. In den 1980er-Jahren gab es auch im Landkreis Starnberg die fünf Großen. Und zwar Vereine, fast alles Bezirksligisten, die damals das sportliche Geschehen bestimmten, mittlerweile allerdings zu Fußballzwergen mutiert sind oder sogar längst den Spielbetrieb eingestellt haben. Das waren die 1993 aufgelöste SpVgg Starnberg, die FT Starnberg (heute: B-Klasse-Spielgemeinschaft mit SV Söcking), der TSV Tutzing (A-Klasse), der TSV Herrsching (Letzter der Kreisklasse) – und der SV Inning (Kreisklasse). Vor knapp vier Jahrzehnten, 1983, stieg der SVI unter der Regie von Spielertrainer Hans Schmid zum wiederholten Mal in die Bezirksliga auf. Heute ist Schmid 67 Jahre alt – und dem Fußball nur noch am Fernseher verbunden.

Schmid: Pokal-Halbfinale gegen 1860 München als Highlight

Der damalige Libero war der ruhende Abwehr-Pol der Inninger Mannschaft um Kapitän Jakob Scheidl (im Juni 2011 verstorben), dessen Bruder Hannes, Sturm-Schlitzohr Sepp Welzmüller, Torwart Heinz Ullmann, Hans Ritzer, Andi Decker und Bruno Leitmeier (heute Co-Trainer des SVI). „Nach dem Aufstieg kam gleich das Highlight meiner Karriere“, erinnert sich Schmid heute. Nach Siegen gegen SpVgg Starnberg, Fürstenfeldbruck und Freising hieß am 2. Juni 1983 der Gegner im bayerischen Pokal-Halbfinale TSV 1860 München – nach dem Zwangsabstieg seit 1982 Bayernligist.

„Inning war eine 1860-Hochburg, lauter eingefleischte Löwen-Anhänger. Der absolute Wahnsinn, dass wir einmal in einem offiziellen Spiel gegen sie spielen durften“, erzählt Schmid. „Es kamen 4000 Zuschauer, die Organisation war eine echte Herausforderung für Inning. Ich erinnere mich an jede Menge Sicherheitsmaßnahmen, eine Hundertschaft der Polizei, viele Vorgaben des Verbandes und daran, dass 1860 das Spiel vom Kuchelberg ins neue Stadion verlegen lassen wollte. Das war aber erst frisch eingesät und noch nicht abgenommen.“ Die Sensation lag nach Welzmüllers Führungstreffer gegen Gerry Hillringhaus in der 35. Minute in der Luft. Am Ende gewann 1860 aber nach Verlängerung 3:1. „Die Löwen haben reingehauen wie die Verrückten, die waren völlig übermotiviert. Sie wussten ganz genau, dass wir zuvor schon höherklassige Gegner ausgeschaltet hatten“, sagt Hans Schmid.

Schmid: Trainer in Inning - Spieler in Jesenwang

Der gebürtige Jesenwanger (Kreis Fürstenfeldbruck) hatte im Sommer 1981 seine Bayernliga-Karriere beim SC Fürstenfeldbruck beendet. „Wir haben eine supergeniale Saison gespielt, wurden Dritter hinter den Nürnberger Amateuren und dem MTV Ingolstadt. Ich habe dann trotzdem mit 28 gesagt: Es reicht.“ Schmid wollte heim, sich mehr um seine Druckerei kümmern. Er heuerte bei C-Klassist TSV Jesenwang an.

Dann folgte eine ungewöhnliche Geschichte. „Im Spätherbst 1981 klopften die Inninger an, sie wollten mich als Spielertrainer. Ich sollte helfen, den Bezirksliga-Klassenerhalt zu schaffen. Aber ich stand bei Jesenwang im Wort“, erzählt Schmid. So kam es zum Kompromiss: „Ich habe Inning als Trainer übernommen und noch bis Saisonende in Jesenwang gespielt. Das war kein Problem, da Inning fast immer am Samstag und Jesenwang am Sonntag gespielt hat. Und wenn sich die Spiele mal überschnitten haben, hat mich Ex-Löwe Hans Auernhammer in Inning vertreten.“ Resultat: Schmid stieg mit Jesenwang in die B-Klasse auf, verpasste aber mit Inning den Klassenerhalt um einen Punkt.

SV Inning: Mannschaft der Saison

Der Abstieg wurde schnell repariert. Dank der „überragenden Fußballer“ (Schmid) des SVI gelang mit dem neuen Spielertrainer der sofortige Wiederaufstieg. Der und der tolle Auftritt gegen 1860 brachten den Ammersee-Fußballern im Starnberger Merkur sogar den Titel „Mannschaft der Saison“ ein. Hans Schmid blieb bis 1986 beim SVI. „Inning war nicht einfach zu trainieren. Zudem war es meine erste Trainerstation, und ich hatte hohe Ansprüche an mich. Aber es hat fünf Jahre lang jeden Tag riesigen Spaß gemacht“, sagt er rückblickend.

Danach war im Prinzip Schluss mit Fußball. Ein paar Spiele noch und Funktionärstätigkeiten bis 1990 in Jesenwang, einige Einsätze in der alten Liga des SC Fürstenfeldbruck – dann tauschte er 1998 nach einem Bandscheibenvorfall endgültig Fuß- und Tennisball gegen Golfschläger und Mountainbike. 2002 noch ein Riesenerfolg: Zusammen mit Werner Krutsch gewann Schmid auf Sardinien das Weltfinale des Audi-Quattro-Cup, ein internationales Turnier, an dem 75 000 Hobby-Golfer teilnahmen. „Da ging ein Golfer-Traum in Erfüllung“, sagt er.

Schmid: Uli Hoeneß als Vorbild

Schmid arbeitet heute immer noch in seinem Jesenwanger Druckhaus. Er ist seit 41 Jahren mit Ehefrau Elisabeth verheiratet, hat zwei Töchter, Katrin (39) und Verena (36), und drei Enkel. Das vierte Enkelkind soll im Sommer kommen. Danach will Tochter Verena die Druckerei übernehmen. Klar ist aber, dass der Vater weiter mithilft. Zum Ausgleich fährt Innings Ex-Coach mittlerweile leidenschaftlich und viel mit dem E-Bike, schaut dazu gerne Fußball im Fernsehen: „Ich bin begeistert vom heutigen Spielniveau, von der Technik, der Schnelligkeit und dem Kurzpassspiel. Das finde ich klasse.“ Einer allerdings fehlt dem Bayern-Fan: „Mein Vorbild Uli Hoeneß. Es ist unglaublich, was er geschaffen und erreicht hat.“

(Thomas Ernstberger)

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